Wassersport : In zwei Sportarten ein Ass

Als Basketballerin spielte Alexandra Höffgen (TG Neuss) in der Jugend-Nationalmannschaft. Doch nach einem Kreuzbandriss entdeckte die 1,87 Meter große Kleinenbroicherin eine Familientradition neu und könnte nun für den Neusser Ruderverein sogar Deutsche Meisterin werden.

Großvater Manfred Beyer hatte es schon immer gewusst: aus seiner Enkelin wird mal eine richtig gute Ruderin. Schließlich war er einst selbst überaus erfolgreich als Trainer im Ruderleistungszentrum Dortmund tätig, und auch Alexandras Eltern Klaus und Gabriele Höffgen blicken auf eine lange Karriere im Boot zurück. Doch es dauerte, bis die heute 18-Jährige ihrer Bestimmung folgte.

Foto: Woitschützke, Andreas

Die erste Liebe der Kleinenbroicherin galt nämlich dem Basketball. Eine gute Wahl, brachte die mittlerweile 1,87 Meter große Centerin doch nicht nur ideale körperlichen Voraussetzungen, sondern auch jede Menge Talent mit. In Opladen schaffte sie es in den Kader der Bundesliga-Truppe und als Nationalspielerin nahm sie 2010 an den Olympischen Jugendspielen in Singapur teil. Nach einem Kreuzbandriss im Februar 2011 lag die Schülerin des Quirinus-Gymnasiums jedoch mehr als zwölf Monate auf Eis, kehrte nach ihrem Wechsel zum Zweitligisten TG Neuss erst im Frühjahr wieder aufs Feld zurück.

Um in der schweren Zeit der Rehabilitation nicht gänzlich außer Form zu geraten, hatte sie daheim ihr Konditionstraining auf dem Ruderergometer intensiviert. Und die Saat ging auf. Weil das arg lädierte Knie einen Einsatz unterm Basketball-Brett nicht zuließ, stieg Alexandra Höffgen um, trat schon im September 2011 zu ihrer ersten Regatta an. Für NRV-Trainer Christian Stoffels nicht mehr als ein logischer Schritt: "Sie ist groß, hat dazu noch sehr lange Arme und Beine. Und die im Basketball erworbenen Fähigkeiten im koordinativen Bereich haben ihr den Einstieg erleichtert."

Die herausragende Physis, gepaart mit Zielstrebigkeit und Trainingsfleiß, führten recht schnell zu beachtlichen Ergebnissen. Gerade erst hat die 18-Jährige im Frauenzweier mit ihrer Partnerin Johanna te Neues (Crefelder RC) die internationale Regatta in Ratzeburg auf dem zweiten Platz beendet. Zu Belohnung gab es die Nominierung als Ersatzruderinnen für den deutschen Frauenachter bei den U23-Weltmeisterschaften vom 12. bis 15. Juli im litauischen Trakai.

Für Basketball ist da kein Platz. "Im Moment rudere ich nur", bestätigt sie, "dieser Sport ist einfach so trainingsintensiv, dass keine Zeit übrigbleibt". Sicher, auch Basketball mache ihr nach wie vor Spaß, sagt sie, aber ob und wie es mit ihrer Karriere weitergehe, darüber werde sie später entscheiden. Aktuell zählen nur die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Essen. "Da wollen wir schon ganz gerne gewinnen, auf jeden Fall aber eine Medaille holen." Um sich optimal vorbereiten zu können, hat sie sich sogar vom Schulunterricht freistellen lassen, schließlich geht es vom Trainingslager in Dortmund gleich zur DM und dann mit dem U23-Nationalteam weiter ins Ruderleistungszentrum nach Ratzeburg.

(NGZ/jco)