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Jüchen: Jüchener erzählt Geschichten "op Platt"

Jüchen : Jüchener erzählt Geschichten "op Platt"

Manfred Wirtz hat das Leben in der Gemeinde Jüchen mitgeprägt – als Schütze, Brauchtumspfleger und Mundarterzähler. Der 70-Jährige wird auch jetzt wieder beim Mundartabend mitwirken und "op Platt" Einblicke in die Jüchener Geschichte geben.

JÜCHEN Der Mann kennt sich aus mit seinem Heimatort Jüchen. Als kleiner Junge hatte Manfred Wirtz die Gemeinde in den 1940er Jahren an der Hand des Großvaters erlebt. Vor allem die Bilder aus den Nachkriegsjahren haben sich in seine Erinnerung eingebrannt. "Daraus entstand das Thema vom vorjährigen Mundartabend im Haus Katz rund um die ,Jööcher Lüü' – die Jüchener Leute", sagt Manfred Wirtz.

Wer ihn reden hört, merkt rasch: Der 70-Jährige hat die Gabe, in seinem Gedächtnis bis heute all das exakt zu speichern, was er als Kind beobachtet hatte. Beim Mundartabend in diesem Jahr wird Wirtz das Thema des Vorjahres vertiefen und geht auf Dinge ein, die es hinter den Fassaden der Häuser gab. Er sagt: "Se konnden sech och Freud mache ohne Fernsehapparat."

Die Familie Wirtz ist selbst schon lange in Jüchen sesshaft. Ihr Raumausstattungsgeschäft an der Odenkirchener Straße wird bereits in der vierten Generation geführt – von Manfred Wirtz' Sohn Christoph. Gründer war im Jahr 1901 Großvater Joseph, der Enkel Manfred als Kind überall in Jüchen mitnahm.

Nach seiner Volksschulzeit, in der auch Hubert Klinkhammer vier Jahre sein Klassenlehrer war, machte Manfred Wirtz eine Lehre als Raumausstatter und 1965 in Frankfurt die Meisterprüfung. Wirtz sagt: "Aber ich habe auch schon seit 1959 mit 17 Jahren als Mitglied des Jägerzuges "Jucunda" ganz begeistert dem Bürgerschützen - und Heimatverein (BSHV) angehört, in dem auch Großvater Josef und Vater Leo Mitglied waren." Eine begeisterte Schützenfamilie also.

Später war Manfred Wirtz langjähriger Regimentskommandeur des BSHV. Als sich Wirtz aus familiären Gründen nicht mehr zur Wahl stellte, wurde er 2005 zum Ehrenkommandeur ernannt und nimmt immer noch gerne an allen Aktivitäten des Vereins teil. Als seine große Passion bezeichnet Wirtz die Jagd. Er betont: "Vor allem geht es mir um das Hegen und Pflegen der Wildbestände und nicht so sehr um das Schießen." Neben seinen vielfältigen Aufgaben betätigte er sich auch als Hegeringleiter.

Wer sein Haus an der Alleestraße betritt, kann auf den ersten Blick anhand von Jagdtrophäen die Leidenschaft von Manfred Wirtz erkennen. Seine Ehefrau Maria lernte er 1962 kennen – auf der Jüchener Kirmes. Maria war gerade 18 Jahre jung und vom Kölner Land mit ihrer Familie nach Jüchen zugezogen. Hochzeit wurde 1967 gefeiert, ein Jahr später wurde Sohn Jochen geboren. 1972 und 1973 folgten die Söhne Christoph und Volker.

Manfred und Maria Wirtz waren natürlich auch Schützenkönigspaar in Jüchen. Das war 1995. "Das Königsspiel ist das Höchste, was einem begeisterten Schützen passieren kann", erklärt Wirtz. Und wie er dazu kam, Jüchener Heimatgeschichte mundartlich in anspruchsvolle Ferse zu fassen und vorzutragen? Wirtz überlegt nur kurz und sagt: "Ich habe immer schon im Schützenverein in mancherlei Funktion bei Veranstaltungen aus dem Stegreif Dinge vorgetragen." Und als ihn Hans-Hubert Krall als Präsident vor sechs Jahren fragte, hätte er spontan das erste Mal beim "Ovend op Platt" mitgemacht.

(vest)