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Indiaca: Dynamischer Teamsport aus Südamerika bei der SG Erfttal

Indiaca : Indiaca – dynamischer Teamsport aus Südamerika

Bis zur vergangenen Saison war die SG Erfttal mit Weltmeister Danny Thiele in der höchsten nationalen Spielklasse im Einsatz.

Wenn es in der Turnhalle in Erfttal heißt, „jetzt geht es ran an die Federn“, wird nicht etwa, wie man vielleicht vermuten mag, Federball gespielt. Nein, die 20 Sportler spielen eine exotischere, aus Brasilien stammende Sportart, die sich Indiaca nennt. Ein Spiel, das in den Grundzügen sehr dem bekannten Volleyball ähnelt, aber mit einem ganz besonderen Fluggerät gespielt wird, dem Indiaca – ein flacher Handschlagball, an dem vier große rote Federn befestigt werden.

Ansonsten sind viele Regeln aus dem Volleyball übernommen worden: Zwei Halbfelder werden durch ein Netz voneinander getrennt, der Spielball darf nur dreimal innerhalb einer Mannschaft berührt werden, bevor er in das gegnerische Halbfeld gespielt wird und ein Spieler darf den Ball nicht mehr als einmal hintereinander berühren. „Im Vergleich zu Volleyball hat man allerdings ein viel niedrigeres Verletzungsrisiko“, erklärt Helmuth Schmitz von der SG Erfttal. Auch die Spieleranzahl ist unterschiedlich: Statt mit sechs Akteuren wie beim Volleyball, wird Indiaca mit fünf Spielern gespielt. Diese dürfen den Ball nur mit der Hand oder dem Unterarm spielen. Dabei bilden typischerweise drei Personen die Angriffsreihe, während zwei Abwehrspieler gleichzeitig den Rückraum absichern.

Und so ist das exotische Spiel mit den Federn entstanden: Als ein deutscher Sportlehrer eine Reise nach Brasilien unternahm, ahnte er noch nicht, dass aus seinem Aufenthalt auf dem südamerikanischen Kontinent eine neue Sportart hervorgehen würde. Bei einem Spaziergang soll er, so Schmitz, zwei junge Männer gesehen haben, die, wie er zu dem Zeitpunkt dachte, einen Vogel hin und her trieben. Als er näher kam, soll er erkannt haben, dass es sich nicht um einen Vogel, sondern einen Ball mit Federn handelte, den sich die Männer mit der Handfläche zuspielten. Sie sollen das Spiel Peteka genannt haben. „Zurück in Deutschland hat er dann den Ball weiterentwickelt und ihn Indiaca genannt, was sich aus Indiana und Peteka zusammensetzt“, erklärt Schmitz. Und auch die Indiaca-Abteilung in der SG Erfttal entstand eher zufällig, als sich mehrere von der Indiaca (so nennt sich das Spielgerät) begeisterte Spieler immer regelmäßiger zum gemeinsamen Spiel draußen trafen, bis sie sich entschlossen, sich einem Verein anzuschließen.

Im Jahr 1999 wurde dann in Erfttal die Indiaca-Abteilung gegründet, die recht schnell große Erfolge feierte. Bis zur vergangenen Saison spielte die erste Mannschaft in der höchsten deutschen Spielklasse gut mit. „Nun sind wir aber freiwillig eine Spielklasse runtergegangen, um eine höhere Durchlässigkeit zu gewähren – so soll sich jeder aufgehoben fühlen und wir können auch Anfänger super fördern“, erklärt Schmitz das Vorgehen. So sollen die Barrieren für neuere Spieler abgebaut werden und die Abteilung weiterwachsen. Momentan gibt es in Erfttal ungefähr 20 Indiaca-Spieler zwischen 21 und 86 Jahren, die gemeinsam in Mixed-Mannschaften zusammenspielen.Ein Spieler sticht dabei besonders hervor: Mit dem mehrfachen Weltmeister Danny Thiele hat die SG Erfttal 2014 einen der erfolgreichsten deutschen Indiaca-Spieler für sich gewinnen können. Der 43-Jährige verstärkt nicht nur die erste Mannschaft, er gibt seinen Wissensschatz über diesen Sport auch als Trainer an seine Mitspieler weiter. „Ich habe im ersten halben Jahr bei Danny unglaublich viel gelernt, das war schon echt klasse“, stellt Schmitz fast schon schwärmerisch fest. Bei einem Finalspiel der Weltmeisterschaft habe Thiele einem für die deutsche Nationalmannschaft schier unbesiegbaren Gegner, gegen den in der Gruppenphase haushoch verloren wurde, den Zahn gezogen, indem er mit einer ganz neuen Taktik den Gegner überraschte, erzählt Schmitz weiter.

Info Die Indiaca-Abteilung trainiert mittwochs von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle der Gebrüder-Grimm-Schule in Erfttal und freut sich immer über neue Gesichter in ihrem Team.