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Interview mit Dormagens Kapitän Patrick Hüter

Dormagens Handballer im Abstiegskampf : Patrick Hüter: „Mannschaft sieht sich in Verantwortung“

Kapitän Patrick Hüter äußerst sich vor dem ersten Testspiel der laufenden Vorbereitung im Interview zur schweren Lage der Dormagener Zweitliga-Handballer und zur Entlassung von Trainer Dusko Bilanovic.

Seit gut einer Woche bereiten sich die Zweitliga-Handballer des TSV Bayer Dormagen auf den Rückrundenstart Anfang Februar vor. Allerdings nicht mehr unter der Leitung von Trainer Dusko Bilanovic, der kurz vor dem Start der Vorbereitung als Konsequenz aus der schwachen Hinrunde und des daraus resultierenden Überwinterns auf einem Abstiegsplatz von seinen Aufgaben entbunden wurde. Als die Entscheidung fiel, dass im bisherigen Co-Trainer Peer Pütz bis auf Weiteres ein anderer Coach die sportliche Verantwortung für das Profiteam übernehmen soll, war Kapitän Patrick Hüter zusammen mit seinem Bruder Ian noch auf Familienbesuch in den USA. Dennoch war der 26-Jährige informiert und äußert sich vor dem ersten Testspiel am Dienstag (20.30 Uhr) daheim gegen den Drittligisten TuS Opladen zur schwierigen Lage am Höhenberg.

Herr Hüter, wie wichtig war es, nach dieser Hinrunde im Urlaub den Kopf freizubekommen?

Hüter Sehr wichtig, schließlich hatten wir im Sommer nur eine sehr kurze Pause. Die Mannschaft als Ganzes hat die Pause gebraucht, um die zweite Saisonhälfte mit vollem Elan anzugehen. Aber auch die verletzten Spieler hatten mehr Zeit, um sich heranzuarbeiten. Ian hat seine Verletzung komplett auskuriert, wobei sich sein Knie nach den ersten Trainingsbelastungen gemeldet hat. Aber nach einer kurzen Pause sieht es wieder gut aus. Auch Alexander Senden ist auf einem guten Weg und Joshua Reuland stand ja schon zum Jahresende wieder zur Verfügung.

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Was waren aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für die unbefriedigende Hinrunde?

Hüter Die zahlreichen Ausfälle haben natürlich eine wesentliche Rolle gespielt, das ist der Mannschaft auch klar. In Bestbesetzung haben wir eine ganz andere Qualität. So sind wir in eine Negativserie geraten, was gerade für die jungen Spieler eine undankbare Situation war. Für die ganze Mannschaft ist es dann schwer, aus diesem Strudel herauszukommen.

Waren Sie als Kapitän in die Entscheidung über die Entlassung von Dusko Bilanovic eingebunden? Am Tag der Verkündung waren Sie ja noch im Urlaub.

Hüter Der Mannschaftsrat war involviert, als im Vorfeld angesichts der negativen Entwicklung Gespräche mit dem Trainer und der sportlichen Leitung geführt wurden. Dabei wurde immer betont, dass wir zusammenhalten und positiv bleiben müssen. Von der Entscheidung habe ich in der Tat im Urlaub erfahren, das müssen wir Spieler so hinnehmen. Wir haben das nicht zu bewerten, sondern unsere Aufgaben ist es, Handball zu spielen und alles zu tun, um das Ziel Klassenverbleib zu erreichen.

Wie stehen Sie denn nach den zuvor erfolgreichen Zeiten zur Entlassung von Dusko Bilanovic?

Hüter Dusko ist Profi genug, um zu wissen, dass das in dem Geschäft passieren kann. Wir haben ihm viel zu verdanken. Er hat uns vor drei Jahren in einer schweren Lage übernommen, uns gerettet und dann eine sehr positive Entwicklung eingeleitet. Doch wenn es nicht gut läuft, müssen Entscheidungen getroffen werden. Ob sie richtig oder falsch waren, müssen andere beurteilen. Fakt ist, wir als Mannschaft müssen jetzt hart arbeiten, um unsere Ziele in der zweiten Saisonhälfte zu erreichen.

