Fechten : Italien beherrscht den Weltcup

Den Dormagener Säbelfechtern blieb diesmal nur die Zuschauerrolle im Finale des Junioren-Weltcupturniers um den "Preis der Chemiestadt". Beide Siege gingen nach Italien, Maximilian Kindler wurde erneut Zweiter

Am Ende trug Nicolas Limbach eine rote Pappnase. Der Vize-Weltmeister im Säbelfechten löste damit eine Wette ein, die er gegen Max Hartung verloren hatte — der EM-Dritte hatte die Siegerin des Damenfinales um den "Preis der Chemiestadt" richtig vorhergesagt.

Wenn Weltcup ist am Höhenberg, dann packen sie alle mit an beim TSV Bayer Dormagen. Auch der Vize-Weltmeister und der Europameisterschaftsdritte, die für die 700 Zuschauer die zweistündigen Finalgefechte so kommentierten, dass auch Fecht-Laien einen Hauch von Ahnung bekamen, was da oben auf der Planche abging.

Am Samstag, zum Ende der 37. Auflage des Turniers, das mittlerweile nicht nur eines der ältesten, sondern mit 272 Teilnehmern aus 26 Nationen auch das größte im Weltcupzirkus der Nachwuchsfechter ist, hatten die Dormagener mehr Zeit zum Zuschauen als ihnen lieb war. Denn erst zum zweiten Mal seit 2001, als Franz Boghicev mit seinem dritten Platz den Erfolgsreigen der Lokalmatadore eröffnet hatte, stand kein Dormagener im Finale der besten Vier.

Richard Hübers, der Vorjahressieger, scheiterte offensichtlich an den zu hohen (eigenen) Erwartungen — der Weltranglistenzweite unterlag in der Runde der besten 24 dem Ukrainer Yuriy Tsap mit 9:15 und belegte in der Endabrechnung Rang zwölf. Besser machte es Robin Schrödter: Mit einem 15:14 über den Italiener Leonardo Affede gelang ihm der Einzug in die Runde der besten Acht, wo er dann mit 6:15 an dessen Landsmann Stefano Scepi scheiterte. Dass der anschließend das Finale mit 15:13 gegen den Weltranglistenersten Maximilian Kindler (TSG Eislingen) gewann, wertet Schrödters siebten Platz zusätzlich auf — die Fahrkarte zur Junioren-WM dürfte der 18-Jährige in der Tasche haben. Entsprechend herrschte kein allzu großer Frust im Dormagener Fechtlager. "Das Turnier ist unheimlich stark besetzt, fast wie eine WM", meinte Bundestrainer Vilmos Szabo. Sein für die Junioren zuständiger Kollege Olaf Kawald verwies auf die gewachsene Leistungsdichte: "Es gibt keine kleinen Nationen mehr, immer mehr Länder drängen nach vorne, weil sie ein besseres Fördersystem haben als wir."

Wie dicht Freud' und Leid zusammenliegen, zeigte das Beispiel der Ungarin Anna Marton — die Vorjahressiegerin landete auf Platz 29. Beherrscht wurde der Wettbewerb der Juniorinnen von Italien: Caterina Navarria und Martina Petraglia belegten die Plätze eins und drei. Navarria bescherte mit ihrem 15:6-Finalerfolg über die Britin Aliya Itzkowitz nicht nur Nicolas Limbach eine rote Nase, sondern ihrem Land den ersten Doppelsieg beim "Preis der Chemiestadt". Dabei hatte Stefano Scepi gegen den einen Kopf größeren Maximilian Kindler schon 2:5 zurückgelegen, ehe er von 12:12 auf 15:13 davonzog. Der Eislinger nahm die erneute Finalniederlage — im Vorjahr scheiterte er mit 14:15 an Richard Hübers — mit Humor: "Ich wäre lieber ein Mal Erster als zwei Mal Zweiter geworden."

(NGZ)