Hallenhockey-Bundesliga Klassenverbleib perfekt, jetzt ist träumen erlaubt

Neuss · Mit dem 7:4-Sieg beim DSD Düsseldorf löst Schwarz-Weiß Neuss das Ticket für ein weiteres Jahr im Oberhaus. Nun sind sogar die Play-offs drin.

Geht da sogar noch mehr? Nach dem 7:4-Erfolg in Düsseldorf ist der HTC wieder Tabellendritter und könnte nun sogar aus eigener Kraft in die Play-offs einziehen. Am Freitag kommt der Düsseldorfer HC in die Stadionhalle.

Geht da sogar noch mehr? Nach dem 7:4-Erfolg in Düsseldorf ist der HTC wieder Tabellendritter und könnte nun sogar aus eigener Kraft in die Play-offs einziehen. Am Freitag kommt der Düsseldorfer HC in die Stadionhalle.

Foto: Andreas Woitschützke

Bevor die mit Euphorie vollgepackte schwarz-weiße Rakete von „Cape Düsseldorf“ aus die Erdumlaufbahn verließ, nahm sich Matthias Gräber die Zeit, um die Bedeutung des Augenblicks ins rechte Licht zu rücken. Noch in Sichtweite der vom Hockey spielenden Personal des gastgebenden Deutschen Sportklubs Düsseldorf ohne störende Bescheidenheit als Rückert-Dome bezeichneten Sporthalle in Rath stellte der Trainer des Hallenhockey-Bundesligisten HTC SW Neuss gewohnt nüchtern fest: „Das Hauptziel haben wir geschafft. Und es hätte doch niemals irgendwer gesagt, dass wir nach sieben Spielen mit zwölf Punkten auf Platz drei stehen.“   

Auch wenn das der mit 4:7 (Halbzeit 3:3) unterlegene Rivale von der anderen Rheinseite ganz sicher anders sieht, fand der Neusser Trainer, „dass wir zu Recht gewonnen haben. Wir haben unsere Chancen eben eiskalt genutzt.“ Die Hausherren, die am Vortag in Mülheim durch Malte Hellwig zwei Sekunden vor Schluss den Treffer zur 4:5-Niederlage kassiert hatten, stiegen derweil äußerst fahrig ins Match ein. Neuss stand zwar tief, war im ersten Viertel aber deutlich gefährlicher: Kapitän Jan Mausberg scheiterte noch an DSD-Goalie Jonas Weißner (4.), doch Finn LangHeinrich war direkt bei der ersten Strafecke zum 1:0 (8.) zur Stelle. Den zweiten Treffer schenkten die Düsseldorfer sogar in fahrlässiger Manier her: Nach einem Wechselfehler nagelte Shevcuck die fällige Strafecke an den Pfosten (12.), die Landeshauptstädter wussten die Situation indes nicht zu entschärfen und fingen sich prompt die nächste Ecke. Und die nutzte Shevcuck zum 2:0 (13.).

Im zweiten Viertel griffen die Düsseldorfer früher an. Das brachte den HTC in große Nöte, so dass der famose Konstantin Hayner im Neusser Kasten immer mehr in den Mittelpunkt des Geschehens rückte. Im gegnerischen Schusskreis tauchten seine nun viel zu passiven Teamkollegen kaum noch auf. Trotzdem reichte es noch zum dritten Treffer. Nach einer von Krystian Sudol verpassten Großchance bugsierte Tim Hirt (21.) die Kugel entschlossen über die Linie. Der Rest des zweiten Abschnitts gehörte allerdings den Gastgebern, die durch Treffer von Lukas Muth (23.) nach einer wunderschönen Konterattacke, Daniele Cioli (25.), der die sanft entschlummerte Abwehr in Torjägermanier bestrafte, und Ben Marquardsen (30.), der bei schon abgelaufener Spielzeit mit der dritten Strafecke erfolgreich war, sehr verdient zum 3:3 ausglichen. Den Verlust des so unverhofft eingebrachten Vorsprungs steckten die Gäste freilich extrem lässig weg. Sie antworteten nach Wiederbeginn mit einem Blitzstart: Wiederum Shevcuck (32.) murmelte den Ball mit Glück und Geschick zum 4:3 ins Netz und keine 30 Sekunden später erhöhte Mausberg (33.) bei seinem energischen Vorstoß auf 5:3.

