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HTC SW Neuss: Pokalrunde mit Hockeyfest als Gegenentwurf zur Absage

Pokalrunde : Hockeyfest als Gegenentwurf zur Saisonabsage

Auch wenn es letztlich nicht zum Sieg reichte, die von den Neussern gemeinsam mit den Hockey-Zweitligisten DHC Hannover und DSD Düsseldorf aufgelegte Pokalrunde war ein Hit. Seine Heimspiele bestritt der HTC vor voller Hütte.

Jeweils rund 300 Zuschauer sahen die beiden Heimspiele des Hockey-Zweitligisten HTC SW Neuss in der (inoffiziellen) Pokalrunde gegen den DSD Düsseldorf (2:0) und den DHC Hannover (2:1). Dass am Ende alle Mannschaften sechs Punkte auf ihrem Konto hatten und die mehr geschossenen Tore über den Gewinner der ausgelobten Siegprämie von 1500 Euro entschieden (Hannover 8:7 vor Neuss 7:6), war nur das Sahnehäubchen auf dem kleinen, aber sehr feinen Turnier. Umso mehr bedauert HTC-Teammanager Stephan Busse die coronabedingte Absage der Zweitliga-Saison Ende April. „Man mag sich kaum vorstellen, was auf der Anlage los gewesen wäre, wenn wir hier in der Aufstiegsrunde gegen den Düsseldorfer HC gespielt hätten.“  

Gold wert für den Entwicklungsprozess seiner jungen Mannschaft war für Trainer Matthias Gräber aber auf jeden Fall die selbstverschuldete Drucksituation. Um im Kampf um Platz eins im Rennen zu bleiben, waren nach den beiden Niederlagen zum Auftakt unbedingt zwei Heimsiege nötig gewesen. Genau in diese Lage könnte die von Jan Mausberg, Ivo Otto und Mario Stümpel angeführte Truppe auch in der wahrscheinlich knüppelharten neuen Saison kommen. Dann gehen im Norden nämlich zusätzlich nicht nur die beiden Erstliga-Absteiger Crefelder HTC und Großflottbeker THGC an den Start, sondern womöglich doch noch ein Aufsteiger aus der Regionalliga West. Zwar hatte der Spielordnungsauschuss (SOA) auf Empfehlung der eingesetzten Task-Force entschieden, wegen des monatelangen Lockdowns sowohl auf den Abstieg in als auch auf den Aufstieg aus der Regionalliga zu verzichten, doch da spielte der schließlich sportlich ermittelte West-Meister Bonner THV nicht mit. Sollte der Klub aus der ehemaligen Bundeshauptstadt mit seinem Einspruch durchkommen, bestünde die 2. Herren-Bundesliga Nord aus zwölf Teams – nämlich den Erstliga-Absteigern Krefeld und Flottbek sowie Neuss, BW Köln, Gladbacher HTC, DSD Düsseldorf, SW Köln, Marienburger SC, Klipper THC Hamburg, DHC Hannover, THK Rissen und Bonn. Da die Gruppe am Ende der Saison 2021/2022 wieder auf die Sollstärke von zehn Mannschaften zurückzuführen ist, könnten es im ungünstigsten Fall gleich vier Absteiger geben.

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Und für diesen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb würde Busse den talentierten, aber ergreifend unerfahrenen Kader gerne besser rüsten. „Drei bis vier Leute brauchen wir noch“, sagt er. Die könnten auch aus dem befreundeten Ausland kommen, etwa der in Neuss sowohl auf dem Feld als auch in der Halle schon mit einigem Erfolg eingesetzte Pole Jacek Kurowski. Ein Argentinier steht ebenfalls auf Busses Kandidatenliste. Ein Mann für die nach dem Karriere-Ende von Ex-Weltmeister Sebastian Draguhn vakante Stelle des Eckenschützen.

Dass er in fast allen Bereichen noch Defizite ausgemacht hat, ist für Gräber indes keine Überraschung. „Viele unserer neuen Spieler haben selbst die Regionalliga noch nicht gesehen, die kommen aus der Oberliga.“ Daraus gestandene Zweitliga-Akteure zu machen, ist nun seine vorrangige Aufgabe. „Aber gerade das macht ja auch Spaß“, sagt der Coach, der für alle nur der „Schwatte“ ist. „Die Jungs wollen, die kämpfen sich in jedem Spiel aus dem Hemd.“      

Die Partie gegen Hannover war dafür ein gutes Beispiel. Klar, Gräber bemängelte nicht zum ersten Mal die fehlende Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Gehäuse. Doch der Geist im Team stimmt. Nach dem Neusser Führungstreffer von Finn Langheinrich und dem ebenfalls noch im ersten Viertel hergestellten Ausgleich von Felix Waffenschmidt übernahmen die Gastgeber trotz brütender Hitze die Regie, waren in der Abwehr indes nichts sattelfest und mussten sich des Öfteren auf die Klasse von Torhüter Konstantin Hayner verlassen.

Aber der Glaube an den erfolgreichen Ausgang der Mission hielt bis zur letzten Spielsekunde. Da staubte Cedric Heimbach nach einer harten Hereingabe von Carsten Merge, der zusätzlich zu seinen vielen Jobs im HTC nun auch noch einen Fanshop aufgebaut hat, zum 2:1-Siegtreffer ab. Schade nur, dass der Torschütze wohl fehlen wird, wenn die 2. Liga am 4./5. September ihren Spielbetrieb aufnimmt. Der filigrane Stürmer treibt nach abgeschlossenem Studium der Zahnmedizin im etwas mehr als 130 Autokilometer von Neuss entfernten Münster seine berufliche Karriere voran und steht damit für mindestens zwei Jahre höchstens noch sporadisch zur Verfügung. Darum ist es doppelt gut, dass der gefühlt schon immer an der Jahnstraße tätige Pakistaner Abbas Haider für eine weitere Saison zurückkehren wird.