Jüchen : Illumina: Wo Flammen tanzen

Tausende sind am Wochenende durch die Gärten von Schloss Dyck gestreift. Dort erlebten sie, wie Regisseur Wolfram Lenssen und seinem Team ein Spagat zwischen echter Leidenschaft und wohltuendem Kitsch gelingt.

In den Gärten von Schloss Dyck ist derzeit auf einem Blick zu sehen, was es braucht, um tausenden von Menschen einen wohligen Schauer über den Rücken zu jagen und für ein Kribbeln in den Bauch zu sorgen: Es braucht Dunkelheit und Licht, Feuer und Farben, Musik und ein Schloss samt Park.

Es braucht die "illumina". Bereits zum achten Mal verwandelt sich noch bis zum 11. September das Jüchener Schlossgelände in einen märchenhaften Lichterpark und lädt die Besucher zu einem Parcours der Emotionen durch den Englischen Landschaftsgarten bis zur Orangerie ein.

Im Mittelpunkt der geheimnisvollen Licht- und Klanginszenzierung der Firma "Forum InterArt" steht in diesem Jahr das Feuer als ein Synonym für die Liebe: Flammen, sprudelnd wie Fontänen, tanzen vor der Schlossfassade eine hinreißende Choreographie, ducken sich leise und zaghaft, bäumen sich stolz und kraftvoll auf. Sie flirten mit den Farben im Hintergrund, mit dem lebhaften Licht, welches durch computergestützte Technik im Einklang steht mit der variationsreichen Musik, die nebelartig schwadernd das Gelände durchdringt.

Das Finale am Schloss auf der Orangerie-Halbinsel, das sich im ruhigen, schwarzen Wasser spiegelt, lässt für einen Moment den Eindruck zu, man befinde sich in einem klassischen Gemälde. Am Samstagabend tat auch das launische Wetter den unzähligen Besuchern der "illumina" einen großen Gefallen, so dass Paare und Familien, ältere und jüngere Menschen es sich auf den Wiesen bequem machen konnten.

Andere streiften, bepackt mit Fotoapparaten und Kameras, durch den Parcours im Englischen Landschaftsgarten, durch die Finsternis einen mit Fackeln gesäumten Weg entlang, rechts und links Bäume und Büsche, überall ein herrliches Duftgemisch aus Sommer, Wald und Feuer. Es standen Besucher am knisternden Lagerfeuer und reisten zurück in ihre Kindheitserinnerungen, als sie noch Würstchen an Stöcken über Flammen geröstet haben.

Ein Stück weiter gerieten sie ins Grübeln, als ein geschicktes Lichterspiel an einem großen Baum dessen Lebenszyklus widerspiegelte oder monumentale Baumstämme eine Projektionsfläche für die Geschichte von Prometheus bildeten, der den Menschen das Feuer brachte und dafür hart bestraft wurde. Und wieder woanders wateten sie durch ein Meer an kleinen Lichttropfen, während aus dem Nichts unheilvoll und zugleich beruhigend eine Stimme verkündete: "Nichts ist, wie es scheint".

Zwischendurch blieben sie stehen, umarmten sich oder verharrten kurz, weil Dunkelheit und feurig rotes, gelbes, orangenes Licht wie kaum etwas anderes so richtig schön aufwühlend wirken können.

Mit der "illumina" haben Regisseur Wolfram Lenssen und sein Team ein Kunstwerk geschaffen, welches auf verblüffend einfache Art Natur und zeitgenössische Multimedia-Kultur zusammenbringt, welches große und kleine Menschen gleichermaßen begeistert und einen bravourösen Spagat zwischen echter Leidenschaft und wohltuendem Kitsch schafft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Entflammt"- Die Illumina 2011

(NGZ)