2400 Zuschauer sahen deutschen 30:22-Sieg über die Schweiz: "Junge Wilde" bereiteten viel Spaß

2400 Zuschauer sahen deutschen 30:22-Sieg über die Schweiz : "Junge Wilde" bereiteten viel Spaß

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Die Debutanten haben ihre Feuertaufe bestanden, auf dem Spielfeld, auf den Zuschauerrängen und hinter den Kulissen: Das erste Länderspiel einer Handball-Nationalmannschaft der Männer im nagelneuen TSV Bayer-Sportcenter macht Lust auf mehr. Zwar war die Schweiz bei der 22:30-Niederlage (Halbzeit 8:14) Sonntag Nachmittag kein echter Prüfstein für den Vize-Europameister, doch das tat den guten Noten, die sich das couragierte und engagierte Auftreten der DHB-Auswahl verdiente, keinen Abbruch. Seine Routine führte die "jungen Wilden" in der deutschen Nationalmannschaft zum 30:22-Sieg über die Schweiz: Frank von Behren war selbst mit vier Treffern erfolgreich. Hier setzt sich der Mannschaftskapitän vor 2400 Zuschauern im TSV Bayer-Sportcenter gegen Martin Stettler (li.) und Marc Baumgartner durch. NGZ-Fotos: H. Jazyk

"Wir haben doch fast mit einer verstärkten B-Auswahl gespielt", kommentierte Heiko Grimm, Linksaußen vom TV Großwallstadt, die Namen, die auf dem Spielberichtsbogen für die zweite Partie nach dem Gewinn der Vize-Europameisterschaft standen. Nachdem sich am Samstag auf der Rückreise aus Dessau, wo sich die deutsche Auswahl am Freitagabend bereits mit 28:16 durchgesetzt hatte, auch noch Torhüter Christian Ramota wegen akuter Magenbeschwerden auf dem Bielefelder Bahnhof vom Rest der Mannschaft verabschiedete, blieben nur noch sieben Akteure aus jenem Team übrig, das vor exakt sechs Wochen das EM-Finale gegen Schweden mit 31:33 nach Verlängerung verloren hatte.

"NGZ-Leser" Heiner Brand.

In die Bresche sprangen die "jungen Wilden", von denen "viele ihr erstes Länderspiel machten. Sie haben sich alle für weitere Aufgaben empfohlen", schickte Mannschaftskapitän Frank von Behren, mit seinen 25 Jahren hinter Daniel Stephan (28) zweitältester Feldspieler des Nationalteams, Komplimente an die Adresse seiner 19- bis 21-Jährigen Nebenleute. Die hatten sich die Christian Zeitz, Bennet Wiegert und Co. auch redlich verdient an diesem Nachmittag. "Einer so engagiert spielenden Mannschaft zuzusehen, da kommt Freude auf", sprach Heiner Brand den 2400 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Rund aus dem Herzen. Der Gummersbacher ist freilich einer, der erst einmal auf die Euphoriebremse tritt, deshalb formulierte er das Lob auch ein wenig vorsichtiger als sein Spielführer: "Der eine oder andere wird bestimmt wieder seine Chance kriegen."

Daniel Stephan schrieb fleißig Autogramme.

Das trifft sicher auf Bennet Wiegert zu. Der Magdeburger, eine Woche vor dem EM-Finale gerade 19 Jahre alt geworden, feierte einen Einstand nach Maß in der A-Nationalmannschaft: "Eigentlich wollte ich heute nur keine Fehler machen", gab er hinterher zu - daraus wurden vier blitzsaubere Tore, das erste nach 36 Minuten zum 17:9, dem er Sekunden später das zweite folgen ließ. "Das war heute ein Riesenerlebnis für mich", bekannte Wiegert über sein Debut. Das hatte der ein jahr ältere Jan-Fiete Buschmann bereits am Freitagabend in Dessau gegeben, wo ihm auch gleich sein erstes Länderspieltor gelungen war.

Gut besucht war die Sporthalle des TSV Bayer Dormagen.

Sonntag zeichnete der Mindener unter den Augen von GWD-Manager Hotti Bredemeier dafür für den schönsten Treffer des Tages verantwortlich: Ein Zuspiel von Daniel Stephan verwandelte er zwei Minuten vor dem Abpfiff per Kempa-Trick zum dreißigsten Tor der deutschen Auswahl. Da hätte es schon gar nicht mehr der Aufforderung von Hallensprecher Bernd Kaiser bedurft, um die Zuschauer zum Aufstehen zu bewegen - auch wenn mangels Spannung die ganz große Stimmung natürlich fehlte.

Dafür präsentierte sich die Schweiz einfach zu harmlos, auch wenn Arno Ehret schon "mehr Widerstand von unserer Seite als in Dessau" gesehen hatte: "Aber wir sind so realistisch, dass wir wissen, wie weit der Abstand zur Spitze ist." Höheren Ansprüchen bei den Eidgenossen genügten eigentlich nur Marc Baumgartner, Robbie Kostadinovich und mit Abstrichen Thomas Gautschi, die folgerichtig zwei Drittel der Schweizer Tore erzielten. Dass das "Ergebnis etwas freundlicher ausfiel" (Ehret) als am Freitag, hatten die Gäste auch dem einzigen Schwachpunkt im deutschen Team zu verdanken: Während Henning Fritz nämlich im ersten Durchgang mit zehn gehaltenen Bällen, darunter zwei abgewehrten Siebenmetern, glänzte, fiel sein Kollege Chrischa Hannawald nach der Pause eher durch seine kurzen Hosen denn durch gelungene Paraden auf.

Reichlich Handball-Prominenz fand sich zum Länderspiel ein.

Im Feld verdienten sich der 21-jährige Christian Zeitz vom Zweitliga-Spitzenreiter TSV Östringen und der gleichaltrige Wallauer Pascal Hens neben den "Routiniers" Daniel Stephan und Frank von Behren die besten Noten. "Wir können zufrieden sein mit beiden Spielen, aber wir dürfen sie auch nicht überbewerten", brachte Fritz die ersten beiden Länderspiele nach dem Gewinn des EM-Silbers von Stockholm treffend auf den Punkt.

(NGZ)
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