Finale im Kreispokal Jüchen/Garzweiler schreibt mit Triple-Sieg Pokalgeschichte

Grevenbroich · Auf schwierigem Geläuf im Grevenbroicher Schlossstadion bieten der Cupverteidiger und Gnadental 1100 Zuschauern ein tolles Finale.

Die verzweifelte Gegenwehr von Malte Hauenstein (am Boden) und Torhüter Shohei Momma war vergebens, Fatlum Ahmeti hat den Ball zum 2:0 für Jüchen über die Torlinie gestochert.

Die verzweifelte Gegenwehr von Malte Hauenstein (am Boden) und Torhüter Shohei Momma war vergebens, Fatlum Ahmeti hat den Ball zum 2:0 für Jüchen über die Torlinie gestochert.

Foto: Carl Herrlich

Mitunter bedarf es nur weniger Worte, um sein Innerstes nach außen zu kehren. Selbst dem ansonsten durchaus wortgewaltigen Marcel Winkens raubte die Dimension des 6:3-Erfolges (Halbzeit 3:1) der von ihm seit dem 1. Juli 2019 trainierten Landesliga-Fußballer des VfL Jüchen/Garzweiler im Kreispokalendspiel über die DJK Gnadental fast den Atem. Erst mit einiger Verzögerung brach es aus ihm heraus: „Drei Mal hintereinander, das ist doch Wahnsinn!“

Mit dem Triumph vor 1100 bestens unterhaltenen Zuschauern im Grevenbroicher Schlossstadion hat die Viktoria tatsächlich Pokal-Geschichte geschrieben. Das Triple ist im Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss noch keinem Verein gelungen. Dabei wäre die ganze Chose fast ins Wasser gefallen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ergiebige Regenfälle hatten dem ohnehin chronisch angegriffenen Hybridrasen schwer zugesetzt, „so dass wir nach der Platzbegehung um 11 Uhr kurz davorstanden, das Spiel abzusagen“, verriet Kreisfußballvorsitzender Dirk Gärtner.

Erst der energische Einsatz der ehrenamtlich tätigen Helfer-Truppe des gastgebenden TuS Grevenbroich machte das tiefe Geläuf spielfähig und zauberte Friedel Geuenich ein entspanntes Lächeln ins Gesicht. Doch der Vorsitzende der Fußball-Abteilung bekannte: „Am Morgen hatten wir schon weiche Knie – und auch in den Wochen davor haben wir immer wieder die Wetter-App aufgerufen.“

Das Schiedsrichtergespann: (v.l.) Jan Ripphahn (FK Helpenstein), Martin Schädlich (SV Rosellen) und Luca Mücke (SG Gustorf/Gindorf).

Das Schiedsrichtergespann: (v.l.) Jan Ripphahn (FK Helpenstein), Martin Schädlich (SV Rosellen) und Luca Mücke (SG Gustorf/Gindorf).

Foto: Carl Herrlich

Vereins-Vize-Präsident Wolfgang Troles geht es freilich nicht nur um die Erneuerung des Rasenplatzes, sondern um den Erhalt der gesamten Sportanlage. Darum stellt er klar: „Das ist nicht das TuS-Stadion, sondern das Schlossstadion. Hier wird von insgesamt 1000 Mitgliedern beim TuS Grevenbroich, dem TK Grevenbroich, dem Kanu-Club Grevenbroich und dem TC Rot-Weiß Grevenbroich in 23 Disziplinen Sport getrieben.“ Er setzt große Hoffnungen in das bei der Neusser Firma TERRA Umwelt Consulting in Auftrag gegebene Bodengutachten, „das die Basis für die Entwicklung des Schlossstadions legen soll und die Politik davon überzeugen könnte, diesen Weg auch mitzugehen.“

Am Ostermontag mussten sich die beiden technisch hochveranlagten Teams noch mit den Tücken des seit Jahren in der Kritik stehenden Hybridrasens herumschlagen. Und das taten sie ausgesprochen engagiert, wenngleich Gnadentals Trainer Sebastian Michalsky erklärend ins Feld führte: „Wir hatten zu Beginn schon Schwierigkeiten, uns auf die Platzverhältnisse einzustellen.“ Auch Winkens vermochte keine ausschließlich mit dem wenig trittfesten Untergrund verbundenen technischen Fehler auszumachen.

Dass seine Jungs große Probleme hatten, ins Spiel zu finden, mochte Michalsky jedenfalls nicht auf den Rasen schieben. Jüchen dominierte die Anfangsphase und hätte durchaus höher führen können als 2:0. Dem Treffern des im Doppelpack erfolgreichen Goalgetters Fatlum Ahmeti ließ DJK-Kapitän Malte Hauenstein per Kopf den 1:2-Anschluss folgen (22.) – ein Tor, das dem Match sein Gepräge gab. Denn immer dann, wenn der Bezirksligist drauf und dran war, den Rückstand zu egalisieren, zog Jüchen den Kopf noch aus der Schlinge.

