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Bayer Dormagen tritt nun zwei Mal auswärts an: In Wetzlar geht Abstiegskampf weiter

Bayer Dormagen tritt nun zwei Mal auswärts an : In Wetzlar geht Abstiegskampf weiter

Der TSV Bayer Dormagen ist wieder dort angekommen, wo er vor sechs Wochen bereits war: in der Krise! Mit dem 23:27 (Halbzeit 14:12) gegen Aufsteiger SG Hameln kassierte der Handball-Bundesligist am Samstagabend die fünfte Heimniederlage dieser Saison - und zugleich die unnötigste. Ein gelungenes Comeback zum Geburtstag sieht sicher anders aus als das von Christian Ericsson am Samstag, nicht nur wegen des Endergebnisses. Doch Vorwürfe sollte man dem Schweden keine machen: Andere waren noch viel schlechter.

Der TSV Bayer Dormagen ist wieder dort angekommen, wo er vor sechs Wochen bereits war: in der Krise! Mit dem 23:27 (Halbzeit 14:12) gegen Aufsteiger SG Hameln kassierte der Handball-Bundesligist am Samstagabend die fünfte Heimniederlage dieser Saison - und zugleich die unnötigste. Ein gelungenes Comeback zum Geburtstag sieht sicher anders aus als das von Christian Ericsson am Samstag, nicht nur wegen des Endergebnisses. Doch Vorwürfe sollte man dem Schweden keine machen: Andere waren noch viel schlechter.

Denn nach einer Viertelstunde führten die Hausherren vor 1200 Zuschauern mit 9:4, ehe sie ein bis dahin sicher beherrschtes Spiel völlig aus der Hand gaben. Jetzt steht der TSV heute (19.30 Uhr, Sporthalle Dutenhofen) bei der HSG D/M Wetzlar unter Zugzwang: Nur ein Sieg belässt die Hoffnung, nicht auf einem Abstiegsplatz zu überwintern.

Eigentlich ist Gudmundur Gudmundsson am Samstag nur ein Jahr älter geworden. Doch nach dem Schlusspfiff der Unparteiischen Fleisch/Rieber (Ostfildern) sah der nun vierzigjährige Isländer aus, als ob er binnen einer Stunde um mehr als Jahrzehnt gealtert wäre: "Diesen Geburtstag werde ich nie vergessen", flüchtete sich der Trainer des TSV Bayer Dormagen nach der 23:27-Niederlage (Halbzeit 14:12) gegen Erstliga-Aufsteiger und Tabellennachbarn SG Hameln in Galgenhumor.

Was blieb ihm angesichts dieser Vorstellung seiner Schützlinge auch anderes übrig? "Arroganz gepaart mit Dummheit", brachte ein langjähriger Beobachter der Dormagener Handballszene die Partie auf einen Nenner, die im Vorfeld von allen Beteiligten als "Pflichtsieg" deklariert worden war. Arroganz gepaart mit Dummheit, das ergibt eine gefährliche, in diesem Fall eine tödliche Mischung - den Cocktail bereiteten sich die Bayer-Akteure auch noch selbst zu! Eine Viertelstunde lang hatten sie die SG Hameln recht sicher beherrscht - zu sicher offenbar.

Denn statt in Stärke schlug die 9:4-Führung, die Robert Sighvatsson nach 17 Minuten herausgeworfen hatte, in Arroganz, in Leichtsinn, in haarsträubende Fehler, in Disziplinlosigkeit um. Es war ja nicht so, als ob die SG Hameln nach der Auszeit von Trainer Jürgen Kloth besser geworden wäre, denn aus den Positionsangriffen heraus gelangen den Gästen nach wie vor keine Tore gegen den erneut glänzend aufgelegten Rafal Bernacki. Dafür aber durch Gegenstöße, zu denen sie die Hausherren mit ihren Fehlwürfen und -abgaben, ihren Schritt- und sonstigen technischen Fehlern geradezu einluden. Ganz schlimm: Die Treffer zum 8:10, 9:10, 10:11 und 11:12 gelangen den Hamelnern allesamt, als sie mit einem Mann weniger auf dem Parkett waren!

Mag man Christian Ericsson bei seinem ersten Einsatz nach 138 Tagen Zwangspause seine vergebenen Würfe und verstolperten Bälle in dieser Phase noch verzeihen - zumal sich das zweite TSV-Geburtstagskind im weiteren Verlauf deutlich steigerte: Was sein Landsmann Henrik Andersson produzierte, hatte mit Erstliga-Handball rein gar nichts zu tun. "Andersson "raus"-Rufe und Sprüche wie: "Da könnt' ihr ja gleich den Mast zurückholen", waren noch die harmlosen Kommentare der aufgebrachten Fans. Ein Vergleich, der hinkt: Schwache Halbrechte wie Mast oder Hafthorsson lassen sich eher mit "durchschleppen" als ein Regisseur und Spielgestalter, der nichts kann.

Die Tatsache, dass er mit Christian Ericsson nun einen schwedischen Rückraumpartner neben sich stehen hat, machte Andersson kein bisschen schneller, torgefährlicher oder besser. Und das Schlimmste: Der Mann geht nie dahin, wo es wehtut! Da fand er sich am Samstagabend allerdings in trauter Gesellschaft fast aller Bayer-Akteure: "Es gab heute nur zwei, die gut waren: Rafal Bernacki und das Publikum", lautete die vernichtende Bilanz von Gudmundur Gudmundsson. In der Tat: Mit 17 gehaltenen Bällen bewies der polnische Nationaltorhüter Extraklasse - das waren sieben mehr als sein Gegenüber Karaboue. Spiele mit einer solchen Differenz gewinnt man normalerweise!

Dormagen verlor, weil im zweiten Durchgang die SG Hameln, die beim 18:17 (45.) erstmals seit dem 2:0 wieder in Führung ging, jugoslawisch-clever spielte und vor allem kämpfte bis zum Umfallen. Das, was Dormagen noch beim Sieg über Lemgo ausgezeichnet hatte, zeigten diesmal nur die Gäste und feierten so völlig verdient ihren ersten Auswärtssieg. Jürgen Kloths Lob an seine Mannschaft: "Wir haben gekämpft und waren willensstark" müsste die Bayer-Handballer eigentlich bis ins Mark treffen - genau diese Eigenschaften ließen sie am Samstagabend nämlich vermissen.

Jetzt stehen sie Mittwoch Abend (19.30 Uhr, Sporthalle Dutenhofen) bei der HSG D/M Wetzlar unter Zugzwang. Die Hessen erfüllten am Samstag nämlich Teil eins ihrer Zielsetzung - "die Spiele vor und nach Weihnachten gewinnen" - mit einem 31:25-Sieg beim HC Wuppertal, nachdem sie zur Pause noch 12:14 zurück gelegen hatten. Parallele zum Bayer-Spiel: Bis zum 17:17 (40.) blieb es ausgeglichen, dann triumphierten die Gäste, die in dem sich nach der Pause steigernden Torhüter Rocksien und in Bjarnason ihre besten Akteure hatten. "Jetzt müssen wir auch Dormagen schlagen", fordert HSG-Trainer Velimir Petkovic, der bei diesem Vorhaben allerdings aller Voraussicht nach auf Ghenadi Khalepo wegen eines Muskelfaserrisses verzichten muss.