Handball: In der Konfusion fehlt DHC der kühle Kopf

Handball : In der Konfusion fehlt DHC der kühle Kopf

Die 33:34-Niederlage gegen Leipzig offenbart erneut das größte Manko des DHC Rheinland – es fehlt ein Führungsspieler

Die 33:34-Niederlage gegen Leipzig offenbart erneut das größte Manko des DHC Rheinland — es fehlt ein Führungsspieler

Die einen machten ihrem Unmut in einem gellenden Pfeifkonzert Luft, den anderen hatte es die Sprache verschlagen. Doch anders als bei der 21:30-Schlappe vier Wochen zuvor gegen den 1. VfL Potsdam galten die wütenden Pfiffe der 1404 Zuschauer im Dormagener Sportcenter nicht den eigenen Handballern.

Im Mittelpunkt der Kritik nach der 33:34-Niederlage des DHC Rheinland gegen den SC DHfK Leipzig, bei der der heimische Zweitligist eine 26:22-Führung nach 45 Minuten nicht über die Zeit brachte, standen Harald Schembs und Markus Weyell. Die Unparteiischen aus Nackenheim und Nieder-Olm hatten eine Dreiviertelstunde lang eine temporeiche, kampfbetonte und mit viel Finessen geführte Partie mehr schlecht als recht über die Bühne gebracht.

In der Schlussviertelstunde verlor das Duo in Gelb jedoch vollkommen die Übersicht. Eine einheitliche Linie, wie sie Abwehrvergehen, Stürmerfouls und passives Spiel ahndeten, gab es fortan nicht mehr. Die Folge: Die Hausherren, die nach anfänglichen Schwierigkeiten — nach acht Minuten hieß es 4:6, fünf Minuten später führte der DHC mit 8:6 — das Geschehen mehr oder minder eindeutig beherrscht und ihren 19:16-Pausenvorsprung bis auf 26:22 ausgebaut hatten, verloren vollends den Kopf.

"Leipzig war cleverer und hat die Regelauslegung der Schiedsrichter besser genutzt," fasste Richard Ratka das Geschehen kurz und bündig zusammen. Wie der DHC-Trainer war auch David Breuer weit davon entfernt, den Unparteiischen die Alleinschuld an der vierten Heimniederlage zu geben: "Unsere Deckung hat nicht richtig funktioniert. Leipzig hat nun wahrlich keinen überragenden Rückraum, und wir kassieren 18 Tore gegen die", meinte der Linkshänder, der mit 11/6 Treffern seine Wiedergeburt als Torjäger feierte. Auch Ratka missfiel das Defensivverhalten seiner Schützlinge: "Da waren Würfe bei, die dürfen nie und nimmer aufs Tor kommen. Und gegen den Kreisläufer waren wir viel zu passiv."

Für den Ex-Nationalspieler liegt das Problem in der Zusammensetzung seines Kaders: "Zwei Siege in Folge, und schon lehnen sich die jungen Spieler zurück und glauben, es läuft jetzt so weiter." Noch mehr vermisst er eine klare Hierarchie in seinem 16-köpfigen Aufgebot: "Wenn es kritisch wird, ist keiner da, der das Heft in die Hand nimmt und den anderen sagt, was sie zu tun haben." In der Tat: Nachdem Leipzig neun Minuten vor Schluss erstmals wieder ausgeglichen hatte (28:28), suchten die Hausherren ihr Glück vornehmlich in Einzelaktionen.

Erschwerend kam hinzu, dass der zuvor überragende Jendrik Meyer (14 Paraden zwischen der 10. und 42. Minute) am Ende nur noch zwei Mal die Hand an den Ball bekam, darunter bei einem Siebenmeter von Philipp Seitle 34 Sekunden vor dem Schlusspfiff. Was die Dormagener anschließend anstellten, um wenigstens noch den Ausgleich zu erzielen, sprach auch nicht gerade für große Cleverness.

Allerdings hatten auch hier die Unparteiischen wieder ihre Hand im Spiel: Nach Foul an Daniel Mestrum zehn Sekunden vor Schluss "vergaßen" sie, die Uhr anzuhalten und ließen nicht einmal mehr einen direkten Freiwurf ausführen. Was folgte, war ein gellendes Pfeifkonzert auf den Rängen und Sprachlosigkeit auf dem Parkett: "Mir fehlen die Worte", meinte David Breuer, "und das hat nichts damit zu tun, dass wir 48 Stunden nicht über die Schiedsrichter sagen dürfen."

(NGZ)
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