Jüchen : Jüchen plant Urnen-Tourismus

Um freie Friedhofsflächen gewinnbringend zu nutzen, plant die Gemeinde, aus anderen Kommunen anonyme Urnenbestattungen zu übernehmen. Rund 5000 Euro soll das pro Jahr einbringen, Pfarrer Ulrich Clancett ist empört.

Fünftausend Euro für eine nicht bezifferte Zahl anonymer Toter aus der Region — dies ist ein Vorschlag der Verwaltung zur Haushaltskonsolidierung. Das Konzept ist nicht neu, auch Grevenbroich hat Erfahrungen mit Begräbnissen auf fremden Friedhöfen gesammelt. Die Stadt lässt bereits seit 2007 verarmte Menschen ohne Angehörige in Rheinland-Pfalz bestatten und spart nach eigenen Angaben dadurch rund 1500 Euro pro Beerdigung. Jüchen will nun den umgekehrten Weg gehen und sich als Friedhofsstandort für andere Kommunen attraktiv machen.

"Wir haben mehr Friedhofsfläche als unbedingt erforderlich. Diese Freiflächen wollen wir wirtschaftlich nutzen", erklärt Oswald Duda, Technischer Dezernent der Gemeinde. Derzeit laufen Verhandlungen mit Krematorien, über die Details schweigt sich Duda aus. Eine Urnenstele oder ein personalisiertes Grab wird es aber nicht geben. "Es geht um anonyme Bestattungen", sagt Duda.

Eine mögliche Vereinbarung wäre die räumlich begrenzte Abtretung der Nutzungsrechte an ortsfremde Krematorien. Diese könnten das abgetretene Areal für ihre Urnenbestattungen nutzen und würden der Gemeinde Jüchen einen festen Betrag überweisen. Dadurch könnte das Krematorium die Bestattung mittellos Verstorbener deutlich günstiger anbieten. Auch Grevenbroich nutzt dieses Gebührengefälle. Verwaltungschefin Ursula Kwasny war es in der Diskussion um diese Bestattungspraxis wichtig, die besondere Situation der einsam Verstorbenen in den Vordergrund zu stellen. "Natürlich wollen wir den Angehörigen nicht die Möglichkeit nehmen, an der Grabstätte des Toten vor Ort zu trauern", sagte Kwasny.

Aus Sicht von Jüchens Pfarrer Ulrich Clancett ist die Tatsache, dass ein Toter keine Angehörigen mehr hat, jedoch völlig unerheblich für die Form des Begräbnisses. "Ein Mensch bleibt auch nach seinem Tod ein Wesen, das eine Erinnerung verdient. Friedhofsbesucher bemerken die Namen von Verstorbenen, selbst wenn sie nicht verwandt sind", sagt der katholische Geistliche.

Zwar räumt Clancett ein, dass die Gemeinde mit den Plänen ihren hoheitlichen Rechten nachkommt: "Doch aus kirchlicher Sicht kann ich diese Überlegungen nicht gutheißen." In Mönchengladbach und in Venlo hat Clancett die Konsequenzen der anonymen Bestattungen bemerkt: "Dort werden die namenlosen Begräbnisfelder mit Bildern und persönlichen Erinnerungsstücken bestückt."

(NGZ/rl)