Junioren-WM und EM der Voltigierer in Ermelo

Voltigieren : „Pauli“ freut sich auf die Schwerstarbeit

Im National Hippisch Centrum im niederländischen Ermelo werden ab Dienstag zwei Voltigier-Großereignisse parallel ausgetragen: die Europameisterschaften der Männer und Frauen und die WM der Junioren. Die Neusserin Pauline Riedl ist dabei gleich zwei Mal gefordert – als Athletin und an der Longe.

Nadia Zülow (heute Ehning), die unerreichte Voltigier-Königin aller Zeiten, hat es mal auf den Punkt gebracht: Talent ist wichtig im Leistungssport, aber noch wichtiger ist die Fähigkeit, sich und sein Leben organisieren zu können. „Hätte ich das nicht gekonnt, hätte ich nie Erfolg gehabt,“ sagt die heute 41-Jährige. Pauline Riedl ist zumindest in dieser Hinsicht dabei, in die Fußstapfen derjenigen zu treten, die immer noch Vorbild ist für alle, die auf dem Nixhof (und anderswo) voltigieren.

„Ich freu´ mich drauf,“ sagt die 25 Jahre alte Maschinenbaustudentin, die seit Kindesbeinen an für den RSV Grimlinghausen auf dem Pferderücken turnt, spricht man sie auf die Schwerstarbeit an, die ab Mittwoch auf sie wartet. Denn im National Hippisch Centrum in niederländischen Ermelo, gerade mal zwei Autostunden vom heimischen Nixhof entfernt, werden bis Sonntag sowohl die Europameisterschaften der Männer und Frauen als auch die Junioren-Weltmeisterschaften in ihrer Sportart ausgetragen.

Pauline Riedl, die alle nur „Pauli“ nennen, ist gleich zwei Mal mitten drin statt nur dabei. Als Aktive kämpft sie auf dem Rücken von Flamant, mit Jessica Lichtenberg an der Longe, gegen 22 Konkurrentinnen um den EM-Titel im Einzelvoltigieren. Und als Trainerin und Longenführerin hält sie die Zügel von Smarti in der Hand, wenn die Junior-Gruppe des RSV sich mit zehn anderen Teams im Welt-Championat misst.

Das sieht am Donnerstag beispielsweise so aus: Ab 8.30 Uhr ist sie selbst gefordert, wenn bei den Damen als erster Wettbewerb die Pflicht im Zeitplan steht. Zehn Stunden später sind dann ihre Schützlinge an der Reihe, die ihre erste Kür vorführen – in der Pflicht sind sie bereits am Mittwoch ab 13 Uhr gefordert. Der Samstag sieht nich viel anders aus: 9.45 Uhr Technikprogramm der Frauen, 16 Uhr letzte und entscheidende Kür der Junior-Gruppen. Sicher kein Zuckerschlecken, vor allem bei den prognostizierten Hitzegraden.

Pauline Riedl, die als Zwölfjährige bereits Weltmeisterin mit der Gruppe (und NGZ-Sportlerin des Jahres) war, freut sich drauf. „Klar, man muss sich gut organisieren,“ sagt die 25-Jährige. Das freilich hat sie in all den Jahren des Leistungssports gelernt, sonst ließen sich Doppel- und Dreifachbelastungen – Studium in Aachen, eigenes Training und Training mit der Gruppe auf dem Nixhof – auch gar nicht stemmen. Viel Aufhebens macht sie nicht darum – für Sportler, die auch schon mal neben ihrem Pferd im Stall statt in Luxushotels nächtigen, ist das alles ganz normal.

Obwohl noch gar nicht so lange im Einzelvoltigieren unterwegs, reist sie als Führende der Weltrangliste nach Ermelo. Als Favoritin sieht sie sich allerdings nicht. „Das ist ganz klar Janika“, sagt sie mit Blick auf ihre Vereinskollegin Janika Derks, „die ist mir im Einzel ein paar Jahre voraus.“ Und nicht nur das. Die 29 Jahre alte Physiotherapeutin aus Dormagen scheint im Moment das Maß aller Dinge im Damen-Voltigieren zu sein. Beim CHIO in Aachen distanzierte sie die Konkurrenz (mit der Zweitplatzierten Pauline Riedl an der Spitze) deutlich, obwohl sie zuvor fast drei Monate lang wegen einer Verletzung keinen Einzelwettbewerb bestritten hatte. „Janika ist ganz klar die beste“, sagt Pauline Riedl. Was nichts damit zu tun hat, der anderen die Favoritenbürde auf die schmalen Schultern zu legen. So sind Voltigiererinnen nicht gestrickt. „Ich drücke Janika die Daumen, sie hätten den Titel verdient,“ sagt eine ihrer schärfsten Konkurrentinnen.

Auch für Janika Derks bedeuten die Tage von Ermelo eine Doppelbelastung. Im Zweier-Wettbewerb (Pas de Deux) startet sie zusammen mit Johannes Kay. Nach ihrem wenn auch knappen Sieg beim CHIO gilt das Duo im Kreis der nur sechs Paare als aussichtsreich. Doch der von Jessica Lichtenberg longierte Diamond Sky stellt als Newcomer im Voltigiergeschäft einen gewissen Unsicherheitsfaktor dar.

Das härteste Los aber hat Mona Pavetic gezogen. Die 16-Jährige muss sich bei ihrer ersten JuniorenWeltmeisterschaft als Einzelvoltigiererin gleich mit 51 (!) Konkurrentinnen messen. Doch sie hat die richtigen Vorbilder: Wie Janika Derks, wie Pauline Riedl und wie nicht zuletzt Nadia Zülow wurde sie bereits Weltmeisterin mit der Gruppe.

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