Lokalsport: ISR bildet die Tuchels von morgen aus

Lokalsport : ISR bildet die Tuchels von morgen aus

Die Internationale Schule bietet vom 3. bis 7. Juli in einer 40-stündigen Schulung die kostenlose Ausbildung zum DFB-Junior-Coach an. Fußballbegeisterte Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren können sich noch bis zum 31. Mai bewerben.

Fußball und die "International School on the Rhine", kurz: ISR, das passt: Schon seit vier Jahren bringen ausgebildete Übungsleiter des Polizei SV Neuss Kinder der Internationalen Schule ans runde Leder - mittlerweile gut 40 ISR-Kicker geben auf der benachbarten Anlage am Stadtwald dreimal in der Woche Vollgas. Auch das vom Deutschen Fußball-Bund aufgelegte Schulfußball-Abzeichen war ein Hit am Konrad-Adenauer-Ring. Aber weil Stillstand bekanntlich Rückschritt ist, fragte sich das so innovationsfreudige Organisationsteam um Axel Lehnen, dessen im PSV kickender Sohn bereits seit dem Kindergarten die ISR besucht, schon recht bald: "Was gibt's denn noch?"

Die kurze, aber intensive Recherche förderte den DFB-Junior-Coach zutage. Eine Ausbildung, die seit 2013 bundesweit etwa 10.000 Schüler durchlaufen haben. Weil das vom Fußballbund mit Unterstützung der Commerzbank initiierte Projekt zum Einstieg in die lizenzierte Trainertätigkeit sich in idealer Weise mit den Zielen der an der Vermittlung von "Social Skills" (soziale Kompetenz) interessierten ISR verbindet, wurde die von Marketingleiterin Claudia Dittrich vertretene Schule umgehend beim Verband vorstellig. Dort begegnete man der Bewerbung aus dem Rhein-Kreis extrem positiv, tilgte sie doch einen bis dahin weißen Fleck auf der Landkarte. Lehnen: "Trotzdem verging bis zur endgültigen Bestätigung noch fast ein Jahr." Der DFB ist eben anspruchsvoll.

Da nur ein mit einer Trainer C-Lizenz ausgestatteter Lehrer als Ausbildungsleiter akzeptiert wird, arbeitete sich Michael Veldung in die für ihn ziemlich neue Materie ein. Der 37-Jährige kickte zwar für die Sportfreunde Neuwerk bis hinauf zur Bezirksliga und gründete den aktuell in der Kreisliga C spielenden 1.FC Bettrath, Erfahrung als Coach vermochte er indes nicht vorzuweisen. Dass der Diplom-Sportlehrer in seinem Lehrgang der einzige Pädagoge war, brachte ihm Spott, aber auch viele gute Gespräche ein. Die vor zweieinhalb Wochen abgeschlossene Ausbildung empfindet er als "absolute Bereicherung - eine Riesenidee." Für ihn macht es Sinn, "15-, 16-Jährige dazu zu bringen, sich mit dem Job des Trainers zu beschäftigen. Kloppo, Nagelsmann, Tuchel - das sind coole Typen, damit identifizieren sich die Kids heute, nicht nur mit Ronaldo."

Da ein traditioneller ehrenamtlicher Einsatz, etwa als Messdiener oder Pfadfinder, aus der Mode gekommen sei, sei es auch für 16-, 17-Jährige nicht mehr selbstverständlich, für andere Verantwortung zu übernehmen. "Der gruppendynamische Gedanke, die Vermittlung von social skills, ist gerade an unserer Schule ganz wichtig." Größten Wert legen Deutscher Fußball-Bund und ISR außerdem auf Nachhaltigkeit. Veldung: "Der DFB fragt nach, ob die Junior-Coaches weitergemacht haben, etwa als Co-Trainer in einer Bambini-Mannschaft." Eine praktische Umsetzung, die auch auf dem Abiturzeugnis vermerkt wird.

Das Programm bildet eine wichtige Säule innerhalb der vom DFB angestrebten Qualifizierungsoffensive. Es geht die großen Herausforderungen (nicht nur) für den Fußball an: Den demografischen Wandel, die Ausdehnung der Schulzeit und das rückläufige Interesse, sich ehrenamtlich für andere einzusetzen. "Die Junior-Coaches werden den Jugendfußball in Deutschland aufwerten", sagt Hansi Flick, bis Januar Sportdirektor des DFB.

(NGZ)
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