Sportkegeln : Seit 1920 heißt es „Gut Holz!“

Auch wenn die Jubiläumsfeier wegen der Corona-Krise verschoben ist, blicken die Neusser Kegler stolz auf ihre 100-jährige Geschichte zurück, die voller Erfolge, aber auch Krisen ist.

An der Wand direkt neben dem Eingang zur Kegelsporthalle an der Jahnstraße in Neuss hängen noch die Starterlisten der Rheinischen Meisterschaften, mit der die im Frühjahr 1920 gegründeten Neusser Kegler ihren Feiern zum 100-jährigen Bestehen einen sportlichen Höhepunkt geben wollten. Doch auch über der 2018 aufwendig sanierten Acht-Bahnen-Anlage liegt Covid-19 – unsichtbar, aber bedrohlich. „Die Virus-Gefahr hat uns einen unerwarteten Strich unter unsere Vorbereitungen gemacht“, sagt Vorsitzender Hans-Joachim Muscat, der in seinen vier Jahrzehnten an der Spitze des Vereins nie eine größere Krise zu meistern hatte, traurig.

Dabei haben die Ahnen von Willi Hahn, auf dessen Initiative hin sich vor hundert Jahren unter dem Vorsitz von Hans Weyen zehn Kegelklubs zunächst zum „Kreis Kegler Bund Neuss“ formiert hatten, schon so manchen Sturm überstanden. „Gerne erinnern wir uns an die großen Erfolge wie Deutsche Meisterschaften, Weltmeisterschaften, Europacup-Siege oder die Wettkämpfe der KSG Neuss in der 2. Bundesliga“, sagt Muscat, kennt aber auch noch den schwierigen Überlebenskampf während und nach dem 2. Weltkrieg, als der bereits 1928 zum Vorsitzenden gewählte Jean Geissler mit wenigen Getreuen die verbliebenen Kegler zusammenhielt. Bis heute unvergessen sind aus diesen Jahren Akteure wie Hans Hüsgen und Toni Lambertz. In guter Einnerung geblieben ist auch das Jahr 1951: Jean Krieger (Einzel) nahm wie Männer und Senioren an den Deutschen Meisterschaften teil, der Jugendliche Otto Tempel, für den Klub später bis 2004 über 46 Jahre (!) als Sportwart im Einsatz, holte sich den Titel bei den „Westdeutschen“.

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Ein Meilenstein in der so wechselhaften Geschichte des Vereins war 1966 die Eröffnung der ersten kommunalen Kegelsportanlage in Westdeutschland. So etwas wie das Lebenswerk des 1988 verstorbenen Vorsitzenden Johann Hegger (1953 bis 1972). „Das hat einen echten Boom ausgelöst“, sagt Muscat. Aus dieser Zeit stammt auch der über die Jahre immer wieder modifizierte Nutzungsvertrag der Kegler mit der Stadt Neuss. Seither zahlt der Verein ein Nutzungsentgelt und hat die Schlüsselgewalt für das Domizil in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadionhalle. „Die hierfür erforderliche Zusammenarbeit mit dem Sportamt war stets freundlich und gut“, betont Muscat.

 Das Deutsche Meisterteam des KSF 62 Neuss von 1968. (h.v.l.): Eckard Helbig, Jean Hegger (1. Vorsitzender), Manfred Kunze. (v.v.l.) Josef Heinz, Toni Lambertz, Otto Tempel.
Das Deutsche Meisterteam des KSF 62 Neuss von 1968. (h.v.l.): Eckard Helbig, Jean Hegger (1. Vorsitzender), Manfred Kunze. (v.v.l.) Josef Heinz, Toni Lambertz, Otto Tempel. Foto: Neusser Kegler

Sein erstes Jahrzehnt an der Spitze der Neusser Kegler krönte der „ewige“ Vorsitzende 1990 mit der Eröffnung der von vier auf acht Bahnen erweiterten Kegelhalle, die damit endgültig zum Zentrum dieses urdeutschen Sports im Rhein-Kreis avancierte, durch Bürgermeister Dr. Bertold Reinartz. Unter dem Dach der Neusser Kegler organisiert waren damals: CfK 34 Neuss, DSK Neuss, Jugend-Club Büderich, KSG Neuss, KSF 62 Neuss, NSK 66 Neuss, NJK 73 Neuss, Neusser Kegler Jugend, SKC 83 Neuss, Sportkegelgemeinschaft Dormagen, KKV Wevelinghoven, Kresimir IV Neuss (Kroaten) sowie Betriebssportler, Gehörlosen-Teams und Hobbykegler. Und noch aktuell gilt, so Muscat: „Bis auf die Korschenbroicher sind mittlerweile alle Sportkegler im Kreis zu uns gekommen.“ Als Geschäftsführer in den Vorstand rückte Heinz Wallbaum auf. Dass er sein Amt bei der Mitgliederversammlung 2021 nach drei Jahrzehnten tatsächlich zur Verfügung stellen will, bereitet Muscat, der dann ebenfalls zur Wiederwahl ansteht, schon jetzt schlaflose Nächte. „Denn ein Nachfolger ist nirgendwo in Sicht.“

Mit der 2018 für 210.000 Euro sanierten Anlage sieht der 84-Jährige den Kegelsport im Allgemeinen und den rund 120 Mitglieder starken Verein im Speziellen indes gut aufgestellt. „Kegeln ist eine Randsportart. Aber eine, die alle Menschen integriert und niemanden ausgrenzt.“ Oder frei nach Johann Hegger: „Drum Kegler ran mit frischem Mut. Gesundheit unser höchstes Gut.“