Relikt aus den ersten Berufsjahren: In den Anfängen noch zu Fuß unterwegs

Relikt aus den ersten Berufsjahren : In den Anfängen noch zu Fuß unterwegs

Ein antik anmutendes Ledertelefon, das Besitzer Josef Figalist heute noch als Haustelefon nutzt, ist ein Relikt aus den ersten Berufsjahren des Gierathers. Vehement hat der gelernte Fernmeldemonteur es immer vor Entrümpelungsaktionen seiner Kinder verteidigt.

Nach 50 Jahren Betriebszugehörigkeit beim Unternehmen Bosch, wird Josef Figalist zum Ende des Jahres jetzt in den wohlverdienten Ruhestand entlassen. Mit 15 Jahren begann der gebürtige Düsseldorfer seine Lehre als Fernmeldemonteur bei der Firma "Telefonbau und Normalzeit".

"Einige Jahre später gab es erste durchsichtige, silberfarbene und sogar goldene Telefonapparate. Von diesen habe ich mal drei für die Chefin einer Düsseldorfer Brauerei besorgt", erinnert sich der 65-jährige rückblickend. Ein mit Münzen gefülltes Telefon steht jetzt neu im Figalists Wohnzimmer. "Das ist von den Kollegen, damit der Kontakt nicht vollkommen abbricht", schmunzelt der Fernmeldemonteur über das Abschiedsgeschenk, dass er aus der Firma mitnimmt.

Der Name des Unternehmens und Josef Figalists Aufgabengebiete wechselten mehrfach in seiner 50-jährigen Betriebszugehörigkeit. Früher war der Gierather noch "zu Fuß mit der Tasche unterwegs". Im Außendienst besuchte er Kunden zu Hause, die Störungen meldeten, und wartete ihre Telefonapparate. Einige Jahre später arbeitete sich Josef Figalist "eine Etage höher" zum Gruppenleiter und schließlich zum Leiter der Abteilung "Service".

1987 wurde das Traditionsunternehmen, das zwischenzeitlich den Namen "Telenorma" trug, von Bosch übernommen. Bereits 16 Jahre zuvor hatte sich der Gierather in den Betriebsrat wählen lassen. Zum Schluss pendelte er in seiner Funktion als Betriebsratsmitglied immer zwischen Düsseldorf und Otto-Brunn hin und her.

"Als Vorgesetzter gleichzeitig Vertreter der Arbeitnehmer zu sein, war selten. Doch diese Kombination hat den Kollegen und mir gut getan", meint Figalist heute. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 110 000 Mitarbeiter in Deutschland, die Zündkerzen, Scheibenwischer, Einspritzpumpen, Sicherheits- und Überwachungsanlagen fertigen. Auf die Firma lässt der zukünftige Pensionär auch kurz vor dem Abschied nichts kommen: "Es wurde immer Wert auf Genauigkeit gelegt."

In seiner letzten Station - Abteilung Sicherheitstechnik - vertrat der 65-Jährige eine mittlerweile selten gewordene Philosophie, die auch den Vorteil der Arbeitnehmer im Auge hatte. "Renn' nicht mit dem Gesetzbuch unter dem Arm durch den Betrieb" hat er nun seinem Nachfolger geraten. Figalist selbst zitierte immer Theodeor Heuss: "Für gute und sichere Arbeitsplätze zu sorgen, ist die beste Sozialpolitik", meint der Gierather auch heute noch.

"Ein Stück vom Jakobusweg" will der Vater von zwei Kindern in seiner bevorstehenden Freizeit gehen und beim Wandern "auf dem Gipfel alle Strapazen und Qualen vergessen". In Gierath wird Josef Figalist weiterhin im Siedlerverein und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung seine Energie einbringen, so wünscht es sich der gelernte Fernmeldemonteur. Auch als Rentner will der 65-Jährige einen geregelten Tagesrhythmus beibehalten.

(NGZ)
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