Handball : Ilpers Taktik gibt Rätsel auf

Der TV Korschenbroich steckt tief im Tabellenkeller der Zweiten Handball-Bundesliga fest. Nicht erst bei der 26:27-Niederlage gegen den SC Leipzig sorgten die taktischen Entscheidungen von Trainer Jörn Ilper für Kopfschütteln

Das war nicht das Wochenende des TV Korschenbroich: Während die Konkurrenz im Tabellenkeller der Zweiten Liga mit Ausnahme der HSG Düsseldorf (25:32 in Minden) doppelt punktete, verspielte der TVK bei seiner 26:27-Niederlage gegen SC DHfK Leipzig eine 14:9-Pausenführung.

Aus sechs Punkten, mit denen die TVK-Verantwortlichen in den drei Heimspielen gegen die vermeintlich direkten Konkurrenten aus Schwerin, Saarlouis und Leipzig gerechnet hatten, wurden so nur drei – zu wenig angesichts des Restprogramms, das auf die Korschenbroicher bis Weihnachten wartet. Die Niederlage gegen den Neuling, der seinen Vorschusslorbeeren in keiner Phase gerecht wurde, war dabei überflüssig wie ein Kropf. Denn der TVK wurde Opfer von taktischen Entscheidungen seines Trainers, die zumindest diskussions-, wenn nicht gar fragwürdig sind. Die Sperre Auf die Sperre für seinen etatmäßigen Halblinken Florian Korte reagiert Jörn Ilper, indem er seinen zweiten Mann für diese Position, Dennis Marquardt, in den rechten Rückraum beordert. Regisseur Simon Breuer muss stattdessen auf Halblinks ausweichen, Matthias Fuchs, der als Rechtshänder in der Vorwoche eine starke erste Halbzeit auf Halbrechts gespielt hatte, rückt in die Mitte. Die Linkshänder Pasqual Tovornik und Christoph Piske schmoren hingegen auf der Bank, wurden nicht einmal eingesetzt, als Rechtsaußen Robin Doetsch angeschlagen vom Feld humpelte. Stattdessen vertraute Ilper in dieser Phase Philipp Liesebach (20), der nur über Verbandsliga-Erfahrung verfügt. Das Selbstvertrauen Um sich auszumalen, was das für das Selbstvertrauen von Tovornik und Piske bedeutet, muss man nicht Psychologie studiert haben. Als Tovornik nach 38 Minuten eingewechselt wird, produziert er mehr Fehler als gelungene Aktionen, darunter zwei vorentscheidende Fehlpässe. Ilpers Begründung für den Wechsel: Marquardt habe sich selbst ausgewechselt, weil er "durch" gewesen sei. Erfahrene Trainer antizipieren so etwas und wechseln früher – dann, wenn ihr Team führt und nicht dann, wenn diese Führung gerade verspielt zu werden droht. Die Auszeit Ilper nahm seine Auszeit des zweiten Durchgangs nach 41 Minuten. Zwar hatte der TVK die 14:9-Pausenführung eingebüßt (16:15, 37.), sich dann aber wieder stabilisiert (18:16, 41.). Als die Partie dann wirklich "kippte" (24:24, 57.) stand ihm dieses taktische Mittel nicht mehr zur Verfügung. SCL-Trainer Uwe Jungandreas wartete mit seiner Auszeit bis 25 Sekunden vor Schluss. Die letzte Aktion Zwei Sekunden vor Schluss bekommt der TVK einen Freiwurf zugesprochen. Nicht viel Zeit, aber genügend, um einen Außen anzuspielen oder den Weg durch die Mitte zu suchen und wenigstens einen Siebenmeter herauszuholen – zumal Leipzig einen Mann weniger auf dem Feld hat. Der TVK-Trainer entscheidet sich dafür, den Freiwurf direkt ausführen zu lassen, wechselt Christoph Piske als siebten Feldspieler ein, der zuvor in zwei Heimspielen nicht eine Sekunde auf dem Parkett gestanden hat (siehe das Kapitel Selbstvertrauen) – dessen Freiwurf geht weit übers Tor. Fazit Der TV Korschenbroich ist auf dem Parkett nicht schlechter als eine Reihe anderer Klubs in der eingleisigen Zweiten Liga. Doch Handballspiele werden nicht nur dort, sondern vor allem auf der Bank gewonnen – oder verloren.

(NGZ)
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