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Interview: John F. Bruhnke, Coach des Basketball-Zweitligisten TG Neuss

Interview John F. Bruhnke : „Wir kriegen das auch ohne Tosh hin“

Vor dem Spiel am Samstag in Opladen bezieht der Coach des Basketball-Zweitligisten TG Neuss Tigers Stellung.

Herr Bruhnke, zwei Tage nach dem Debakel im Derby gegen die Capitol Bascats folgte die Trennung von Toshua Leavitt. Eine direkte Reaktion auf die dürftige Leistung der US-Amerikanerin in diesem Spiel?

JOHN F. BRUHNKE Es gab natürlich Gesprächsbedarf, aber auf beiden Seiten. Ich hätte jedoch niemals diesen Ausgang erwartet.

Verstehe ich Sie da richtig? Eine Trennung stand also eigentlich nicht zur Debatte.

BRUHNKE Nein. Das war tatsächlich der erste Konflikt, den ich mit ihr hatte. Ich habe in meiner Karriere als Trainer im Basketball erst einmal eine Spielerin rausgeschmissen. Ich hatte mich auch am Montag auf ein konstruktives Gespräch mit Tosh eingestellt, in dem wir ganz offen auch über ihre Schwächen in der Defensive sprechen.

Warum kam es nicht dazu?

BRUHNKE Die Spielerin ist nicht selbstkritisch mit sich und der Situation umgegangen, dabei sollte es doch ihr Anspruch sein, sich zu verbessern. Es war ihre zweite Saison in Deutschland, sie wusste nach dem Jahr in Braunschweig genau, wie in der 2. Basketball-Bundesliga Nord gespielt wird. Aber sie ist mit ihrer Rolle bei uns nicht klargekommen. In Braunschweig war die Last auf mehrere Schultern verteilt.

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Hört sich jetzt nicht nach einem unüberwindlichen Konflikt an.

BRUHNKE Daran hätten wir gemeinsam arbeiten können. Aber aus meiner Sicht hat Tosh das Gespräch ganz bewusst an die Wand gefahren. Sie hat den Tropfen gesucht, der das Fass zum Überlaufen bringt und die Trennung billigend in Kauf genommen.

Wie hat die Mannschaft reagiert?

BRUHNKE Alle waren genauso überrascht wie ich. Und auch traurig, weil wir uns abseits der Halle wegen der massiven Einschränkungen während des Lockdowns nicht richtig um sie kümmern konnten. Die Mannschaft hätte sich gefreut, wenn es für Tosh eine Alternative gegeben hätte. Aber weil die Wechselfrist am 31. Januar endet, wird sie in dieser Saison kein Basketball mehr in Deutschland spielen. Das ist schade.

Ihr Abgang hinterlässt eine große Lücke. Aber Ersatz soll es keinen geben. Warum nicht?

BRUHNKE Bei der Verpflichtung von Toshua Leavitt hatten wir auf ihrer Position im Aufbau noch nicht die Tiefe, die wir jetzt haben: Jill Stratton war noch nicht sicher, Hannah Wischnitzki auch nicht und Christina Krick noch kein Thema. Darum bin ich mir absolut sicher, dass wir das im Aufbau auch ohne sie hinkriegen. Wir müssen jetzt gucken, wie strukturieren wir das um, wie verteilen wir die Spielzeit neu. Tosh stand im Schnitt mehr als 27 Minuten auf dem Feld, das ist schon viel.

Wer könnte denn am ehesten profitieren?

BRUHNKE Hannah Wischnitzki natürlich, aber auch Jana Meyer, weil Christina Krick nun mehr im Aufbau eingesetzt wird und dadurch Freiräume auf anderen Positionen entstehen. Zudem werden unser jungen Spielerinnen aus der WNBL mehr Einsatzzeiten erhalten. Das hatten wir im Hinblick auf die nächste Saison sowieso vor.

Was ist von dieser Saison denn jetzt noch zu erwarten?

BRUHNKE Erstmal müssen wir sicherstellen, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen. Das kriegen wir hin, denn trotz dieser Irrungen und Wirrungen ist die Stimmung im Team weiter gut. Die Mannschaft ist selbstbewusst, aber auch selbstkritisch und kehrt nur vor ihrer eigenen Haustüre. Auf uns warten jetzt in Opladen und Braunschweig zwei knackige Aufgaben. Ich kann natürlich keine Siege versprechen, aber ich weiß, dass die Leute alles dafür tun werden, da zu bestehen.