Elephants Grevenbroich: Im Kollektiv versagt

Elephants Grevenbroich: Im Kollektiv versagt

Auch einen Tag nach der schmerzlichen 78:88-Niederlage bei der BG DEK/Fichte Hagen lag Raphael Wilder, Trainer des Basketball-Zweitligisten Elephants Grevenbroich, der unerklärlich schwache Auftritt seiner Mannen in der Ischelandhalle noch schwer im Magen.

"Ich bin absolut enttäuscht von der Leistung meiner Mannschaft", sagte er, "das war einfach viel zu wenig. Bis auf wenige Ausnahmen hat das Team überhaupt keine Akzente gesetzt". Den Klassenerhalt vor Augen - bei einem Sieg wäre der Aufsteiger fünf Spieltage vor Schluss von der dann zehn Punkte zurückliegenden BG Hagen wegen des gewonnenen direkten Vergleichs nicht mehr zu überholen gewesen - versagten die Elephants im Kollektiv.

Eine gute Note verdiente sich lediglich Matthias Wojdyla, der mit 22 Punkten (drei Dreier) und einer Trefferquote von über 61 Prozent an die starken Leistungen der vergangenen Wochen anzuknüpfen wusste. Mit Abstrichen brachten sich auch wieder Elmar Reder (9/1) und Rafael Wilczek (8/2) vorteilhaft ein. Zu wenig.

Besonders krass und sicher spielentscheidend war das völlige Versagen der Centergarde: 50 ihrer 88 Punkte markierten die Hausherren aus der Nahdistanz, dem Hauptarbeitsgebiet der langen Kerls. Grevenbroich setzte nur 30 Zähler dagegen. Alleine Hagens 2,13-Meter-Koloss Robin Gieseck erzielte 18 seiner insgesamt 26 Punkte in dieser Zone, war damit besser als seine Widersacher Whitney Harris (7), Timur Anlasik (5), Haldun Özaslan (2) und Franz-Josef Grips zusammen.

Apropos Harris: Der kanadische Ritter, von seinen Kollegen wieder mal schmählich im Stich gelassen, wirkte im Duell mit Gieseck fast hilflos. "Er hatte einen rabenschwarzen Tag, das hatte mit Basketball nicht viel zu tun", befand Wilder, warb aber sofort um Nachsicht: "Wir sollten nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen, das war sein erstes richtig miserable Spiel." Knackpunkt Nummer zwei: die Position in der Schaltzentrale.

Wie schon so oft in dieser Saison lesen sich die statistischen Daten für Grevenbroichs Spielmacher Sergejs Kiselovs gar nicht mal schlecht: zwölf Punkte, fünf Ballgewinne (!), acht Assists und fünf von fünf Freiwürfen sind sogar ausgesprochen gute Werte - für einen reinen Aufbauspieler. Doch in einer derartig entscheidenden Partie müssen von solch einer Schlüsselposition einfach noch mehr Akzente kommen.

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Drei erfolgreiche Würfe (4/1 Dreier) in fast 32 Spielminuten und eine Quote von 37,50 Prozent aus dem Feld reichen definitiv nicht, zumal sich Martin Trefzger wie schon gegen Paderborn nach gutem Start (sechs Punkte bis zur dritten Minute) vollkommen aus dem Match verabschiedete (insgesamt nur acht Punkte). Kiselovs Widerpart Marko Radulovic, pikanterweise wohl auch mal bei den Elephants im Gespräch, begann ganz schwach, spielte vor der Pause nur 6:20 Minuten und kam dabei auf magere vier Punkte.

Nach dem Seitenwechsel indes steigerte sich der von Hagen erst unmittelbar vor dem Ende der Wechselfrist verpflichtete U20-Nationalspieler, brachte am Ende 19 Zähler (drei von sechs Dreier-Versuchen) und sechs Assists auf sein Konto. Dazu kassierte er ebenso wie Kiselovs ein Technisches Foul. Kritik am Letten ließ Wilder einmal mehr allerdings nur bedingt zu.

Mit Blick aufs Scouting meinte er ungehalten: "Ich kann nicht verstehen, wieso er immer im Zentrum der Kritik steht. Das einzige, worüber ich mit mir reden lasse, ist seine Dreierquote." Reden muss er in dieser Woche auch mit seinen Schützlingen, denn durch die Pleite in Hagen hat sich die Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt deutlich verschlechtert.

Das Horrorszenario: Die Elephants verlieren die restlichen fünf Spiele und schließen die Saison mit 16:44 Punkten vor Bernau als Vorletzte ab. Die Konkurrenz dagegen legt zu: Essen (4:6 Punkte aus den letzen fünf Spielen) und Hagen (6:4), so eine Hochrechnung, schließen die Saison jeweils mit 18:42 Zählern ab.

Wolfenbüttel (6:4) schafft sogar 20:40 Punkte und liegt damit ebenso vor den Elephants wie die SG Braunschweig (6:4), die selbst nach dem Abzug von vier Punkten am Saisonende noch 18:42 Zähler aufweist. Dann bleibt nur der TuS Lichterfelde, der nach der sensationellen Niederlage am Sonntag im Derby gegen Bernau wohl ebenfalls nur auf 16:24 Punkte kommt und damit hinter den im direkten Vergleich besseren Elephants einläuft.

(NGZ)