Winkens bereitet es darum keine Mühe, die beiden für den Sieg seiner Mannschaft entscheidenden Schlüsselszenen zu isolieren: In der 23. Minute verpasste der ungemein fleißige Oliver Wargalla in guter Schussposition das 2:2. Darauf traf Ahmeti noch im ersten Abschnitt zum 3:1 für Jüchen. Und nach der Salve von Maik Ferber zum 2:3 (56.) hatte Wargalla, der in der Liga in 23 Spielen bereits 29 Mal geknipst hat, wiederum den Ausgleich auf dem Fuß, fand aber in VfL-Keeper Shunsuke Takahashi seinen Meister. Vier Minuten später nutzte abermals Ahmeti einen umstrittenen Foulelfmeter zum 4:2 für Jüchen.

Zwar brachte der eingewechselte Andrej Hildenberg die Gnadentaler prompt auf 3:4 (78.) heran, doch damit hatte die DJK ihr Pulver endgültig verschossen. In der Schlussphase machten Alen Muratovic und David Oliveira mit ihren Treffern zum 6:3 alles klar für die Party in Blau-Weiß-Rot. Bei der DJK blieb Michalsky danach nur der Stolz auf eine wirklich starke zweite Hälfte. „Da habe ich uns besser gesehen.“ Trotzdem resümierte er enttäuscht: „Wenn du verlierst, besonders ein Finale, ist das immer Scheiße!“

Winkens, der mit seinen Schützlingen wie auch Gnadental in der Liga immer noch aufsteigen kann, zeigte derweil Verständnis für die nach dem Seitenwechsel nicht mehr ganz so souveräne Leistung des Triple-Siegers: „Das war unser 45. Pflichtspiel in dieser Saison – und es kommen ja auch noch einige. Irgendwann stoßen auch wir an unsere Grenzen. Umso größeren Respekt hat diese Mannschaft verdient.“

DER SPIELFILM

1. Minute: Nach dem Gnadtentaler Anstoß gewinnt Jüchen den Ball und kommt durch Nils Friebe zur ersten Großchance, die DJK-Kapitän Malte Hauenstein auf der Linie vereitelt.

6. Minute: Der VfL kontert über die rechte Seite. Alexander Hahn geht bis zur Grundlinie durch und gibt den Ball flach in die Mitte, der abgefälschte Ball landet bei Torjäger Fatlum Ahmeti, der souverän zum 1:0 einnetzt.

8. Minute: Der VfL gewinnt im Mittelfeld den Ball, Alexander Hahn geht auf der rechten Seite ins Tempo und eilt den Gnadentalern davon und scheitert aus spitzem Winkel an DJK-Schlussmann Shohei Momma.

12. Minute: Gnadentals Vojno Jesic wird 25 Meter halb links vor dem gegnerischen Tor zu Fall gebracht, noch bevor die Mauer steht führt er den Fresitoß schnell aus und bringt den Pfosten mit einem abgefälschten Flachschuss zum zittern.

16. Minute: Der VfL bekommt eine Ecke von rechts, die jedoch erst kurz vor der Seitenlinie von Hahn aufegnommen werden kann, seine erneut Hereingabe wird aus dem Strafraum geklärt, wo Tim Hintzen den Ball mit der Brust annimt und den Ball aus 20-Metern deutlich über das Tor setzt.

19. Minute: Im Mittelkreis bekommt Fatlum Ahmeti den Ball und marschiert mit einem Solo bis zum Strafraumrand und legt die Kugel nach links ab, von wo die Flanke hereingeschlagen wird und für Chaos im Gnadentaler Strafraum sorgt. Torhüter Momma, Hauenstein und Ahmeti liegen am Boden, der Stürmer rappelt sich im Gefühl am schnellsten auf und stochtert den Ball zum 2:0 in die Maschen. Auch Hauensteins Versuch,das Spielgerät mit der Hand aufzuhalten misslingt.

20. Minute: Erneut sorgt ein Freistoß von Jesic für Torgefahr. Aus 25-Metern zentraler Position bringt er den Ball per Aufsetzer in die Arme von Keeper Shunsuke Takahasi.

22. Minute: Vojno Jesic steht 30 Meter vor dem Tor für einen Freistoß bereit. Die Flanke landet beim aufgerückten Abwehrhünen Malte Hauenstein, der zum 1:2-Anschlusstreffer einköpft.

23. Minute: DJK-Stürmer Oliver Wargalla erobert nach einem Pressschlag im Mittelkreis den Ball und läuft bedrängt von Jochen Schuhmacher auf das Jüchenr Tor zu. Takahasi kann nur noch zusehen, wie der Ball Zentimeter am linken Pfosten vorbei rauscht.

34. Minute: Fatlum Ahmeti sucht aus 25 Metern zentraler Position den Abschluss, für Torhüter Momma ist der Flachschuss jedoch leichte Beute.

40. Minute: Ahmeti marschiert Richtung Tor und legt rechts zu Tim Hintzen, der gibt weiter auf Alexander Hahn, der den Ball in die Mitte flankt. Im Straufraum tummeln sich jedoch nur Gnadentaler. Ohne Bedrängnis köpft Hauenstein den Ball zentral an den Strafraumrand, wo Ahmeti lauert und das Geschenk zum 3:1 dankend annimmt.

