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Interview mit dem Vorsitzenden des Tenniskreises Neuss Henning Pauwels

Tennis : „Tennisklubs haben sich vorbildlich den Problemen gestellt“

Der Vorsitzende des Tenniskreises Neuss über die Vorbildfunktion der Tennisvereine in Corona-Zeiten und die „Übergangssaison“ bei den Medenspielen.

Als Henning Pauwels am 9. März zum neuen Vorsitzenden des Tenniskreises Neuss gewählt wurde, hatte dies eine historische Dimension, die damals noch keiner erahnen konnte. Und das nicht nur, weil er den auf eigenen Wunsch nicht mehr kandidierenden Helmut Keck nach 19 Jahren im Amt des Vorsitzenden ablöste. Sondern auch, weil die Mitgliederversammlung im Klubhaus des TC Gnadental die letzte nicht-virtuelle Zusammenkunft eines Sportvereins oder -verbandes war, bevor die Corona-Schutzverordnungen das Leben hierzulande einschneidend veränderten.

Das gilt auch für die Tennis-Medensaison, die in der kommenden Woche (ab dem 9. Juni) startet. Sie wird im Tennisverband Niederrhein als „Übergangssaison“ gespielt – es gibt nur Aufsteiger, keine Absteiger. Und die Mannschaften konnten selbst entscheiden, ob sie daran teilnehmen möchten oder nicht: Wer sich bis zum 30.Mai abmeldete, musste keine Strafgebühr zahlen und behält die aktuelle Zugehörigkeit zur Spielklasse auch in der nächsten Saison.

Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt Henning Pauwels, der neben seinem Amt als Kreisvorsitzender auch Sportwart beim Tennis-Club Vorster Wald ist, auf die vergangenen Wochen zurück und wagt einen Ausblick auf die beginnende Saison.

Herr Pauwels, die ersten Monate als Vorsitzender des Tenniskreises Neuss hatten Sie sich sicher anders vorgestellt. Wie ist denn augenblicklich die vorherrschende Gefühlslage bei Ihnen?

Henning Pauwels Erst einmal bin ich froh, dass Tennis wieder, wenn auch mit Einschränkungen, gespielt werden darf. Das ist nicht zuletzt der Politik zu verdanken. Sie hat frühzeitig reagiert und die Lockerungen bezüglich des Tennissports entschieden. Das ist aus meiner Sicht auch nachvollziehbar, denn Tennis ist eine der Sportarten, bei der die Hygiene- und Abstandsregeln nahezu perfekt eingehalten werden können. Der Mindestabstand von 1,50 Meter kann durchgängig gewahrt werden. Und auf den Handshake nach einem Match können wir Tennisspieler in diesem Jahr sicherlich verzichten, da reicht auch eine Verbeugung wie etwa beim Judo.

Die Freigabe durch die Politik ist die eine Seite der Medaille, die Umsetzung durch die Vereine die andere. Wie ist sie in den vergangenen Wochen gelaufen?

Pauwels Dass die Bedingungen vorbildlich umgesetzt wurden, ist den einzelnen Vereinen zu verdanken. Sie haben sich den Problemen gestellt und sind meines Erachtens sehr souverän damit umgegangen. Das hat zum Teil mehrere Tage intensive Arbeit und Auseinandersetzung mit den örtlichen Behörden gekostet. Ohne sie wäre die Umsetzung nicht so schnell erfolgt. Jetzt darf zum Glück auch wieder Training erteilt werden, auch die Vereinsgaststätten und Klubhäuser sind nach den gültigen Verordnungen nutzbar. Jeder Verein hat einen Corona-Beauftragten zur Sicherstellung aller Vorschriften ernannt, Desinfektionsmittel stehen auf den Anlagen zur Verfügung. Aus meiner Sicht steht deshalb einer sportfreudigen und unterhaltsamen, wenn auch nicht zwingend erfolgsorientierten Saison nichts im Wege.

Die vom Verband als Übergangssaison ausgeschrieben ist, bei der jede Mannschaft selbst bestimmen konnte, ob sie mitspielt oder nicht. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Pauwels Ich freue mich auf spannende, lehr- und erinnerungsreiche Spiele. Die Mannschaften, die sich zum Spielen entschlossen habe, beglückwünsche ich zu dieser Entscheidung und wünsche ihnen, dass sie trotz veränderter Rahmenbedingungen den Spaß haben, den eine Medensaison mit sich bringt.

Viele haben sich aber dazu entschlossen, nicht anzutreten.

Pauwels Das betrifft vor allem die älteren Jahrgänge. Bei den Jüngeren, denen bis zur Altersklasse 60, steht die sportliche Komponente ganz weit oben. Ich habe aber gleichzeitig Verständnis für alle Spieler und Spielerinnen, gleich welchen Alters, die sich aus verschiedenen Gründen in dieser Sommersaison zurückhalten, indem sie nicht für Medenspiele zur Verfügung stehen. Dies war für sie sicherlich keine einfache Entscheidung, denn neben der sportlichen Betätigung verzichten sie damit auch auf die gesellschaftliche Komponente vor und nach den Spielen.