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Interview mit Bayer Dormagens Handball-Geschäftsführer Björn Barthel

Handball : „Können uns jetzt auf die neue Saison konzentrieren“

Der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen über den Saisonabbruch und die Folgen für den Zweitligisten.

Herr Barthel, wie bewerten Sie den Saisonabbruch in Erster und Zweiter Handball-Bundesliga?

Björn Barthel Er war keine Überraschung. Und in meinen Augen war er alternativlos, das sage ich sowohl in meiner Funktion als Vertreter der Zweitligisten im Präsidium der HBL als auch in der als Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen. Trotzdem, jetzt wo die Entscheidung getroffen und endgültig ist, muss ich das alles erst mal sacken lassen. Obwohl wir dafür eigentlich gar keine Zeit haben.

Was ist denn zu tun, schließlich ist die Saison doch jetzt beendet?

Barthel (lacht) Und das ist auch gut so, denn ab jetzt können und müssen wir uns ganz auf die neue Saison konzentrieren, die uns und alle Zweitligisten, eigentlich alle Handballvereine vor besondere Herausforderungen stellt. Erst einmal waren aber noch ein paar Hausaufgaben aus der beendeten Saison zu erledigen.

Was genau?

Barthel Als erstes habe ich in einer Telefonkonferenz Trainer und Spieler über die Beschlüsse informiert.

Wie haben sie reagiert?

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Barthel Wie immer in den letzten Wochen sachlich und ruhig. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir trotz Kontaktsperre viel miteinander kommunizieren, dass wir von Vereinsseite her versuchen, alles so transparent wie möglich zu machen. Meistens hören sie zu, und wenn einer eine Frage hat, ruft er später an. Dann haben wir gerade ein persönlich gehaltenes Schreiben an alle Dauerkartenbesitzer aufgesetzt, in dem wir bedauern, dass sie auf die letzten sechs Heimspiele der Saison verzichten müssen, sie gleichzeitig aber darum bitten, von Regressforderungen abzusehen. Das wäre sehr hilfreich für unsere finanzielle Kalkulation.

Wie viele sind davon betroffen?

Barthel Wir haben genau 252 Briefe versandfertig gemacht. Die restlichen 300 Dauerkarten sind Bestandteil von Sponsorenpaketen und daher nicht betroffen.

Was ist mit Fans, die bereits Karten für eines der sechs Heimspiele erworben haben, die jetzt ausfallen?

Barthel Wer Tickets im Vorverkauf für die letzten sechs nicht ausgetragenen Heimspiele über Eventim erworben hat, erhält eine automatische Rückerstattung vom Unternehmen. Dies ist allerdings nur abzüglich der jeweiligen Vorverkaufsgebühr möglich. In diesem Zusammenhang hat der TSV von einer Gutscheinregelung abgesehen, da die Zusammenarbeit mit Eventim endet und künftig das Unternehmen Ticketmaster für den Vorverkauf zuständig ist. Wer Eintrittskarten bei einer Vorverkaufsstelle erworben hat, müsste dort den Umtausch vornehmen. Print-at-home-Tickets, die über den TSV gebucht wurden, werden entsprechend zurück überwiesen. Das sind aber insgesamt nicht allzu viele.

Der Deutsche Handball-Bund hat ebenfalls den Abbruch der Saison im Jugendbereich beschlossen. Wie gehen Sie damit um?

Barthel Auch die Entscheidung war alternativlos, aber sie tut ganz besonders weh. Wenn ich an unsere drei Leistungsmannschaften in A-, B- und C-Jugend denke, die alle drei eine überragende Saison gespielt haben, wenn ich an ihre Chancen, Träume und Ziele denke, die bei A- und B-Jugend sogar ins Finale um die Deutsche Meisterschaft hätten führen können, dann ist das schon bitter. Genau so bitter ist das auch für die Spieler aus unserem Zweitliga-Kader, die uns am Saisonende verlassen und die jetzt keine Gelegenheit mehr haben, sich von ihren Fans zu verabschieden – einige waren ja schon seit Jahren bei uns.

Lässt sich das nicht zu Beginn der neuen Saison nachholen?

Barthel Vielleicht. Aber wir wissen im Augenblick ja gar nicht, ab wann und unter welchen Rahmenbedingungen die Spielzeit 2020/21 gestartet werden kann.

Womit rechnen Sie?

Barthel Ich hoffe, dass wir Mitte Mai ein bisschen mehr Planungssicherheit haben. Im Moment können wir nichts Konkretes planen, weder im sportlichen Bereich, was die Wiederaufnahme des Trainings angeht, noch im organisatorischen Bereich, was den Verkauf von Tickets oder Gespräche mit Sponsoren angeht. Meine Hoffnung ist, dass auch die Sponsoren dann ein bisschen mehr Klarheit haben, wie es bei ihnen wirtschaftlich weitergeht.

Halten Sie einen Saisonstart im September für möglich?

Barthel Das ist im Augenblick alles Spekulation. Es sind mehrere Szenarien entwickelt worden. Denkbar sind Spiele ohne Publikum in den ersten Wochen oder sogar Monaten der Saison, denkbar ist, die Hallenkapazitäten überall nur zur Hälfte auszuschöpfen und auf Stehplatzkarten zu verzichten, um die Abstandsregeln einzuhalten. Denkbar ist auch, den Saisonstart in den November zu verschieben, mit allen Konsequenzen, die das für den Spielplan bedeuten würde. Auf jeden Fall müssen wir über Hygienemaßnahmen nachdenken, dafür brauchen wir eine Änderung der Hallenstandards. Und wenn Handballspiele erst einmal nur im Fernsehen oder Internet zu sehen sein sollten, brauchen wir eine Änderung der Werberichtlinien. Das wichtigste im Moment ist daher, das Fans, Freunde und Förderer in dieser schwierigen Situation zu uns stehen. Das gilt beim TSV Bayer Dormagen mehr als bei vielen anderen Klubs auch mit Blick auf den Gesamtverein. Nur wenn die Mitglieder uns die Treue halten, kann nämlich das Gesamtgebilde weiter funktionieren.