Rudern : In rasanter Fahrt Richtung Spitze

Klasse war die 19-Jährige schon als Basketballerin im Trikot des Zweitligisten TG Neuss. Doch erst seit die Kleinenbroicherin vor knapp zwei Jahren beim Neusser RV ihr Talent fürs Rudern entdeckte, ist sie sogar ein Kandidat für Olympia 2016 in Rio.

Alexandra Höffgen zwickt's im Rücken. Das ist ausgesprochen dumm, denn gerade jetzt steht für die Ruderin des Neusser RV der Umzug nach Dortmund an. Am dortigen Bundesleistungszentrum will die 19-Jährige ihre sportliche Karriere vorantreiben. Doch sie bleibt tiefenentspannt. Stress war am Freitag, stattdessen ist stiller Genuss angesagt — nach einer Saison, "die für mich optimal gelaufen ist". Das fanden im Übrigen auch die Leser der NGZ und wählten die WM-Dritte mit dem deutschen U23-Achter zur "Sportlerin des Monats Juli".

Eine Auszeichnung, die der Kleinenbroicherin ein eher verhaltenes "Ist ja cool" entlockt. Die lauten Töne sind ihre Sache nun mal nicht. Dafür lässt sie im Wasser mächtig Dampf ab. Seit Alexandra Höffgen im Frühjahr des vergangenen Jahres endgültig den Basketball mit dem Riemen vertauscht hat, steuert sie auf Erfolgskurs: Gleich in ihrer ersten Saison schafft die Quereinsteigerin den Sprung in die Nationalmannschaft und nimmt als Ersatzfrau an der U23-WM im litauischen Trakai teil. Dort belegt der Deutschland-Achter Rang zwei. So ganz nebenbei baut sie am Quirinus-Gymnasium ihr Abitur. Im Juni schließt sie die Deutschen U23-Meisterschaften auf dem Fühlinger See mit zwei ersten Plätzen ab: im Frauen-Vierer ohne Steuerfrau und im Frauen-Achter. Eine Leistung, die sie kurz darauf als Mitglied des Deutschland-Achters mit Rang drei bei den U23-Weltmeisterschaften im österreichischen Ottensheim noch toppt.

Nicht schlecht für eine Sportlerin, die ihr Land noch 2010 als Basketballerin bei der ersten Jugendolympiade in Singapur vertreten hat. Obwohl ihr malträtiertes Kreuzband im rechten Knie längst keine Probleme mehr macht — im langen Aufbautraining ab Februar 2011 hatte sie während der Fahrten auf dem Ruderergometer Kontakt zu beim Neusser RV als Trainer beschäftigten Christian Stoffels gefunden —, ist eine Rückkehr auf den Court, ausgeschlossen. Ihre Entscheidung steht, obgleich es "manchmal schon noch in den Fingern juckt", gesteht sie. Vor allem im Winter, wenn für sie und ihre Teamkollegen das eisige Motto gilt: "So lange das Wasser flüssig ist, kann man auch trainieren." — "Dann frage ich mich schon: Warum bin ich nur aus der Halle rausgegangen?"

Doch noch ist Sommer — und damit genug Zeit, sich aufs Studium vorzubereiten. Sie ist für Maschinenbau eingeschrieben, praktischerweise an der Uni Dortmund. Und weil Charlotte Reinhardt, ihre Standardpartnerin im Zweier, im benachbarten Bochum Medizin studieren möchte, haben die beiden Top-Ruderinnen eine WG aufgemacht. Perfekte Planung, zumal es in den kommenden Monaten wettkampftechnisch nicht ganz so hektisch zugeht. Im Herbst stehen die mäßig spannenden Landesmeisterschaften auf dem Plan, dazu die Titelkämpfe im Sprint. Über ihre Einsätze für die RheinSprinter Düsseldorf/Neuss in der Achter-Bundesliga hält sie Kontakt zum Neusser Ruderverein und zu ihrem "Entdecker" Christian Stoffels. "Das ist mir sehr wichtig", sagt sie. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro will und kann sie auf die wertvollen Dienste ihres Heimtrainers nicht verzichten. "Er war bislang immer mit dabei, auch bei den Weltmeisterschaften in Österreich." Eher suboptimal ist freilich, dass es im Verein in ihrer Altersklasse keine Kollegin gibt, die Rudern ebenfalls als Leistungssport betreibt. "Da fühlt man sich hin und wieder schon ein bisschen einsam."

Bis zum endgültigen Einzug in ihre Wohnung Ende September pendelt sie zwischen Neuss, Kleinenbroich und Dortmund. Ab Dezember bringt sie sich dann auf dem Ergometer in Form für die Ranglistenfahrten im Frühjahr. Martha Kosak aus Neuss hat den Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro der medicoreha Neuss gewonnen.

(NGZ)