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Jubiläumsspiel TSV Bayer Dormagen gegen THW Kiel

Handball : Als Maciej Dmytruszynski ganz Kiel schockte

34 Mal haben der TSV Bayer Dormagen und der THW Kiel in der Handball-Bundesliga die Klingen gekreuzt. Doch eine Begegnung bleibt in besonderer Erinnerung – die vom 3. September 2008, als der Aufsteiger im ersten Saisonspiel einen Punkt aus der Ostseehalle entführte.

Schade, dass Alfred Gislason nicht mehr dabei ist, wenn der THW Kiel am heutigen Samstagnachmittag im Bayer-Sportcenter gastiert. Sonst hätte man den Isländer, der sich am Saisonende nach elf Jahren mit sechs Deutschen Meistertiteln, ebenso vielen DHB-Pokalsiegen, zwei Titeln in der Champions League und einem im EHF-Pokal vom Rekordmeister verabschiedete, mal fragen können, ob er sich noch an den 3. September 2008 erinnert.

Es war das erste Bundesligaspiel des Isländers auf der Trainerbank des THW. Eine Pflichtaufgabe, schien es. Denn der Gegner hieß TSV Dormagen (das Bayer war nach dem Rückzug des Konzerns aus dem Sponsoring des Profi-Handballs aus dem Teamnamen gestrichen worden) – und der war gerade erst nach mehreren vergeblichen Anläufen in die damals noch unbestritten „stärkste Liga der Welt“ zurückgekehrt.

14:13 führten die Gastgeber im – natürlich – ausverkauften Handballtempel am Europaplatz zur Pause, Hallensprecher Rolf Götting schwante da schon nichts Gutes: „Wir haben einen erfrischend flotten Aufsteiger gesehen, da muss der THW im zweiten Durchgang noch ein Schüppchen zulegen.“ Was nur bedingt gelang, weiter als bis auf vier Tore konnten sich die Kieler nie absetzen. Beim 26:26 zwei Minuten vor Spielende durch einen Gegenstoß von Tobias Plaz hatten die Dormagener wieder ausgeglichen. Als Marcus Ahlm jedoch 33 Sekunden vor Schluss zum 28:27 traf, schien der mühsame erste Saisonsieg des Deutschen Meisters unter Dach und Fach. Doch dann tat Kai Wandschneider etwas, was heute zum Standardrepertoire jedes Handballtrainers gehört, damals aber noch ungewöhnlich war: Er schickte Nils Meyer als siebten Feldspieler aufs Parkett. „Wir hatten doch nichts zu verlieren,“ sagte Wandschneider hinterher.

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Der Trick funktionierte. Kjell Landsberg wird am Wurfkreis umgestoßen, die Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe (2011 auf dem Weg zu einem Bundesligaspiel tödlich verunglückt) entscheiden auf Strafwurf. Und weil Michiel Lochtenbergh zuvor gepatzt hatte, tritt Maciej Dmytruczynski zum zweiten Mal an die Siebenmeterlinie – und überwindet Weltmeister-Torhüter Thierry Omeyer in der Schlusssekunde zum 28:28.

Was der polnische Abwehrrecke hinterher „zu den schönsten Momenten in meinem Handball-Leben“ zählte. In Kiel sahen sie das naturgemäß anders, für einen Moment herrschte absolute Stille unter den 10.250 Zuschauern, während die Dormagener minutenlange Freudentänze aufführten. Bis zum Rückspiel im mit 3002 Zuschauern erstmals ausverkauften Bayer-Sportcenter hatte sich der Meister aber wieder gefangen – und Alfred Gislason seinen Humor wieder gefunden: „Ich bin erleichtert. Endlich haben wir mal gegen Dormagen gewonnen,“ sagte er nach dem 33:25-Sieg, mit dem die Kieler einen Bundesliga-Startrekord (35:1 Punkte) aufstellten.

Einen können die Dornagener heute aber doch nach seinen Erinnerungen befragen: Der neue THW-Trainer Filip Jicha erzielte damals sieben der 28 Kieler Tore.