Interview mit Dirk Gärtner, Kreisfußballvorsitzender

Fussball: „Ich messe den Erfolg unserer Arbeit nicht an der Spielklasse“

Dirk Gärtner, Vorsitzender des Fußballkreises 5 Grevenbroich/Neuss, vertritt seit seiner Wahl 2016 rund 20.000 in 50 Vereinen tätige Amateurkicker.

Herr Gärtner, direkt gefragt: Lebt der Fußball im Rhein-Kreis noch?

Dirk Gärtner Diese Frage habe ich erwartet. Darum einige Zahlen: Im Rhein-Kreis Neuss gibt es 411 Sportvereine mit rund 120.000 Mitgliedern. Davon spielen 24.000 Menschen in 66 Vereinen Fußball – der Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss hat  50 Vereine mit rund 20.000 Mitgliedern. Zum Vergleich: Auf Platz zwei folgen die Turner mit 14.000 Mitgliedern in 41 Vereinen.

Nettes Zahlenwerk, sagt aber nichts über die Qualität des Fußballs aus.

Gärtner Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen, aber ich sehe die Qualität nicht darin, dass  wir einen Oberligisten haben. Die Spielklasse einer Mannschaft ist etwas, dass ich nicht beeinflussen kann.

Aber woran messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit dann?

Gärtner Wir haben den DFB-Stütpunkt in Norf, hier passiert viel. Gerade erst haben an der Internationalen Schule Neuss Jugendliche aus sieben Schulen im Umkreis ihre Ausbildung zum DFB Junior Coach abgeschlossen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Hier planen wir eine noch engere Zusammenarbeit mit dem als Projektleiter an der ISR tätigen Ex-Profi Karsten Baumann, vor allem hinsichtlich Trainingsmethodik und Trainingsdidaktik. Das Thema Gewalt haben wir in den Griff bekommen, toi, toi, toi ... Auch bei der Qualifizierung der Trainer sind wir ein gutes Stück vorangekommen, 60 Prozent  verfügen mittlerweile über die Basislizenz.  Wir veranstalteten Workshops ....

  • Grevenbroich

... ja sicher, aber Fakt ist auch, im Jugendbereich ist nur der SC Kapellen mit zwei Mannschaften in der Niederrheinliga vertreten.

Gärtner  Ich sage ja nicht, dass wir uns damit zufriedengeben. Vor allem die A- und B-Junioren machen uns Sorgen. Beim Thema Leistungszentren kommen wir einfach nicht weiter, da würde ich mir wünschen, dass die Vereine offener, ja mutiger sind. Auch die Infrastruktur ist für einen Kreis mit dieser Wirtschaftskraft ein Armutszeugnis. Wir hätten hier längst wieder ein Jugendländerspiel haben können, können dafür aber außer der TuS-Anlage in Grevenbroich keine geeignete Spielstätte anbieten. Und auf Hybridrasen spielt der DFB nicht.

Wie passen bei all diesen Bemühungen eigentlich die Rückzüge des Landesliga-Absteigers VdS Nievenheim und des SV Bedburdyck/Gierath aus der Bezirksliga ins Bild?

Gärtner Keine Frage, speziell in Nievenheim, wo der Verein im Übrigen eine herausragende Jugendarbeit betreibt, hätte ich mir einen besseren Austausch gewünscht. Zu Gierath kann ich nichts sagen, da finde auch ich keinen Kontakt.

Dürfen Sie sich das als Vorsitzender bieten lassen?

Gärtner Natürlich habe ich auch zunächst für mich gesagt: Sauerei! Aber es gab keine Reaktionen, auch nicht in den sozialen Netzwerken – ja selbst von den Zonsern, die ja unmittelbar vom zu späten Nievenheimer Rückzug betroffen waren, nicht. Ich versuche halt, Probleme im Dialog zu lösen, nicht von oben herab. Daran krankt meiner Meinung nach das Ehrenamt in vielen Vereinen.