Korschenbroich : Jordan: Kunst ins Pfarrhaus

Dass das Thema Denkmalschutz viele Facetten hat, das wurde gestern beim "Heißen Draht" deutlich. Eine Reihe von Anrufer hängen an dem alten Pfarrhaus im Schatten von St. Andreas.

Und auch für Ubaldo Bilagher wäre ein Kirchplatz ohne das alte Gebäude von 1858 nicht mehr das, was es heute ist. "Das Zentrum hat eine gewisse Gemütlichkeit", schwärmt er von dem Charme des Kirchplatzes: "Diese schöne, harmonische Einheit darf nicht durch einen Abriss zerstört werden."

Auch wenn sich die Stadt mit historischen Bauten in ihren Broschüren und Büchern schmückt, vermisst Jan Stapelmann die Ernsthaftigkeit beim örtlichen Denkmalschutz: "Denkmäler, ob Baudenkmäler, Naturdenkmäler oder Kulturdenkmäler geben einem Lebensraum Bezüge zu unseren Wurzeln", stellt er fest und bedauert, "dass im Stadtgebiet viele zu schützende Bauten dem Abriss preisgegeben wurden". Allein für Herrenshoff nennt er die Fachwerkscheune (1650), den Vierkanthof Zollhausstraße (von 1880), das Hauptgebäude Alt-Herrenshoff, das alte Spritzenhaus (beide von 1800) und den Heyershof (um 1670).

Er hat die Erfahrung gemacht, dass "denkmalwürdige Gebäude erst gar nicht unter Schutz gestellt und leichtfertig zum Abriss freigegeben werden". So wie Stapelmann wachrütteln möchte, gibt Robert Jordan zu bedenken: "Ein Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, ist keine Garantie für den Erhalt. Wenn in ein denkmalgeschütztes Gebäude nicht investiert wird, verfällt es."

Robert Jordan, der vor zwei Jahren die Initiative KiK — Künstler in Korschenbroich — ins Leben gerufen hat, hat dann auch seine ganz eigenen Ideen für das alte Gebäude im historischen Ortskern Korschenbroichs. Sein Vorschlag für die Verwendung: ein Haus der Kunst und Kultur, mit vermietbaren Ateliers oben und einer gemeinnützigen Galerie im Erdgeschoss. "Die katholische Kirche könnte behutsame Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten vornehmen, um das Gebäude bestehen zu lassen und es so einem neuen — gemeinnützigen — Zweck zuzuführen", formuliert Robert Jordan seinen Vorstoß vorsichtig.

Und Jordan hat sogar schon einen Namensvorschlag: "Galerie an der Kirche". In dieser zentralen Lage — unter Einbindung des Platzes rund um die Kirche — sieht Jordan eine "tolle Chance für Korschenbroich und die Kirche".

(NGZ)