Interview mit Dusko Bilanovic, Handball-Trainer des TSV Bayer Dormagen

Handball : „Wir wollen uns Stück für Stück verbessern“

Der Trainer des TSV Bayer Dormagen misst den Erfolg des Handball-Zweitligisten nicht nur am aktuellen Tabellenplatz sechs.

Als im Sommer der Spielplan der Zweiten Handball-Bundesliga erstellt wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass der TSV Bayer Dormagen im Dezember zwei Spitzenspiele innerhalb einer Woche bestreiten darf: Am Samstag (19.15 Uhr, Westpress-Arena) gastiert der Tabellensechste beim Tabellendritten ASV Hamm-Westfalen, sechs Tage später (Freitag, 13. Dezember, 19.30 Uhr) kommt der mit den Hammern punktgleiche Tabellenzweite TuSEM Essen ins Bayer-Sportcenter.

Dass Hamm und Essen das Verfolgerduo von Spitzenreiter HSC Coburg bilden, ist dabei wenig überraschend. Die Überraschung ist vielmehr, dass der TSV Bayer Dormagen drei Spieltage vor Ende zur Hinrunde auf Tuchfühlung zu den beiden Aufstiegsanwärtern liegt. Dusko Bilanovic möchte diese Tabellenkonstellation freilich nicht überbewerten. Ein Gespräch mit dem Dormagener Trainer über Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung.

Herr Bilanovic, mit welchen Erwartungen gehen Sie am Samstag ins Spitzenspiel beim ASV Hamm?

Dusko Bilanovic (lacht) Spitzenspiel? Für uns wird das ein ganz schweres Spiel. Hamm hat noch einmal neuen Schwung bekommen, die sehen, dass TuSEM Essen schwächelt und sie dadurch doch noch eine Chance haben, aufzusteigen. Das gibt neue Motivation, das war in ihrem letzten Spiel beim Sieg in Nettelstedt deutlich zu merken und das werden wir auch zu spüren bekommen.

Trotzdem: Bei nur vier Punkten Rückstand auf den ASV Hamm kann man durchaus von einem Spitzenspiel sprechen. Hätten Sie  vor Saisonbeginn damit gerechnet, so gut in der Tabelle zu stehen?

Bilanovic Damit hat bestimmt niemand gerechnet. Das hat zwar auch etwas damit zu tun, dass in dieser Liga alle Mannschaften ganz eng beisammen liegen und es in den meisten Spielen auf die Tagesform ankommt. Aber das ist auch ein Beweis für die Nachhaltigkeit unserer bisherigen Arbeit. Wir wollen uns Stück für Stück verbessern, und das scheint uns bis jetzt ja auch gelungen zu sein.

Machen Sie das allein am Tabellenplatz fest?

Bilanovic Überhaupt nicht. Natürlich schaue ich mir gerne die Tabelle an, wenn wir auf Platz sechs stehen (lacht). Aber viel wichtiger ist mir, wie sich die einzelnen Spieler entwickelt haben. Und da haben die, die im Sommer neu zu uns gekommen sind, ihren Teil zu dieser positiven Entwicklung der gesamten Mannschaft beigetragen. Wer hätte denn im Sommer gedacht, dass ein André Meuser nach vier Monaten bei uns den Sprung in die „Mannschaft der Woche“ schaffen würde?

Mit dem Spiel in Hamm beginnt der Endspurt mit vier Spielen vor der  EM-Pause. Wie viele Punkte sollte Ihre Mannschaft aus diesen Spielen mitbringen – oder stellen Sie solche Rechnungen gar nicht an?

Bilanovic Wir beschäftigen uns eigentlich nicht so sehr mit solchen Rechnungen. Eins ist aber klar: Das Restprogramm mit den Spielen in Hamm, Lübeck und Aue und zuhause gegen Essen ist hammerhart, da müssen wir aufpassen, dass wir nicht komplett leer ausgehen. Mein persönliches Ziel ist, aus diesen vier Spielen alle Punkte zu holen, denn ich will immer gewinnen.

In der vergangenen Saison waren Sie in Hamm ganz nah an einem Punktgewinn ...

Bilanovic ... und haben den mit der Schlusssirene verspielt, ich weiß. Ich glaube, das würde meiner Mannschaft jetzt nicht mehr passieren, weil sie sich weiterentwickelt hat. Aber erst einmal müssen wir überhaupt in eine solche Situation kommen, und das wird schwerer als letzte Saison. Denn ich schätze Hamm stärker ein als damals, die haben sich punktuell verstärkt. Und die Motivationslage bei Hamm ist anders, weil sie jetzt die Chance haben, aufzusteigen ...

Sie hatten in den vergangenen Wochen mit etlichen Ausfällen im Kader zu kämpfen und haben trotzdem drei Spiele in Folge gewonnen. Wie ist die aktuelle Lage?

Bilanovic Die hat sich ein bisschen entspannt. Allerdings war Sven Bartmann die ganze Woche krank und wird erst am Donnerstagabend wieder ins Training einsteigen. Und Julian Köster fehlte, weil er beim Elitekader des DHB war. Dafür hat Carl Löfström wieder mittrainiert. Aber, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass kann sich bis zum Anpfiff alles wieder ändern.