Hallenhockey-Bundesliga Die Besten im Westen kommen aus Neuss

Neuss · Nach dem zweiten Wochenende ohne Niederlage steht der HTC Schwarz-Weiß da, wo ihn wohl selbst die größten Optimisten niemals erwartet hätten: Auf Platz eins der Hallenhockey-Bundesliga West – als einziges noch ungeschlagenes Team.

„Vier gegen Basti.“ Vor allem mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen Blau-Weiß Köln verzauberte der Neusser Sebastian Draguhn das Publikum in der Stadionhalle.

„Vier gegen Basti.“ Vor allem mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen Blau-Weiß Köln verzauberte der Neusser Sebastian Draguhn das Publikum in der Stadionhalle.

Foto: Michael Ritters

Vor dem zweiten Duell des Doppelspieltages am Sonntagabend in heimischer Stadionhalle mit dem punktlosen Schlusslicht Blau-Weiß Köln hatte Matthias Gräber seine Jungs eindringlich gewarnt. „Das ist die schwerste Aufgabe der Saison“, stellte der Trainer des so gut in diese Spielzeit der Hallenhockey-Bundesliga West gestarteten HTC SW Neuss fest. Der eigene starke Auftritt am Freitag in Krefeld (6:6), die Klatsche des Aufsteigers aus der Domstadt am Samstag in Düsseldorf (4:13) und die große Chance, schon mit einem Unentschieden die Tabellenführung zu übernehmen, schien die Gastgeber beim hart erkämpften 7:4-Heimsieg (Halbzeit 2:2) tatsächlich eher zu lähmen als zu beflügeln.

Ohne den nach seiner Ampelkarte in Krefeld für eine Partie gesperrten Vitali Shevchuk fanden sie in der ersten Hälfte überhaupt nicht ins Spiel. Sie gerieten sogar in Rückstand. Der von Max Weiher mit einem harten Pass mitten durch die Neusser Abwehr angespielte Joshua Delarber schlug in der vierten Minute eiskalt zu. Dass Philipp Weide (7.) und Sebastian Draguhn (19.) die äußerst zähe Angelegenheit mit ihren Treffern zum 2:1 bereicherten, brachte keine Besserung. Im Gegenteil: Draguhn hämmerte den Ball bei der zweiten Strafecke an den Pfosten und wiederum Delarber nutzte den vierten Standard der konzentriert zu Werke gehenden Kölner kurz vor dem Halbzeitpfiff zum nicht unverdienten Ausgleich.

Und auch nach Wiederbeginn war Geduld gefragt. So schön anzusehen der von Kapitän Jan Mausberg vorbereitete Treffer zum 3:2 durch Krystian Sudol (32.) auch war, abermals Delarber stellte die Chose fast im Gegenzug mit seinem sicher zum 3:3 verwandelten Siebenmeter wieder auf null.

Für die Gastgeber sprach, dass sie nie den Kopf verloren. Finn LangHeinrich setzte mit seinem Tor zum 4:3 (39.) den nächsten Stich, sogar in Unterzahl erhöhte der von Tim Hirt mustergültig bediente Philipp Weide auf 5:3 (51.) und der bärenstarke Krystian Sudol, für HTC-Teammanager Stephan Busse „der beste Mann auf dem Platz“, schickte per Strafecke das eigentlich beruhigende 6:3 (54.) hinterher. Und doch hätte die Sache auch noch schiefgehen können. Teufelskerl Joshua Delarber verkürzte nämlich mit der fünften Strafecke auf 4:6 (56.) und hatte kurz darauf noch zwei weitere, diesmal aber erfolglose Versuche, um für mehr Drama zu sorgen. „Hätte er getroffen, wäre Holland in Not gewesen“, räumte Busse ehrlich ein. Blau-Weiß ersetzte unverdrossen den Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler, fing sich jedoch 35 Sekunden vor Schluss den siebten Treffer durch Draguhns locker verwandelte Strafecke.

Bereits am Freitag hatten sich die Neusser mit dem 6:6 (1:1) in der Glockenspitzhalle beim allerdings am Sonntag in Mülheim gestutzten Topfavoriten Crefelder HTC in Stimmung gebracht. Die Phase des vorsichtigen Abtastens nahm indes die komplette erste Hälfte ein. In der brachte Christian von Ehren die Gastgeber früh in Führung (6.), Philipp Weide (23.) glich für Neuss per Siebenmeter aus. Damit war er erfolgreicher als der Krefelder Lucas Bachmann, der vom Punkt am extra eingewechselten Goalie Gero Berndt scheiterte (15.).

Bedeutend mehr los war erst nach dem Seitenwechsel. Bachmann eröffnete das dritte Viertel mit dem 2:1 für den CHTC, doch Sebastian Draguhn traf im Doppelpack zum 3:2 für die Schwarz-Weißen. Noch in diesem Abschnitt sorgte der ebenfalls zweimal erfolgreiche Jonathan Ehling für die abermalige Führung der Seidenstädter, die nach weiteren Treffern von Anton Boomes und Christian von Ehren zum 6:3 (45.) schon wie die sicheren Sieger aussahen. Die Mannen aus der Quirinusstadt, jetzt permanent mit dem gut beschäftigten Gero Berndt für Konstantin Hayner im Kasten, wussten freilich zu kontern: Strafecken von Sebastian Draguhn (47.) und Finn LangHeinrich (58.) saßen zum 5:6, 1:15 Minute vor Schluss glich Vitali Shevchuk, der kurz darauf mit der Gelb-Roten Karte (mehrfaches Spielen des Balles ins „liegende Brett“ eines Gegenspielers) vom Feld musste, zum 6:6-Endstand aus.

Für Gräber ein unbedingt gerechtes Ergebnis: „Ich bin ganz ehrlich, es ist jetzt nicht so, dass die eine Klasse besser waren als wir. Der Klassenunterschied auf dem Feld war nicht auszumachen. Aber wenn du mit drei Toren zurückliegst, bist du zufrieden, wenn du nach hinten raus das Unentschieden mitnimmst.“ Für Busse ist nach diesem für die Schwarz-Weißen fast perfekt gelaufenen Doppelspieltag schon mal eine Entscheidung gefallen: „Das war auf jeden Fall der Klassenerhalt – und das ist ja das Hauptziel. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Blau-Weiß Köln noch zehn Punkte holt.“

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