Als Hayner kurz darauf den von Marquardsen (35.) ausgeführten Siebenmeter an die Latte lenkte und Sudol (38.) mit seinem Geniestreich zum 6:3 den alten Drei-Tore-Abstand wieder herstellte, schien der den Klassenverbleib bringende Sieg schon so gut wie im Sack. Dummerweise aber ließ der HTC fünf Sekunden vor Ende dieses Abschnitts die siebte Strafecke zu, die Marquardsen im zweiten Versuch mit dem Treffer zum 4:6-Anschluss abschloss. Für die letzten 15 Minuten ging DSD-Trainer Tobias Bergmann all-in, opferte seinen Torhüter zugunsten des sechsten Feldspielers. Gut möglich, dass der Plan aufgegangen wäre, wenn Hayner (49.) nicht die neunte Strafecke des Neulings entschärft hätte.

So aber verpuffte die Aktion zusehends. Die Gäste wussten sich in der Schlussphase immer häufiger aus der Umklammerung zu befreien. Die vierte Ecke von Finn LangHeinrich (55.) vermochte Düsseldorf nur noch regelwidrig abzuwehren, den fälligen Siebenmeter setzte Philipp Weide gewohnt sicher zum 7:4 ins Eck. Dieser Treffer brach dem weiter punktlosen Schlusslicht das Genick. Und weil sich zuvor der Crefelder HTC und Uhlenhorst Mülheim 6:6-Unentschieden getrennt hatten, rückte Neuss wieder auf Rang drei vor – nur einen Punkt hinter Mülheim auf dem ersten Play-off-Platz. Ein Traum!


Das Spiel am Samstag: RW Köln geht ohne Torhüter auf Torejagd. Gegen diese Klasse ist kein Kraut gewachsen. Ob es im Wissen um die eigene Überlegenheit tatsächlich nötig ist, gut 50 Minuten auf den Torhüter zu verzichten und dem von Beginn an chancenlosen Kontrahenten mit einem zusätzlichen Feldspieler zu Leibe zu rücken, sei mal dahingestellt, doch das beschäftigte Matthias Gräber nach der 7:16-Niederlage (Halbzeit 3:5) des von ihm trainierten Hallenhockey-Bundesligisten HTC SW Neuss zum Rückrundenstart am Samstag gegen RW Köln nicht wirklich. „Köln ist eine Klasse besser als alle Westteams“, stellte er nüchtern fest: „Die haben eine Passqualität wie keiner in dieser Liga. Es war ja von vorneherein klar, dass wir die Sterne vom Himmel spielen und die einen rabenschwarzen Tag erwischen müssten, wenn hier was gehen sollte.“

Bis zum Tor zum 3:7 (35.) von Maximilian Siegburg waren die Gastgeber in der wiederum prächtig gefüllten Stadionhalle sogar noch ganz gut im Spiel, setzten mit Treffern von Philipp Weide (1:1/5.), Vitalie Shevchuk (2:5/24.) und Bartosz Zaworski (3:5/30.) feine Nadelstiche. Doch dann musste Torwart Konstantin Hayner nach einem  „Volltreffer“ in den Unterleib lange raus. Und da auch sein Ersatzmann Moritz Küster mit einer Oberschenkelzerrung ausfiel, spielten bis zur Rückkehr des Neusser Goalies beide Teams mit sechs Akteuren im Feld. Das nutzten die spielerisch deutlich überlegenen Gäste, um auf 16:6 (55.) davonzuziehen. Bester Torschütze war Elian Mazkour, der mit sieben Toren seine Saisonausbeute auf 24 Treffer (!) ausbaute. Für Neuss trafen außerdem noch Weide (4:12/46., 5:12/47.; 7:16/59.) und Shevchuk (6:14/53.).

Angesichts der eindeutigen Kräfteverhältnisse ersparte sich Gräber tiefgreifende Spielanalysen. Sein Fazit: „Wir waren schlecht, Köln auf jeden Fall um diese neun Tore besser. Aber wir konnten uns einige Sachen abgucken – und gut is ..!“

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