Kapitel Ringen eigentlich schon abgeschlossen Jetzt schlägt er sogar Olympiasieger

Eigentlich war für Jackson Vaillant Cantero das Kapitel Ringen beendet, als er vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland kam: "Ich war in Kuba zweieinhalb Jahre vom Wettkampfsport ausgeschlossen", erzählt der 28-Jährige. Jetzt eilt er in der Bundesliga von Sieg zu Sieg: Am Samstag setzte er sich sogar gegen Maik Bullmann durch - und der gewann 1992 in Barcelona Olympisches Gold, war drei Mal Weltmeister. Was für ein Glück, dass ihn Ehefrau Tina ermunterte, wieder mit dem Ringen anzufangen, als er nach Deutschland kam: Denn in der Bundesliga eilt Jackson Vaillant Cantero im Dress des KSK Konkordia Neuss von Sieg zu Sieg - am Samstag bezwang er sogar Ex-Olympiasieger Maik Bullmann. NGZ-Foto: H. Jazyk

Eigentlich war für Jackson Vaillant Cantero das Kapitel Ringen beendet, als er vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland kam: "Ich war in Kuba zweieinhalb Jahre vom Wettkampfsport ausgeschlossen", erzählt der 28-Jährige. Jetzt eilt er in der Bundesliga von Sieg zu Sieg: Am Samstag setzte er sich sogar gegen Maik Bullmann durch - und der gewann 1992 in Barcelona Olympisches Gold, war drei Mal Weltmeister. Was für ein Glück, dass ihn Ehefrau Tina ermunterte, wieder mit dem Ringen anzufangen, als er nach Deutschland kam: Denn in der Bundesliga eilt Jackson Vaillant Cantero im Dress des KSK Konkordia Neuss von Sieg zu Sieg - am Samstag bezwang er sogar Ex-Olympiasieger Maik Bullmann. NGZ-Foto: H. Jazyk

Vaillant nahm's gelassen, wie auch schon die vier Bundesliga-Siege (bei fünf Einsätzen) in der vergangenen und die zwei Erfolge in der laufenden Saison. Das Besondere daran: Er hat sie alle im Freistil erkämpft, in dem im Gegensatz zur griechisch-römischen Stilart Griffe auch unterhalb der Hüfte erlaubt sind - und hatte doch bis zu seinem Bundesliga-Debut am 16. November vergangenen Jahres noch nie einen Freistilkampf um Punkte bestritten: "Ich habe nur im Training Freistil gerungen, allerdings nur zum Spaß", erzählt der Kubaner, der nach seiner Heirat die italienische Staatsbürgerschaft seiner Ehefrau Tina annahm.

Damit wurde er EU-Bürger und somit ein Glücksfall für den KSK Konkordia Neuss, denn die können in unbegrenzter Zahl eingesetzt werden. Das macht Jackson Vaillant natürlich auch für andere Klubs interessant, so dass KSK-Präsident Hermann J. Kahlenberg nichts Gutes schwant: "Langsam wird's gefährlich, der Jackson ringt mir fast schon zu gut", unkte Kahlenberg nach dem 6:0-Sieg über Bullmann am Samstagabend in Luckenwalde. Zu seiner kaffeebraunen Perle kam der Neusser Kraftsportklub eher durch Zufall: Nachdem er nach Jahren geduldigen Wartens endlich sein Heimatland Kuba verlassen durfte, landete Jackson Vaillant über Umwegen in Düsseldorf - nicht aus sportlichen Gründen, sondern zum zu arbeiten und sich ein neues Leben aufzubauen.

Ehefrau Tina ermunterte ihn, der 1992 Junioren-Weltmeister (durch einen Finalsieg über den späteren zweifachen Olympiasieger Hamza Yerlikaya aus der Türkei) gewesen war, doch wieder mit dem Ringen anzufangen. Übers Internet fanden sie die Adresse des Ringerverbandes NRW, der gab ihnen die von Hermann J. Kahlenberg - und eine Woche später nahm der Kubaner das Training beim KSK Konkordia auf. Wo er ein Jahr später mit dem 2:1-Punktsieg über den Wittener Olaf Holländer ein gelungenes und viel umjubeltes Debut feierte und schnell zum Publikumsliebling wurde.

Die Erfolge in der ungewohnten Stilart, in die ihn die damalige Neusser Personalnot aufgrund der Verletzung von Erich Marjalke zwang, haben ihn überrascht: "Ich hätte nie gedacht, dass ich solche Ergebnisse erziele." Nur einen Freistil-Kampf hat er bislang verloren - in der vergangenen Saison gegen den Luckenwalder Norman Pickut, und das auch recht umstritten. In der laufenden Saison bezwang er nicht nur Maik Bullmann, der wie er von Hause aus griechisch-römisch-Spezialist ist, sondern in Jena auch Daniel Strumpf - und der ist Deutscher Vizemeister im freien Stil!

Zum Auftakt gegen den AV Markneukirchen durfte er in seiner angestammten Kategorie, der Klasse bis 84 Kilogramm griechisch-römisch, antreten - und setzte sich hier gegen den mehrfachen Deutschen Meister Olrik Meißner durch. Klar, dass ihn da eine Niederlage besonders wurmt. Nachdem er sich nämlich im freien Stil den Landesmeistertitel geholt hatte, unterlag er ausgerechnet in seiner gewohnten Stilart im Finale in der heimischen Stadionhalle. Allerdings gegen einen Klassemann: Der Pole Artur Michalkiewicz war Achter der Olympischen Spiele von Sydney.

Dennoch - über diese Ironie des Schicksals muss Jackson Vaillant selbst ein wenig lachen. Weniger zum Lachen ist ihm zu Mute, wenn es um seine private Situation geht: Weil er sich mit der deutschen Sprache schwer tut, ist es nicht einfach für den ausgebildeten Sportlehrer, eine Arbeitsstelle zu finden. Siege fallen ihm da leichter, auch wenn auf ihn am Mittwoch, wenn der KSV Witten um 20.30 Uhr in der Stadionhalle gastiert, in Person von Björn Holk oder Arpad Ritter (je nachdem, in welcher Klasse er antritt), zwei ausgesprochen starke Gegner auf ihn warten.

(NGZ)
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