Hockey : Im Hockey ist das "ganz normal"

Was der Deutsche Hockey-Bund seinen Aktiven zumutet, ist grenzwertig: Drei Wochen nach dem Saisonstart haben die Bundesligisten bereits die Meisterschaftsspiele sechs und sieben vor der Brust – von Reisestrapazen ganz zu schweigen. 1300 Autobahnkilometer sind ein normales Pensum

Simon Starck zuckt mit den Schultern: "Den anderen geht es doch auch nicht besser." Wer selbst Hockey spielt oder bei einem Hockey-Bundesligisten Verantwortung trägt, scheint mit Belastungen überaus gelassen umzugehen, die in anderen Sportarten längst zum Protest, wenn nicht gar zum Spielerstreik geführt hätten.

Denn der Deutsche Hockey-Bund mutet seinen Aktiven einiges zu. Am 10. September, die Europameisterschaft in Mönchengladbach war gerade mal zwölf Tage vorbei, starteten die Bundesligisten in die Spielzeit. Morgen und am Sonntag stehen schon die Meisterschaftspartien Nummer sechs und sieben auf dem Plan. In drei Wochen, am 22. Oktober, geht bereits die Hinrunde zu Ende – bis dahin müssen noch (inklusive der am Wochenende) sechs Punktspiele bestritten werden.

"Das ist schon relativ viel in der kurzen Zeit, das ist ziemlich kräftezehrend", sagt Andreas Bauch, Trainer bei den nach zweijähriger Abwesenheit in die Bundesliga zurückgekehrten Herren des HTC Schwarz-Weiß Neuss. Die schmal geschnittenen Kader – oft sitzen nur vier, fünf Auswechselspieler auf der Bank – lassen ein "Rotationsprinzip" nicht zu, vor allem die Leistungsträger müssen meist siebzig Minuten durchspielen.

Erschwert wird das alles durch die mitunter strapaziösen Anreisen. Seit die Liga eingleisig geworden ist, sind Fahrten quer durch die Republik zur Regel geworden. "An einem verlängerten Wochenende nach Berlin, das ist die Höchststrafe", sagt Bauch und macht sich darauf gefasst, "dass wir von einem Stau in den nächsten geraten. Hoffentlich sind wir keine zwölf Stunden unterwegs." Die Neusser Damen, die am Samstag um 15 Uhr zunächst beim THC Klipper in Hamburg antreten müssen, fahren deshalb erst heute Abend los: "Dann ist die Autobahn wenigstens halbwegs frei", hofft Trainer Simon Starck.

Gereist wird in gemieteten Kleinbussen. Um zu fliegen, fehlt dem Verein das Geld. "Und die Züge nach Berlin waren alle schon ausgebucht, als der Spielplan veröffentlicht wurde", sagt Bauch. Bleibt nur der Kleinbus. "Das ist jedenfalls komfortabler als mit dem Pkw", findet Starck, "da kann man wenigstens mal die Beine ausstrecken." Aufgrund der späten Abfahrt kann es auch schon mal vorkommen – so wie zuletzt in München – "dass der letzte Bus erst um ein Uhr morgens am Hotel ist. Aber weil wir samstags ja erst Nachmittags spielen, können wir ausschlafen", sagt der Trainer.

Das bevorstehende Wochenende hält für seine Schützlinge besondere Strapazen bereit: Heute Abend geht es nach Hamburg, das sind gut 450 Kilometer. Morgen vormittag besichtigen die Schwarz-Weißen die Platzanlage des THC Klipper, "die haben nämlich einen neuen Kunstrasen", sagt Starck. Zum Training ist die Zeit zu knapp, denn um 15 Uhr steht das Meisterschaftsspiel auf dem Plan. Danach geht es direkt weiter nach Berlin, macht noch mal 300 Kilometer. Spielbeginn hier ist um 12 Uhr, Die Rückfahrt am Sonntagabend darf noch mal mit rund 600 Kilometern veranschlagt werden. Macht alles in allem 1300 Autobahnkilometer, zwei Hotelübernachtungen und mindestens 15 Stunden im Kleinbus – und das alles für zwei Hockeyspiele.

Im Hockey, so scheint es, ist das alles ganz normal. Simon Strack jedenfalls findet das alles halb so schlimm: "So extrem sind ja nur drei Wochenenden pro Saison." Na dann.

(NGZ)
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