Jüchen : Im Rathaus steigt Kreditbedarf

In guten Jahren ist sie ein Segen, in schlechten ein Fluch für den Haushalt der Gemeinde: die Gewerbesteuer. 2011 war kein gutes Jahr. Die Kassenkredite zur Liquiditätssicherung sind daher um 99,1 Prozent gestiegen.

Dirk Kalibe weiß, dass einen die Zahlen vom Hocker hauen können. Zum Stichtag 30. September haben die Kassenkredite zur Liquiditätssicherung der Gemeinde im Vergleich zum Vorjahr (Stichtag: 31. Dezember 2010) um 99,1 Prozent zugenommen. Das teilte das Statistische Landesamt gestern mit.

"Das klingt heftig", räumt Kalibe ein. Der 53-Jährige ist Amtsleiter für Finanzen bei der Gemeinde Jüchen, und er macht kein Hehl daraus, dass dieses Jahr für die Gemeinde ein "Dürrejahr" war. "Mit den Stichtagen aber ist es so eine Sache", sagt Kalibe.

Als Beispiel nennt er das vergangene Jahr. Da erhielt die Gemeinde zum Jahresende eine Gewerbesteuernachzahlung in Höhe von fast zehn Millionen Euro. "Der Stichtag 30. September 2010 hätte da deutlich schlechter ausgesehen als der 31. Dezember 2010", sagt Kalibe. Aber mit einem solchen Nachzahlungsbatzen kann die Gemeinde in diesem Jahr nicht rechnen. Im Gegenteil: Eher könnten die Verbindlichkeiten zur Liquidätssicherung noch zunehmen. Zum 30. September lagen sie bei etwas mehr als 10,8 Millionen Euro. Das entspricht 477,47 Euro pro Einwohner.

Dirk Kalibe möchte nichts beschönigen. Auch 2012 scheine nach derzeitigem Stand für die Gemeinde ein schweres Jahr zu werden. Das wurde unlängst bei der Einbringung des Haushalts deutlich: Der Gemeinde droht ein Neun-Millionen-Loch im Etat. Ein Grund ist der heftige Rückgang der Gewerbesteuer. Bürgermeister Harald Zillikens hat im Haushaltssicherungskonzept etliche Konsolidisierungsvorschläge vorgelegt. Die Ratsfraktionen prüfen diese derzeit. Klar ist: Die Jüchener müssen mit Einschnitten rechnen. Höhere Steuersätze sind angedacht — zum Beispiel bei der Grund- und Hundesteuer, aber auch bei der Gewerbesteuer.

Letztere hatte sich in den Vorjahren in Jüchen relativ gut gestaltet. Dirk Kalibe bezeichnet das Jüchener Problem daher als "antizyklisch". "In den Jahren 2008 bis 2010 standen wir im Vergleich zu anderen Kommunen bei der Gewerbesteuer gut da", sagt er. "Das Problem für die Gemeinde ist die schwere Kalkulierbarkeit der Gewerbesteuer. Die Firmen unterliegen nun mal der Konjunktur."

Die Zahlen zeigen die Abhängigkeit der kommunalen Haushalte von der Gewerbesteuer. Der Standort Jüchen ist jedoch attraktiv und soll weitere Unternehmen anlocken. Fürs Stadtsäckel ist das gut. "Meine Erfahrung sagt zudem, dass nach Dürrejahren wieder Nachzahlungsjahre folgen", betont Kalibe.

(NGZ/rl)