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John F. Bruhnke bleibt Trainer des Basketball-Zweitligisten TG Neuss

Basketball : Erst im zweiten Anlauf funkte es richtig

Obwohl John F. Bruhnke nur die zweite Wahl des Basketball-Zweitligisten TG Neuss war, geht der Trainer mittlerweile in seine dritte Saison bei den Tigers. Nun muss der 57-Jährige einen personellen Umbruch managen.

Forscher der University of Pennsylvania in den USA haben herausgefunden, dass Liebe auf den ersten Blick kein Garant für eine lange Beziehung ist. Die Basketballerinnen des Zweitligisten TG Neuss wissen das längst, hatten sie sich doch im Frühling 2018 zunächst für Antoine Braibant entschieden, als es darum ging, nach sieben überaus erfolgreichen Jahren einen Nachfolger für Trainerin Janina Pils zu finden. John F. Bruhnke fiel beim ersten Date mit den Tigers durch. Doch der charmante Belgier musste nach einem freudlosen Herbst schon im Winter gehen, bis zum Saisonschluss führte Abteilungsleiterin Angela Krings das Team zu fünf Siegen in Folge.

Und plötzlich war Bruhnke wieder im Spiel. Die Erinnerung daran, im ersten Anlauf nur die zweite Wahl gewesen zu sein, schreckte ihn bei der abermaligen Kontaktaufnahme  nicht. „Da bricht mir doch kein Zacken aus der Krone.“ Das wiederum imponierte den Tigers. „Dass John uns trotzdem übernommen hat, zeugt von Größe“, sagte Franziska Worthmann, damals Captain des Teams. Ein klassischer Fall von Liebe auf den zweiten Blick sozusagen. Obwohl er mit seinen Mädels coronabedingt bislang noch keine Spielzeit regulär beenden durfte, stand für den 57-Jährigen nie in Frage, dass er in Neuss auch ein drittes Jahr dranhängen würde. „Ich fühle mich wohl hier – und auch mit mir scheint man zufrieden zu sein“, sagt er nüchtern. Der Verein habe in durchaus schwierigen Zeiten den Stresstest bestanden. „Die Strukturen sind stabil.“ Im Grunde genommen stand sein Verbleib bei der Turngemeinde schon seit Ende der ersten Saison an der Bergheimer Straße fest. „Denn zwei Jahre sind perspektivisch einfach schöner, vor allem wenn es darum geht, Spielerinnen zu entwickeln“, erklärt er.

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Und genau diese Qualitäten als Entwickler sind jetzt mehr denn je gefragt, bahnt sich nach Jahren der Kontinuität doch ein Umbruch an. „Zählt man Toshua Leavitt noch dazu, werden wir von den 14 Spielerinnen des aktuellen Kaders sechs verlieren“, weiß der Coach spätestens seit den in der vergangenen Woche abgeleisteten Personalgesprächen. Publik machen könne er zurzeit indes nur die Abgänge von Kapitänin Jana Heinrich, die ihre leistungssportliche Karriere beendet hat, und Jill Stratton, deren Jobsuche in Deutschland die Corona-Krise zu einem fast aussichtslosen Unterfangen gemacht hat. Die bald 30-Jährige, die Bruhnke gerne behalten hätte, bleibt zwar noch für eine Weile am Rhein, wird dann aber nach Kanada heimkehren. Ronja und Lisa Spießbach, die aus Angst, sich mit Sars-CoV-2 zu infizieren, eine Pause vom Basketball eingelegt hatten, müssen sich noch äußern.

Für den Trainer ist klar: Scheiden nach Heinrich (35) und Stratton aus dem bewährten Pool um Topscorerin Britta Worms (32), Verteidigungsministerin Leonie Prudent (31), Christina Krick (30), Jana Meyer (29), Hannah Wischnitzki (27) und Carlotta Ellenrieder (21) noch weitere Fachkräfte aus, könnte es eng werden. „Aber das ist, Gott sei Dank, nicht der Fall“, beruhigt er und fügt hinzu: „Wir haben schon unsere Angel ausgeworfen, sind verstärkt auf dem deutschen Markt unterwegs.“ Platz im Kader sein soll natürlich auch für den eigenen Nachwuchs, allen voran Luisa Lukas (17), Celine Glock (16), Larissa Kuhlmann (18). Bruhnke: „Aber nur mit jungen Leuten  geht es nicht, es sei denn, wir verabschieden uns von unseren hohen Ambitionen.“

Die Sache erleichtern würde ihm natürlich ein zweiter Profi. In der vergangenen Saison füllte diesen Kaderspot nur das aus Braunschweig gekommene US-Girl Toshua Leavitt aus, Jill Stratton hatte als Studentin genau den gleichen Status wie ihre Teamkolleginnen. Aber Bruhnke ist Realist. „Man muss die Kirche im Dorf lassen“, mahnt er. „Die Zeiten sind hart, Corona hat dem Verein schwer zugesetzt. Darum dürfen wir wohl wieder mit einem Profi rechnen, zwei sind im Moment nicht mehr als eine Wunschvorstellung.“