Jüchen : Jüchener helfen Hochwasser-Opfern

Innerhalb von wenigen Tagen organisierten Gabriele Kürten und Karina Karlstedt eine Spendensammlung für Hochwasser-Geschädigte. Gestern Abend wurde der 40-Tonner in Richtung Gruna vollgepackt, heute startet er.

Gruna, ein 200-Seelen-Dorf in Sachsen. Zum zweiten Mal nach 2002 hat das Hochwasser den kleinen Ort überschwemmt. Sobald das Wasser verschwunden ist, wird die Zerstörung sichtbar, dann beginnt der Wiederaufbau. Doch die Menschen in Gruna sind nicht allein. An sie denken etwa Gabriele Kürten, Karina Karlstedt und zahlreiche weitere Engagierte. Sie haben innerhalb von wenigen Tagen eine Spendensammlung organisiert. Gestern Abend wurde mit Hilfe von Feuerwehr und Polizei der 40-Tonner beladen; heute Morgen startet die Fahrt Richtung Gruna.

Karina Karlstedt hat zunächst für die Stadt Grimma in Sachsen die Hilfsgüter gesammelt. "Doch dort ist mittlerweile ausreichend Hilfe angekommen", sagt die Hundetrainerin. Die 43-Jährige hat sich informiert, wo die Menschen noch unter den Folgen des Hochwassers leiden. Rasch wurde sie auf den kleinen Ort Gruna bei Eilenburg aufmerksam. Dass Hilfe dort dringend gebraucht wird, weiß sie nach einem Telefonat mit dem dortigen Bürgerzentrum: "Als ich der Mitarbeiterin unsere Hilfe anbot, hat sie geweint", erzählt Karlstedt.

Auch bei ihr und manchen Helfern flossen in den vergangenen Tagen manchmal die Tränen – meist vor Rührung, manchmal aber auch vor Erschöpfung. Denn seit dem NGZ-Artikel über die private Spendensammlung für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe stand Karlstedts Handy nicht mehr still. Wer mit ihr telefonierte, konnte sicher sein, mehrmals das Anklopf-Zeichen zu hören. "Es ist Wahnsinn, einfach unglaublich. Nie hätte ich mit einer so großen Hilfsbereitschaft gerechnet", sagt Karina Karlstedt.

Über die Malteser konnte eine Sammelstelle organisiert werden. In Gubberath standen stundenweise Freiwillige bereit, die die Spenden annahmen, sichteten, sortierten und für den Transport verpackten. "Unsere Sammelstelle platzt aus allen Nähten", sagt Gabriele Kürten. Sie hat sich über das soziale Netzwerk Facebook mit Karina Karlstedt kurzgeschlossen. Gemeinsam organisierten die Frauen die Spendenannahme. Kleidung, Spielsachen für die Kinder, Möbel, Haushaltsgeräte, unverderbliche Lebensmittel, Futter für Haustiere – das sind nur einige Beispiele von Spenden, die in Gubberath abgegeben wurden.

Karlstedts Stimme stockt, als sie von Seniorinnen erzählt, die Kleidung ihres verstorbenen Mannes abgaben, oder von Menschen, die mit bis unters Dach vollgepackten Kombis vorfuhren. Dabei organisierte sich die Sammlung mittlerweile wie von selbst: Inzwischen werden die Kisten im größeren Maßstab eingesammelt, nicht nur eigene Spenden werden gebracht.

Muskelkraft und Ausdauer wegen der Hitze waren gefragt, als gestern der Lastwagen gepackt wurde. Auch die Männer von Polizei und der Feuerwehr packten mit an. Heute in den frühen Morgenstunden soll der Transport starten. Mark, Karina Karlstedts Mann, wird die Acht-Stundenfahrt begleiten. Er wird den Menschen in Gruna neben den Gegenständen auch ein Stück Hoffnung bringen. Denn sie können jetzt erleben: Jüchen denkt an sie. Und eine Wiederholung ist sicher. Die Helfer wollen die Menschen in Gruna tatkräftig unterstützen.

(NGZ)