Hockey : HTC gibt Sieg aus der Hand

2:0 und 4:2 führten die Neusser Hockeydamen in ihrem ersten Heimspiel gegen den von Fanny Rinne gelenkten Aufsteiger TSV Mannheim, am Ende jubelten jedoch die Gäste über den 4:4-Ausgleich in letzter Sekunde

Erst hatte es ihm die Sprache verschlagen, dann machte Simon Starck seinem Herzen mit einem Fluch Luft: "Das war einfach sch...dämlich". Treffender als mit des Trainers Worten kann man den ersten Heimauftritt der schwarz-weißen Hockeydamen in ihrer zweiten Bundesliga-Saison kaum zusammenfassen. Denn wie sie gegen den TSV Mannheim zwei Mal eine Zwei-Tore-Führung verspielten und am Ende gegen den trotz einer Fanny Rinne eher biederen Aufsteiger mit einem 4:4 (Halbzeit 2:0) zufrieden sein mussten, kam einer Vorstellung aus dem Hockey-Lehrbuch gleich. Allerdings unter der Überschrift: "Wie man/frau es tunlichst nicht machen sollte...."

Denn spielerisch waren die Schwarz-Weißen klar überlegen. Da wurde munter kombiniert und dabei auch das Toreschießen nicht vergessen: Erst durch Lena Andersch (16.) nach kurzer Ecke, dann durch Katja Plauk (23.), Wenn es vor der Pause überhaupt etwas zu bemängeln gab am Auftritt der Schwarz-Weißen, dann höchstens, dass sie zur Halbzeit noch höher hätten führen müssen.

So kam es, wie es in solchen Fällen meistens kommt: Nur zehn Minuten nach Wiederbeginn hieß es nach Treffern von Laura Kandt (38.) und Julia Peter (44.) 2:2. "Diese Phase haben wir völlig verpennt", schimpfte Simon Starck, "keine Ahnung warum, vielleicht haben wir uns zu sicher gefühlt." Wer weiß, welche Wendung die Partie genommen hätte, hätte Luisa Steindor nicht sechzig Sekunden nach dem Ausgleich Neuss erneut in Führung gebracht. Sie schloss einen kraftvollen Sololauf von Sarah Sprink fast übers ganze Spielfeld erfolgreich ab und befreite damit die Gastgeberinnen aus ihrer Lethargie. Die Führung verdienten sich die Schwarz-Weißen in der Folgezeit, denn sie ließen die Mannheimerinnen fortan kaum noch zur Entfaltung kommen. Das einzige Manko kannten die (zu) wenigen Zuschauer bereits aus Durchgang eins – das Toreschießen. Das 4:2 durch Sarah Sprink im Anschluss an die sechste kurze Ecke nach gut einer Stunde wirkte da wie eine Erlösung. Dummerweise werden das auch die schwarz-weißen Spielerinnen so empfunden haben, denn in den letzten zehn Minuten der zweiten Halbzeit wirkten sie ähnlich konfus wie in den ersten zehn.

Mannheim kam so eher durch Neusser Unvermögen als durch eine spielerische Steigerung zu Tormöglichkeiten; die erste vereitelte Caro Bunge noch mit einer starken Parade, beim das 3:4 von Laura Keibel und dem 4:4 durch Laura Kandt sah sie nicht gut aus. Vielleicht war es sogar gut, dass die Unparteiischen Gabriele Schmitz und Michelle Meister (Köln/Berlin) die Partie danach erst gar nicht wieder anpfiffen – so konsterniert, wie die Neusserinnen waren, hätten sie sich wahrscheilich noch eine Niederlage eingefangen. Auch Simon Starck brauchte lange, ehe er Worte fand – dann aber die richtigen.

(NGZ)