Jüchen : Jüchenerin dreht Heimatfilme

Michaela Pfeiffer aus Hochneukirch hat dem Holzer Wasserturm ein Denkmal gesetzt. "Countdown" heißt der Film, der jetzt beim Bundesfilmfestival gezeigt wird. Nicht das erste preisgekrönte Werk der Filmemacherin.

Sie sei keine Preisjägerin, sagt Michaela Pfeiffer. Aber ein positives Urteil, noch dazu von einer Fachjury, sorgt für Zufriedenheit. "Das ist die Bestätigung, dass der Film gut geworden ist. Und darum geht es mir: gute Filme zu machen."

Michaela Pfeiffer hat viele gute Filme gemacht. Den emotionalsten drehte sie im fernen Tibet. Ihr Mann hatte stets davon geträumt, den heiligen Berg der Tibeter — den Kailash — zu besteigen. Als er viel zu früh starb, rang er seiner Frau das Versprechen ab, diese Reise alleine zu machen. Und Michaela Pfeiffer machte sich auf die Reise. Unter chinesischer Bewachung, mit einem Koch an ihrer Seite, einer Kamera und der Asche ihres Mannes. Die Urne im Gepäck, erklomm die Hochneukircherin den Berg und streute in 6000 Meter Höhe die Asche ihres Mannes in alle Winde. "Kailash" ist der Film dazu. Ein persönliches Dokument und der Beweis, dass gute Filme kein Budget sondern eine Idee, Emotionen und gute Bilder brauchen.

"Countdown" ist so ein Film. Auch er ist von Michaela Pfeiffer. Auch er ist ein Film übers Abschiednehmen. Nicht von einem Menschen, sondern von einem Wahrzeichen. Der Holzer Wasserturm ragte fast ein Jahrhundert in den Himmel und markierte für die Menschen der kleinen Kommune ihre Heimat. Dann kamen die Bagger: rückten näher, wollten weiter , am Turm vorbei. "Bei meinen täglichen Spaziergängen mit den Hunden ist mir aufgefallen, wie der Tagebau dem Turm immer näher kam. Das habe ich dokumentiert. Bis zur Sprengung des Wahrzeichens", erzählt die 67-Jährige.

Bewusst hat Michaela Pfeiffer auf Kommentare verzichtet. Die Bilder des siebenminütigen Streifens sprechen für sich. Nur bei der musikalischen Untermalung, "da hab' ich dicker aufgetragen", sagt Pfeifer und lacht. Beethovens fünfte und sechste Sinfonie spitzen das Drama zu, an dessen Ende ein apokalyptischer Steinhaufen "den Tod des Wahrzeichens symbolisiert", wie Michaela Pfeiffer sagt.

Vor wenigen Tagen hat "Countdown" beim Landesfilmfestival in Düsseldorf einen ersten Preis gewonnen. Anfang Mai wird er beim Bundesfilmfestival in der Kategorie "Lokalchronik" an den Start gehen. Ob er gewinnt? "Ach, das ist mir eigentlich egal. Wichtig ist, dass der Film so geworden ist, wie ich ihn haben wollte."

(NGZ/url)