Tennis: "In der Liga hast du immer gute Gegner"

Tennis : "In der Liga hast du immer gute Gegner"

Heute im Bundesligaspiel gegen Wacker Burghausen geben Leonardo Mayer und Filippo Volandri ihren Einstand im Team des TC BW Neuss. Zusammen mit Mayer-Coach Leo Alonso sprachen sie über ihre Erwartungen und ihr Leben als Tennisprofi

Die rote Asche an der Jahnstraße, auf der sie heute ab 13 Uhr gegen den SV Wacker Burghausen erstmals in einem Bundesligaspiel auflaufen werden, kennen sie schon zur Genüge: Gleich nach der Ankunft ihrer Flüge aus Malaga und Florenz am Mittwochnachmittag absolvierten Leonardo Mayer (26) und Filippo Volandri (31) dort eine Trainingseinheit.

Am Donnerstag standen zwei auf dem Programm, dazwischen nahmen sich der Argentinier, auf der aktuellen Weltrangliste an Position 84 geführt, und der 15 Plätze dahinter gelistete Italiener Zeit für ein Gespräch. Geführt wurde es auf Englisch, der Universalsprache der Tennisprofis — während Filippo Volandri sie perfekt beherrscht, erhielt Leonardo Mayer Unterstützung durch seinen langjährigen Trainer, den aus Buenos Aires stammenden Leo Alonso.

Herr Mayer, Herr Volandri, Herr Alonso, erst einmal herzlich Willkommen in Neuss. Sie spielen zum ersten Mal für den TC Blau-Weiss in der Bundesliga — hatten sie vorher schon von Ihrem neuen Klub gehört?

Leonardo mayer Ich habe schon für Aachen und davor schon einmal zwei Jahre für Reutlingen in der Bundesliga gespielt, deshalb weiß ich, dass Blau-Weiss Neuss ein Klub mit großer Tradition ist.

LEO ALONSO Leonardo ist ja nicht der erste Argentinier, der in Neuss spielt. Da gab es zum Beispiel Martin Jaite, der ist jetzt Kapitän unseres Daviscup-Teams, zu dem Leonardo ja gehört. Und da gab es vor allem einen Franco Davin, der jetzt Trainer von Juan del Potro ist und mit dem wir so oft es geht zusammen trainieren. Beide haben uns natürlich von Blau-Weiss Neuss erzählt. (lacht) Sie sehen, wir sind bestens informiert.

Herr Volandri, wie ist das bei Ihnen?

Filippo Volandri Potito Starace ist einer meiner besten Freunde. Klar, dass auch er mir von seiner Neusser Zeit erzählt hat. (Starace spielte von 2003 bis 2008 in Neuss, Martin Jaite wurde 1986 und '88 mit Blau-Weiss Deutscher Meister, Franco Davin wurde 1992 mit Neuss Deutscher Meister und 1993 Vizemeister, Anm. der Redaktion).

Sie spielen mit 31 Jahren zum ersten Mal in der Bundesliga. Warum?

Volandri Das stimmt nicht ganz. Ich habe schon mal für Mülheim in der Bundesliga gespielt, aber das ist schon mehr als zehn Jahre her. In den letzten Jahren habe ich sehr viele Turniere gespielt, da blieb keine Zeit dafür. Jetzt spiele ich nicht mehr ganz so viele Turniere, deshalb freue ich mich auf die Bundesliga.

Was reizt Sie und andere Weltklassespieler an der Bundesliga? Immerhin haben die zehn Klubs insgesamt 35 Spieler aus den Top-Einhundert der Weltrangliste gemeldet.

Mayer Mich reizt, dass man da im Team spielt. Das kommt in der ganzen Saison nur zwei Mal vor — beim Davis-Cup und in der Bundesliga. In der Bundesliga hast du immer gute Gegner und es herrscht eine ganz andere Atmosphäre als auf den Turnieren.

Alonso Auf den Turnieren spielst du nur für dich selbst, aber in der Bundesliga repräsentierst du einen ganzen Klub.

Volandri So sehe ich das auch. Wenn du für eine Mannschaft spielst, stehst du mehr unter Druck als auf einem Turnier. Das ist eine ganz andere Art von Motivation, weil die Leute, die zu einem Bundesligaspiel kommen, etwas von dir erwarten. Außerdem bietet die Bundesliga eine sehr gute Gelegenheit, zu trainieren und Spielpraxis zu sammeln.

Was denken Sie über das heutige Spiel gegen Burghausen?

Volandri Das wird ein hartes Match. Wie es aussieht, kommt Burghausen ja mit zwei sehr guten Spielern, mit Carlos Berlocq und Guillermo Garcia-Lopez (der Argentinier Berlocq ist zur Zeit Nummer 74 der Weltrangliste, der Spanier Garcia-Lopez wird auf Rang 64 gelistet, Anm. der Redaktion). Da müssen Leo und ich schon richtig gut spielen, um zu gewinnen. Die Chancen in den beiden Matches stehen bei fünfzig Prozent, ich denke, wer von beiden Mannschaften gewinnt, hängt davon ab, wer an den Positionen drei und vier spielt.

Herr Mayer, Sie sind gut mit Carlos Berlocq befreundet und Sie haben den gleichen Trainer. Spielt das im Match eine Rolle?

Mayer Ich denke nicht. Wir kennen uns sehr gut, die Siegchancen stehen bei 50:50.

Alonso So sehe ich das auch. Wir trainieren fast die ganze Zeit gemeinsam, sie kennen sich wirklich perfekt. Das wird auf jeden Fall ein gutes Match.

Bleibt Ihnen zwischen Training und Spiel eigentlich noch Zeit, etwas von der Stadt zu sehen, in der Sie gerade sind?

Volandri Als Tennisprofi lebst du immer nach dem gleichen Rhythmus: Du spielst, dann ruhst du dich aus, dann konzentrierst du dich auf das nächste Spiel und dann spielst du wieder. Da siehst du wenig von dem Ort, egal, wo du auf der Welt gerade bist, außer dem Hotel und dem Tennisplatz.

(NGZ)