Korschenbroich: "Im Sport geht nichts mehr"

Korschenbroich: "Im Sport geht nichts mehr"

Die Politik hat den Rotstift angesetzt und im Bereich der Vereine eine 20-prozentige Kürzung beschlossen. Der Stadtsportverband (SSV) nimmt das nicht unwidersprochen hin: "Wir sind die ewige Melkkuh der Politik."

Die Stadt Korschenbroich muss als Nothaushaltskommune die Sparschraube andrehen. Das hat die Politik jetzt gemacht und erneut die Sportvereine mit ins Streichkonzert einbezogen. 20 Prozent der Zuschüsse werden ihnen im kommenden Jahr gesprichen. Das wiederum bringt den Stadtsportverband (SSV) Korschenbroich auf den Plan. In dem Dachverband sind 32 Vereine mit über 11000 Mitgliedern organisiert. "Wir werden von der politischen Entscheidung einfach überrollt", schimpft SSV-Vize Rainer Türke (63). Für ihn als Vorsitzender des Glehner Turnvereins (GTV) ist klar: "Hier geht nichts mehr."

Und auch für Heinz Schnelle (68), SSV-Beisitzer und langjähriger Vorsitzender der Schwimmabteilung des TV Korschenbroich, hat der Spaß ein Ende. "Wir wissen doch schon gar nicht mehr , wo wir überhaupt noch sparen sollen." Er erinnert – wie Rainer Türke auch – an den "Pakt des Sport", den vor Jahren der frühere SSV-Chef Baldur H. Wenger mit der Stadt – und damit auch mit der Politik – geschlossen hat. Für Schnelle ist davon nichts mehr erkennbar. Er fragt sich, "ob die Politik überhaupt weiß, wie es an der Basis aussieht und wen die Streichungen treffen."

  • Mehr Zuschüsse : 30.000 Euro pro Jahr für Jüchener Sportvereine

Zum Hintergrund: Der Sportzuschuss ist eine freiwillige Leistung. 27 000 Euro kommen aus der Stadt- kasse, weitere 17 000 Euro steuert die Sparkassen-Stiftung bei. Die dann jährlich zur Verfügung stehenden 44 000 Euro fließen "nur in die Kinder- und Jugendförderung". "Und diese Förderung wird jetzt auch noch um 20 Prozent eingedampft", ärgert sich Türke. Er spricht von vorbildlicher Jugendarbeit, die Ehrenamtler im Stadtgebiet flächendeckend leisten. "In Berlin wird Bildung und Jugendarbeit proklamiert und hier wird das bisschen an Zuschüssen noch weggekürzt." Und was ihn am meisten fuchst: Der Energiekostenzuschuss, den er als "verkappte Sportstättennutzungsgebühr" versteht, wurde im Vorjahr bereits erhöht. "Das ist nichts anderes als eine indirekte Kürzung des Sports." Für Schnelle hört die Freude jetzt auf: "Wir zahlen alle mehr an die Stadt, als dass wir auf Zuschüsse hoffen dürfen." Für den Glehner Turnverein sieht das Praxisbeispiel für 2010 so aus: Der GTV erhält einen Zuschuss von 2010 Euro und zahlt im Gegenzug 5200 Euro an die Stadt.

Stadtkämmerer Bernd Dieter Schultze (60) bestätigt die Kürzung der Vereinszuschüsse von 20 Prozent. "Die Politik hat entschieden. Der Beschluss ist rechtskräftig und gilt ab 2011." Gleichfalls betroffen seien Wohlfahrtsverbände, Kulturvereine sowie die Jugendförderung. Schultze: "Der Beschluss beinhaltet eine Info-Veranstaltung mit dem Bürgermeister." Und auf das Treffen im November wartet der SSV. "Wir verzichten auf die komplette Förderung inklusive Energiekostenzuschuss", wird dann Türkes Lösungsvorschlag lauten.

(NGZ)
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