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Handball: "In dieser Liga scheint alles möglich"

Handball : "In dieser Liga scheint alles möglich"

Zweitliga-Absteiger TuS Ferndorf hat sich mit seinem souveränen Auftritt in Dormagen in die Favoritenrolle gespielt. Ansonsten scheint es in der Dritten Handball-Liga West keine eindeutige Rollenverteilung zu geben in dieser Saison.

Ist das Rennen um Titel und Meisterschaft in der Dritten Handball-Liga West bereits nach dem ersten Spieltag entschieden? Das wohl kaum. Doch der souveräne Auftritt, den Zweitliga-Absteiger TuS Ferndorf beim 40:31-Sieg bei Titelverteidiger TSV Bayer Dormagen hinlegte (die NGZ berichtete) und die Ergebnisse der vermeintlich härtesten Konkurrenten – der Wilhelmshavener HV kam gegen TV Korschenbroich (24:24) ebenso wenig über ein Unentschieden hinaus wie der Leichlinger TV beim letztjährigen Kellerkind TSG A-H Bielefeld (25:25) – legen den Schluss nahe, dass die Favoritenrolle eindeutig an die kurzfristig um den ehemaligen Bundesliga-Spieler Alexander Koke verstärkten Siegerländer vergeben ist.

"Eine hervorragend eingespielte Mannschaft", sagt der Ex-Dormagener über seine neuen Teamkollegen. Der 34-Jährige war erst am Donnerstagabend von Erik Wudtke, seinem Freund auf der Ferndorfer Trainerbank, angesprochen worden, ob er sich ein Engagement vorstellen könne. Da er sich im Rahmen seiner Doktorarbeit ohnehin mit den handballerischen Trainingsabläufen beim TuS Ferndorf beschäftigte, sagte Koke zu.

Der nach seiner Einwechslung in der elften Minute Regie führte, als ob er die gesamte Vorbereitungszeit mit dem Zweitliga-Absteiger bestritten hätte. Wie lange sein Engagement befristet ist, weiß Koke nicht: "Darüber haben wir noch nicht gesprochen." Erst einmal soll er aushelfen, bis die Langzeitverletzten David Breuer und Heider Thomas wieder fit sind. Sollte er länger bleiben, droht der Dritten Liga West an der Spitze ein Alleingang. Denn eine Rückraumbesetzung mit Alexander Koke, David und Simon Breuer stünde jedem Zweitligisten gut zu Gesicht. Erik Wudtke indes will von einer Vorentscheidung im Titelkampf nichts wissen: "Wenn wir heute hier verloren hätten, wäre die Saison für uns ja auch nicht gelaufen gewesen. Umgekehrt ist es doch genauso", sagt der frühere Bundesliga-Profi, der mit Koke gemeinsam in Melsungen spielte.

Sein Dormagener Kollege zieht die Statistik zu Rate, um zu zeigen, was an dreißig Spieltagen alles passieren kann: "Letzte Saison sind wir mit 2:4 Punkten gestartet und am Ende Meister geworden." Doch Jörg Bohrmann ist Handball-Fachmann genug, um zu wissen, dass dieses Unterfangen im zweiten Jahr wesentlich schwieriger wird – nicht nur wegen eines Gegners vom Kaliber des TuS Ferndorf: "Die Liga ist deutlich stärker geworden und noch ausgeglichener", sagt der 43-Jährige, "dass wir 'nur' einen Platz unter den ersten Fünf als Saisonziel ausgegeben haben, hat nichts mit Tiefstapelei zu tun."

Die – teilweise überraschenden – Auftaktergebnisse geben ihm Recht. "Der erste Spieltag hat eines gezeigt: In dieser Liga ist offensichtlich alles möglich," sagt René Witte, Trainer des Neusser HV. Der Aufsteiger hielt in Gladbeck lange mit, musste sich am Ende aber 22:27 geschlagen geben. "Aber das Spiel hat gezeigt, dass wir in der Liga angekommen sind", meint Witte. Für andere gilt das offenbar noch nicht: "Ende September wissen wir wirklich, welches Saisonziel für uns realistisch sein wird", sagte Trainer Olaf Mast nach der überraschenden 28:38-Schlappe der HSG Krefeld im Duell der "neuen Fusionsklubs" mit den OSC Löwen Duisburg. Und Andrzej Staszewski, der neue Mann auf der Bank der HSG Varel, konstatierte nach der nicht minder überraschenden 23:31-Pleite beim vermeintlichen Abstiegskandidaten ART Düsseldorf: "Vielleicht war das ja die kalte Dusche zum richtigen Zeitpunkt."

(NGZ)