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Inklusion: TC GW Neuss und TC Stadtwald erfolgreich in Berlin aktiv

Inklusion im Tennis : Entwicklungshelfer mit Herz und Hand

Die Handicaps des TC GW Neuss und die Unifighters des TC Stadtwald bringen Inklusion im Tennis nach Berlin. Der Blick geht schon Richtung Weltspiele 2023.

In der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg leben ungefähr 6,2 Millionen Menschen. Hier finden 2023 die Special Olympics World Games statt, also die Weltspiele für rund 7000 Sportlerinnen und Sportler mit geistiger und Mehrfachbehinderung aus wahrscheinlich um die 170 Nationen. Tennis als Inklusionssport ist zwischen Oder, Elbe, Havel und der Spree aber weitestgehend unbekannt. Und genau da kommt das knapp 160.000 Einwohner zählende Neuss ins Spiel. In der alten Römerstadt am Niederrhein wird Inklusion nämlich schon seit vielen Jahren großgeschrieben. Grund genug für den aus der Region stammenden Tobias Trollst, als Human Resources Senior Manager mit den Special Olympics World Games 2023 beruflich befasst, um sich für die in Berlin ausgetragenen Landesspiele des Know-hows aus seiner ehemaligen Heimat zu bedienen.

Auf den Punkt gebracht: Ohne die Handicaps des TC Grün-Weiss Neuss (28 Teilnehmer) und Unifighters des TC Stadtwald (13), unterstützt durch das Unified-Doppel Nils und Jürgen Leffers aus Krefeld, hätte es das Tennisturnier im altehrwürdigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gar nicht gegeben. „Wir waren praktisch als Entwicklungshelfer in Berlin“, sagt Hans Joachim Schell (TC GW Neuss), Inklusionsbeauftragter im Stadtsportverband Neuss. „Wir haben die Keimzelle zur Entwicklung dieser Sportart in Berlin gelegt.“

 Der in Berlin für den Sport zuständige Staatssekretär Aleksander Dzembritzki stellte sich auf dem Tenniscourt zum Duell mit Unifighter Christoph Schmitz.
Der in Berlin für den Sport zuständige Staatssekretär Aleksander Dzembritzki stellte sich auf dem Tenniscourt zum Duell mit Unifighter Christoph Schmitz. Foto: Werner Peschkes
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Der sportliche Ertrag in Form von Medaillen war darum noch nebensächlicher als ohnehin schon. Schell: „Im Prinzip war das eine Stadtmeisterschaft mit Krefelder Beteiligung.“ Für Winfried Schmitz, Delegationsleiter des TC Stadtwald und Vater der beiden Unifighters Christoph und Oliver, war die Tour in die Bundeshauptstadt auch der Beginn von etwas Neuem. „Wir wollen versuchen, die strikte Trennung, die es in der Vergangenheit, aus welchen Gründen auch immer, zwischen uns und Grün-Weiss gab, zu überwinden.“ Die gerade angelaufenen Gespräche könnten darauf hinauslaufen, dass man bei zukünftigen Großereignissen als „Team Neuss“ antrete. „Die Athleten hätten damit sowieso keine Probleme.“ Schon in Berlin logierten beide Delegationen in einem Hotel direkt gegenüber des Mauerparks. Auch das Training lief als Gemeinschaftsaktion ab. Nur die An- und Abreise sowie das obligatorische „Touri-Programm“ mit Bootsfahrt auf der Spree, Tränenpalast, Reichstag, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie habe man getrennt absolviert, erklärt Schmitz. Das kulinarische Highlight war der Genuss einer Original Berliner Currywurst.

Derartig gestärkt hatte Christoph Schmitz (TC Stadtwald) am Wettkampftag sogar die Courage, den für Sport zuständigen Staatssekretär Aleksander Dzembritzki zu einem Showmatch herauszufordern. Und der gut aufgelegte Politiker nahm an, stellte sich dem mutigen Unifighter ohne zu zögern zum Duell  – noch dazu in feinsten Sonntagsschläppchen. „Ein großer Spaß“, fand Schell. Stolz machte ihn der Auftritt von Alisa Kleist (TC GW Neuss), die sich im Feld der Männer zu behaupten wusste und dafür mit der Bronzemedaille belohnt wurde. „Für eine eher schüchterne und öfter stimmungslabile Sportlerin ein großartiger Erfolg, der ihr Selbstvertrauen stärkt.“

Genau wie ihre Sportkollegen, die zum Abschluss des knapp viertägigen Abenteuers im Stadion Lichterfelde den 4:0-Erfolg des Aufsteigers FC Viktoria Berlin über den 1. FC Kaiserslautern in der 3. Liga miterlebten, hat die einzige weibliche Athletin der Grün-Weissen ihren Job mit Bravour erledigt, überzeugte nicht nur mit Einsatz und Leistungsbereitschaft, sondern auch als Werbeträgerin ihrer Heimatstadt, die sich als „Host Town“ für die Weltspiele 2023 beworben hat. Bevor die Delegationen nach Berlin kommen, soll im Rahmen dieses Projekts jedes Nationenteam von einer Kommune in Deutschland empfangen werden. „Und wenn wir schon als Botschafter für Neuss antreten, wäre es doch schön, wenn wir noch mehr Unterstützung bekommen würden“, findet Schmitz.

Verdient wäre das allemal, denn „Handicaps meistern mit viel Optimismus erfolgreich ihr Leben“, weiß Schell und hat natürlich sofort ein aktuelles Beispiel parat: „Auch der kurzfristig ausgerufene Bahnstreik konnte uns nicht von der Reise nach Berlin abhalten, war kein Grund, kleinherzig zu werden. Optimismus siegt – und so fuhr unser ICE mit nur 60 Minuten Verspätung im Hauptbahnhof Berlin ein.“ Es dürfte nicht der letzte Besuch gewesen sein ...