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Korschenbroich: Jürgen Becker: Was Witze witzig macht

Korschenbroich : Jürgen Becker: Was Witze witzig macht

Kabarettist Jürgen Becker führte die Musical-AG des Gymnasiums Korschenbroich in sein Bühnenhandwerk ein.

Jürgen Becker begrüßte Dr. Waldemar Willing vom "Verein der Freunde und Förderer des Kaarster Kabarett- und Kleinkustprogramms" (F3K) wie es sich für einen Kabarettisten gehört. "Wissen Sie eigentlich, warum Chirurgen einen Mundschutz tragen?", richtete Becker sich an den ehemaligen Chefarzt. "Damit sie das Messer nicht ablecken."

Auf Einladung des Kaarster Vereins war Becker jetzt beim Projekt "Schüler treffen Künstler" zu Gast im Gymnasium Korschenbroich. Rund 30 Schüler der Musical-AG führte er in das Handwerk des Kabaretts ein, und wer zuvor dachte, Witz sei nicht planbar, etwas rein Intuitives, sah sich schnell eines Besseren belehrt. "Witze", so Beckers Hauptbotschaft, "leben von ihrer Fallhöhe, vom Moment der Überraschung." Die besten Gags folgten festen Konstruktionsschemata, griffen auf bestimmte Stilmittel zurück.

Stets funktioniere zum Beispiel die "Ebenenvertauschung". Das bedeutet: etwas Ernstes mit etwas Überflüssigem zu kontrastieren. So zeigte Jürgen Becker den bekannten Loriot-Sketch, in dem das Jodeln zum Unterrichtsfach erhoben wird — und der strenge Lehrer an seinen erwachsenen Schülern verzweifelt. Auch das Werkzeug der Übertreibung und das Spielen mit dem Doppelsinn von Wörtern seien Witzgaranten. Ein Beispiel des Kölners: "Wird ein Vampir auf dem Rad beim Schlangenlinienfahren von der Polizei angehalten. Fragt ihn der Polizist: ,Was haben Sie getrunken?' Antwort des Vampirs: ,Zwei Radler.'"

Gleich zu Beginn lehrte Becker die Schüler, dass Lachen die beste Therapie sei. "Mehr als 80 Muskeln beansprucht es." Rund 100 Auftritte absolviere er pro Jahr, verriet der Kabarettist bei der abschließenden Fragerunde. Kaum noch verspüre er Lampenfieber. Doch die Kreativität ließe sich noch immer nicht befehlen. "Es gibt Tage, da versuche ich, an meinem Programm zu schreiben, und mir fällt absolut nichts Witziges ein."

Am Ende machte er den Musical-aspiranten Mut, die im kommenden Jahr auf der Bühne stehen werden: "Jeder Mensch hat Angst vor einer Premiere. Doch wer geübt hat, darf auf sein Training ruhigen Gewissens vertrauen." Wenn er selber keinen Auftritt habe, verabschiedete sich Jürgen Becker, werde er bei ihrer Aufführung vorbeischauen.

(NGZ/rl/url)