43. Minute: Nils Friebe kommt auf der linken Seite aus spitzem Winkel zum Abschluss, aber Momma steht auf seinem Posten und verhindert den Einschlag.

45. Minute: Daniel Dominguez sucht und findet mit einem langen Ball seinen Stürmer Fatlum Ahmeti. Er legt auf Jannik Schulte ab, der im Strafraum zu Fall kommt. Die Jüchener Bank fordert einen Elfmeter, der Pfiff bleibt jedoch aus.

46. Minute: Alexander Hahn verliert im Mittelfeld den Ball. Mohammed verlagert das Spiel auf die linke Seite, wo Vojno Jesic den Ball in den Strafraum schlägt. Die abgefälschte Flanke landet am rechten Strafraumeck bei Maik Ferber, der sofort abzieht. Takahasi bekommt die Kugel erst im Nachfassen.

50. Minute: Schuhmacher setzt Oliveira in Szene der von links nach innen zieht und aus 17 Metern am Gnadentaler Schlussmann scheitert.

56. Minute: An der linke Eckfahne bekommt die DJK einen Freistoß. Standardspezialist Jesic schlägt den Ball in den Fünf-Meter-Raum. Der Abpraller landet am Strafraumrand bei Maik Ferber, der den Ball kompromisslos zum 2:3 in die Maschen haut.

63. Minute: Oliver Wargalla setzt mit einem misslungenen Rückpass in der eigenen Hälfte Jüchens Alexander Hahn in Szene. Der 20-Jährige lässt sich nach rechts abdrängen und gerät beim Abschluss in Rücklage.

72. Minute: Vojno Jesic behauptet sich im Mittelkreis und passt auf Mohammad, der mit einem Steilpass den startenden Oliver Wargalla bedient, der indes aus sechs Metern an Takahasi scheitert.

75. Minute: Nils Friebe dribbelt von der linken Seite ins Zentrum und zieht die Verteidiger auf sich, so dass Jannik Schulte auf der linke Seite ungedeckt den Ball bekommt und zur Grundlinie zieht, von wo er den Ball Richtung Elfmeterpunkt bringt. Hahn nimmt den Ball an und rutscht mit dem Standbein weg, gleichzeitig wird er von Verteidiger Stephan Wanneck getroffen. Der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoß. Eine umstrittene Entscheidung.

76. Minute: Fatlum Ahmeti legt sich den Ball zurecht, läuft vier Schritte an, verlädt den Keeper und versenkt die Kugel souverän im unteren linken Eck. 4:2 für den VfL. Der Stürmer schnürt seinen Viererpack!

78. Minute: Tarik Mavili wirft auf der echten Seite ein und schlägt nach einem Doppelpass mit Mohammad eine Flanke in den Strafraum, die Stephan Wannek auf Vojno Jesic ablegt, der steckt den Ball an den Fünf-Meter-Raum, wo Andrej Hildenberg lauert und zum 3:4 trifft. Durch die schnelle Antwort der DJK bleibt es spannend.

79. Minute: VfL-Keeper Shunsuke Takahashi schlägt einen langen Ball nach vorne, der von Alex Muratovic auf Ahmeti weitergeleitet wird. Shohei Momma verhindert den fünften Treffer des Torjägers.

81. Minute: Linksfuß David Oliveira bringt von der rechten Seite einen Eckball, rutscht bei der Ausführung jedoch aus, weshalb der Ball zu kurz gerät. Dennoch gelingt es der DJK nicht, die Gefahr zu bereiningen. Der Ball landet genau vor den Füßen des eingewechselten Alen Muratovic, der im Rückraum lauert und vom Strafraumrand abzieht — 5:3 für den VfL.

81. Minute: Der Anstoß landet bei Pierluigi Principe, der bei der Ballannahme ausrutscht. Fatlum Ahmeti rollt der Ball in den Fuß und er bedient den freistehenden Nils Friebe. Principe eilt hinterher und bügelt seinen Fehler rechtzeitg aus.

83. Minute: Nils Friebe köpft einen langen Abschlag seines Schlussmanns zu Ahmeti, der sich gegen zwei Mann durchsetzt und den Ball zurück auf Friebe spielt. Der scheitert aus kürzester Nähe am linken Pfosten.

90. Minute +5: Der VfL setzt nochmal zum Konter an: Muratovic verlagert das Spiel mit einem langen Ball auf Höhe der Mittellinie von rechts nach links, wo David Oliveira frei durch ist und den Ball an Shohei Momma zum 6:3 vorbeischiebt. Direkt danach ertönt der Schlusspfiff. Die gesamte Bank der Jüchener stürmt den Platz und feiert mit kräftiger Bierdusche den dritten Kreispokaltitel in Folge. Das gelang noch keiner Mannschaft im Rhein-Kreis Neuss.

Unter tosendem Applaus streckt Fumihiro Tabuse den Pokal in die Luft und leitet somit die Titelfeier ein.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort