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Harry Pfeifer im Interview: "Ich werde als Wähler vorgeführt"

Harry Pfeifer im Interview : "Ich werde als Wähler vorgeführt"

Interview Harry Pfeifer, früherer stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, kann sich mit dem neuen schwarz-roten Bündnis im Korschenbroicher Stadtrat nicht anfreunden. Der Liedberger übt Kritik an den Verhandlungen und am Ergebnis.

Interview Harry Pfeifer, früherer stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, kann sich mit dem neuen schwarz-roten Bündnis im Korschenbroicher Stadtrat nicht anfreunden. Der Liedberger übt Kritik an den Verhandlungen und am Ergebnis.

Liedberg Über fünf Jahre gehörte er mit zur Führungsriege der CDU-Ratsfraktion. Als zweiter Stellvertreter neben Ansgar Heveling (37) und Peter Berger (38) galt Harry Pfeifer (60) zunächst als politisches Schwergewicht. Nicht nur der persönliche Wunsch, etwas mehr Freizeit für Privates zu haben, veranlasste ihn zum Rückzug aus der aktiven Politik. Die Enttäuschung war groß. Pfeifer konnte sich zuletzt mit der Fraktionsführung wenig anfreunden, noch konnte er Arbeitsinhalte und die Koalitionsvereinbarung mit der SPD nachvollziehen. Die NGZ sprach am Montag mit dem CDU-Mitglied Harry Pfeifer über die Entwicklung innerhalb der Korschenbroicher Union und über das schwarz-rote Bündnis im Rat der Stadt Korschenbroich.

Herr Pfeifer, Sie gehörten in der zurückliegenden Wahlperiode für fünf Jahre als zweiter Stellvertreter zur Fraktionsführung. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Harry Pfeifer Ich würde von Licht und Schatten sprechen. Ich durfte in der Zeit viele politische Erfahrungen sammeln, musste aber auch erfahren, dass mein Rat nicht immer gefragt war.

Warum?

Pfeifer Ich möchte das einfach so stehen lassen, damit niemand sagt: Ich trete nach.

Sie wurden speziell in der Rats- und Ausschussarbeit in diesem Jahr als stellvertretender Fraktionsvorsitzender immer stiller. Gab's für Sie einen Maulkorb?

Pfeifer Den gab's sicher nicht. Zudem hätte ich mir den auch nicht verpassen lassen.

War der Umgang innerhalb der Fraktion mit ein Grund dafür, nicht mehr als Ratsmitglied für die CDU zu kandidieren?

Pfeifer Nein. Für mich war es wichtig, eine Position, die ich auf Zeit besetzt hatte, jüngeren Leuten anzubieten.

Sie sind ein energischer Gegner von Schwarz-Rot im Stadtrat. Warum haben Sie dieses Bündnis nicht verhindert?

Pfeifer Ich konnte es nicht verhindern, weil mich keiner gefragt hat und ich auch über den Koalitionsverlauf nicht informiert worden bin. Ich wurde genauso — wie die meisten CDU-Wähler — aus der Zeitung informiert.

Konnten Sie wirklich nichts bewegen?

Pfeifer. Nein. Für mich galt es zunächst auch nichts in Frage zu stellen, weil ich in die Verhandlungen als Ausscheidender nicht mehr mit eingebunden wurde. Mir war nur bekannt, dass unter anderem mit der SPD, FDP und den Grünen gesprochen werden sollte. Ein formuliertes Ziel gab es nicht.

Wer hat denn die Verhandlungen geführt?

Pfeifer Das kann ich nicht zweifelsfrei beantworten. Zunächst war nur Ansgar Heveling unterwegs. Ob später weitere CDU-Mitglieder eingebunden wurden, ist mir nicht bekannt.

Ist denn so ein Alleingang bei derartigen Verhandlungen überhaupt möglich?

Pfeifer Zunächst spricht nichts dagegen, dass ein Fraktionsvorsitzender ein sondierendes Gespräch führt, um die Positionen der Gesprächsbereitschaft abzuklopfen. Allerdings weiß ich aus Gesprächen mit FDP und Grünen, dass sie die Substanz der Verhandlungen zu 2004 vermissten. Dass meine CDU-Stimme für die SPD im Ergebnis zweckentfremdet wird, macht mir schon Bauchschmerzen.

Wie ist denn generell die Reaktion in ihrem Umfeld auf Schwarz-Rot in Korschenbroich?

Pfeifer Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mehrfach sowohl von Mitgliedern und von CDU-Freunden angesprochen werde. Keiner dieser Anrufer oder Gesprächspartner hat sich in irgendeiner Form positiv zu dieser Rats-Kooperation geäußert. Im Gegenteil. Die Wortbeiträge sind vernichtend. Man kann eben nicht verstehen, dass eine Partei mit einem desaströsen Wahlergebnis, denen die Wähler in Scharen davongelaufen sind, dass man dieser Partei den Steigbügel zur Macht reicht.

Kommt Ihre Kritik nicht viel zu spät?

Pfeifer Natürlich. Aber wie hätte sie früher kommen können? Ich hatte und habe keine Möglichkeiten mehr, etwas zu stoppen, wenn das Ergebnis schon längst in der Zeitung steht. Ich werde als Wähler dieser Partei einfach vorgeführt.

Was werden Sie nun tun?

Pfeifer Ich werde weiterhin die Partei als Mitglied kritisch begleiten.

(RP)