1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Jüchen: Jugendliche gestalten die Bad-Fassade

Jüchen : Jugendliche gestalten die Bad-Fassade

Jugendliche der DLRG Hochneukirch und des Jugendzentrums "B@mm" haben sich für eine neue Fassadengestaltung am Hallenbad entschieden. In sieben Wochen soll Jüchens erstes Graffiti-Projekt beginnen. Zwei Künstler begleiten es.

Was kann man gegen die illegalen Graffiti am Hochneukircher Hallenbad tun? Eine Idee von Reinhard Giese vom Jugendamt des Rhein-Kreises Neuss: "Die Fläche nicht nur übertünchen, sondern für Graffitikunst nutzen." Giese hat vergleichbare Projekte bereits in Dormagen und Korschenbroich betreut. Er weiß: "Die illegalen Graffiti-Schmierereien werden dadurch nicht mehr und nicht weniger. Aber: Die Jugendlichen wollen mit ihrer kreativen Ausdrucksart akzeptiert werden und werden stärker im Ortsbild wahrgenommen."

Foto: Berns, Lothar (lber)

In Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens fand Giese einen Partner, der offen für die neue Gestaltung war. Die Spray-Aktion gilt als Auftakt für die Internetplattform "youthpart", die ab August online gehen und die junge Jüchener motivieren soll, sich an Lokalpolitik und Demokratie zu beteiligen. "Finanziert wird die Neugestaltung der Fassade mit der finanziellen Förderung, die die Gemeinde für die Umsetzung der Jugend-Homepage erhielt", sagt Bürgermeister Harald Zillikens. Er kann sich vorstellen, künftig mehrere Gebäude im Gemeindegebiet mit Graffitikunst optisch aufzuwerten. "Ein Farbtupfer tut gut — auch, wenn sich längst nicht jede Fassade dafür eignet." Jugendliche sollten auf legale Weise die Chance erhalten, ihre Vorstellungen von Kunst zu verwirklichen.

Dass kreatives Sprayen im legalen Rahmen den Jüchenern gefällt, das zeigte die Präsentation des ausgewählten Entwurfs. "Wir haben zahlreiche positive Reaktionen erfahren — nicht nur von Jugendlichen, sondern von Jüchenern allen Alters", sagt Reinhard Giese.

Viele Ideen für ein Schwimmbad-Motiv wurden von den Mitgliedern der DLRG Hochneukirch und des Jugendtreffs "B@mm" in einer neuen, vom Jugendamt moderierten, Facebook-Gruppe gesammelt. "Daraus entstanden dann zwei Entwürfe der Graffiti-Künstler Steffen Mumm und Philipp Kömen", erläutert Michael Hackling vom Kreisjugendamt.

Rund 300 Jugendliche stimmten bis Mitte Juli bei Facebook über den neuen Look ihres Hallenbads ab — und entschieden sich für ein Motiv, das Impressionen von Sommer, Sonne, Strand und Meer zeigt. Nach der Grundierung werden die Bad-Fassade und eine angrenzende Gasstation der NEW auf ihrer ganzen Länge besprüht. Zu sehen sind ein großer Wasserhahn, der einer Taucherin Wasser spendet, bunte Fische, ein versunkenes Schiff und eine Strandkulisse beim Sonnenuntergang. So wie Harald Zillikens hofft auch Michael Hackling darauf, dass illegal agierende Sprayer Halt vor dem professionell erstellten Graffiti machen.

Geübt haben die Jugendlichen mit den Profi-Sprayern bereits im Rahmen des Sportaktionstags auf Stellwänden und an einem Materialcontainer hinterm Schwimmbad. "Die Koordination der Arbeiten ist am schwierigsten", sagt Steffen Mumm (22). Gerade bei einer solch großen Fläche müsse auf Konturen und Feinheiten geachtet werden.

Am letzten Wochenende soll das Kunstprojekt starten. Fertig sein soll Jüchens erstes Graffiti-Kunstwerk in vier Tagen.

(NGZ)