Lokalsport: In der Ruhe liegt Abdullah Ciftcis Kraft

Lokalsport: In der Ruhe liegt Abdullah Ciftcis Kraft

Der erst 15 Jahre alte Taekwondoka des AC Ückerath nimmt für Deutschland an der Nachwuchs-WM in Tunesien teil.

Ende 2016 war Abdullah Ciftci eigentlich fertig mit dem Kampfsport. Bei einem internationalen Turnier in Belgien hatte sich der damals 14-Jährige gerade zum zweiten Mal binnen weniger Monate die Hand gebrochen. Beim peinvollen Blick auf seine von einer Platte und mehreren Schrauben zusammengehalten Knochen stand für ihn fest: "Das war's mit Taekwondo!" Da hatte der Straberger die Rechnung jedoch ohne seinen beim AC Ückerath tätigen Trainer Jannis Dakos gemacht. Der wollte das Riesentalent nicht so einfach aufgeben. 2017 bestritt sein Schützling zwar keinen Wettkampf, spürte aber genau, "dass mein Trainer immer an mich geglaubt hat." Die behutsame Annäherung führte zum Erfolg, im Januar feierte Abdullah Ciftci sein Comeback auf der Matte. Und was für eins.

Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Düsseldorf holte sich der inzwischen 15-Jährige auf Anhieb den Titel. Der strahlende Triumph in der Gewichtklasse bis 78 Kilogramm traf ihn vollkommen unvorbereitet, "das war schon eine große Überraschung", passte aber optimal in den von Diplom-Sportwissenschaftler Jannis Dakos entworfenen Schlachtplan. "Für seine Motivation war der Titel natürlich Gold wert." Und es kam sogar noch besser: Der Ückerather fand Aufnahme ins Notizbuch von Bundestrainer Marco Scheiterbauer, und weil er sich auch in der Folge mächtig ins Zeug legte - dritte Plätze bei den "Slovenia Open" in Maribor und den "Dutch Open" in Eindhoven sowie Rang eins bei den "Belgian Open" in Lommel -, holte er sich das Ticket für die Jugend-WM vom 9. bis 13. April im tunesischen Hammamet. Für Dakos nur der verdiente Lohn harter Arbeit: "Abdullah hat sich von Turnier zu Turnier gesteigert, ist immer aggressiver geworden." Dabei, fährt er fort, "ist er ein sehr lieber Junge, einer, der von sich aus nicht so viel redet. Er denkt nach, bevor er den Mund aufmacht."

Sein Charakter spiegelt sich auch im Duell Mann gegen Mann wider. "Auf der Matte bin ich nicht übermäßig aggressiv, eigentlich sogar eher ruhig", verrät er: "Ich setzte vor allem auf Konter." Köpfchen beweist er zudem im Klassenzimmer. Noch besucht er die Jahrgangsstufe 10 an der Städtischen Realschule am Sportpark in Dormagen, hat aber seine Zusage für die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Dormagen in Nievenheim schon in der Tasche. Dort will er sein Abitur machen, so ist das mit den geduldigen Eltern verabredet. Papa und Mama sind ihm wichtig, klar, "sie unterstützen mich immer. Mein Vater fliegt sogar mit nach Tunesien, das motiviert mich voll."

Foto: ACÜ
  • Lokalsport : Abdullah Ciftci wird immer besser

Morgen hebt der Flieger mit dem deutschen WM-Team am Frankfurter Flughafen ab. Abdullah Ciftci ist bewusst, dass er in Hammamet mit knapp 16 Jahren (er hat am 9. Mai Geburtstag) zu den jüngsten Teilnehmern in der Altersklasse U18 gehört. "Er ist da, um zu lernen", erklärt Dakos, der schon die Euro im nächsten Jahr ins Visier genommen hat. "Wenn er dabei bleibt, sehe ich ihn dann als die Nummer 1 in seiner Altersklasse." Ciftci weiß, dass er im Vergleich mit der Konkurrenz vor allem physisch zulegen muss. "Ich brauche mehr Kraft in den Beinen." Darum reißt er jetzt zusätzlich zu seinen vier Taekwondo spezifischen Trainingseinheiten pro Woche noch Stunden im Fitnessstudio ab und verbessert seine Ausdauerwerte mit Läufen durch den Mühlenbusch.

Gerade zurück von einem Lehrgang mit der Nationalmannschaft in Nürnberg, sieht er seine WM-Chancen (im Schwergewicht fallen die Entscheidungen erst am 13. April) realistisch: "Ich bin jetzt erstmal wieder richtig eingestiegen und will einfach nur mein Bestes geben. Mal gucken, was dann geht ..."

Sein Weg, der einst als Sechsjähriger im Fußballtrikot des SSV Delrath begann, "damals riet mir ein Arzt wegen meiner Probleme mit den Füßen, es mal mit Taekwondo zu versuchen", ist jedenfalls noch lange nicht zu Ende. Für ihn gibt es keine Grenzen. Ein Start bei den Olympischen Spielen? "Warum nicht!?"

(NGZ)