Es heißt, das Team habe sich gegen den Trainer ausgesprochen.

Hüter In einer Mannschaft ist es immer so, dass es Spieler gibt, die gut mit dem Trainer klarkommen, andere eher nicht. Das kann daran liegen, wie viel Spielzeit jemand bekommt, aber auch daran, wie Handball gespielt wird. Und wenn der Erfolg nicht da ist, werden die Stimmen der Unzufriedenen eben lauter. Ob jemand froh war oder nicht, dass Dusko weg ist, kann ich nicht sagen. Wir sind Profis genug, um sachlich mit der Situation umzugehen und Lösungen zu finden.

Wie sehr sehen Sie die Mannschaft jetzt in der Pflicht?

Hüter Natürlich sehen wir uns auch in der Verantwortung für die schwache erste Saisonhälfte. Denn letztlich sorgen die Spieler dafür, ob eine Mannschaft erfolgreich ist oder nicht. Natürlich hat ein Trainer auch großen Einfluss, aber am Ende gewinnen oder verlieren die Spieler. Wir spüren auch große Verantwortung für den Verein, denn ein Abstieg wäre ein herber Rückschlag. Das ist uns allen bewusst, wir wollen das Beste aus der Qualität des Kaders herausholen. Dazu bleiben wir hoffentlich auch von weiteren Ausfällen verschont. Wobei das bei der Entwicklung in Sachen Corona noch komplizierter wird, da müssen wir noch vorsichtiger sein.

Was muss passieren, damit es noch klappt mit dem Klassenverbleib für den TSV?

Hüter Wir müssen vom ersten Spieltag an versuchen, wieder unsere Stärken hervorzubringen. Zum Beispiel das Tempospiel auf Basis einer kompakten Abwehr. Dazu müssen wir unser Überzahlspiel verbessern und andere Angriffsvarianten zeigen. Insgesamt einfach mit neuem Schwung auf die Platte gehen. Aber da hat Peer Pütz mit Unterstützung von A-Jugendcoach David Röhrig viele gute Ansätze aufgezeigt. Es wird auch darum gehen, mit Spaß und freiem Kopf ohne Druck attraktiven Handball zu spielen. Beim Thema Druck müssen die erfahrenen die im Sommer gekommenen und jungen Spieler entlasten.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit Interimstrainer Peer Pütz?

Hüter Peer ist schon lange dabei, deswegen wissen wir, wie er tickt und arbeitet. Er ist sehr fokussiert auf Details und legt große Wert auf viele Wiederholungen, damit jeder genau weiß, was er zu tun hat. Er ist ein ganz anderer Trainertyp, spricht viel mit den Spielern. Er hat zwar seine eigenen Vorstellungen, aber lässt die Mannschaft mehr daran teilhaben und bezieht auch die Spieler ein. Gerade jetzt wollen wir mehr in der Verantwortung stehen, das gibt einen zusätzlichen Anreiz. Auch Athletiktrainer Nico Brandt bereitet uns gut vor. Das neue Trainerteam hat schon gute Impulse gesetzt.

Ist es nicht schwer, wenn die Mannschaft weiß, dass bald ein neuer Trainer kommen könnte?

Hüter Das ist gar kein Problem. So ist das Geschäft, wir sind da, um Handball zu spielen. Wir fokussieren uns auf unseren Job. Alles andere liegt an der Vereinsführung, die wird jemanden suchen, der vom Profil her passt. Und wenn ein neuer Trainer kommt, wird Peer ihn mit seinen Vorstellungen und Ideen unterstützen.

Warum schafft der TSV den Klassenverbleib?

Hüter Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen, weil die Mannschaft eine starke innere Beziehung hat. Wir haben die Qualität, um jedes Spiel zu gewinnen. Und wir wissen, dass die Stadt unsere Fans und unsere Freunde an uns glauben.