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Holzheimer SG schlägt im Landesliga-Derby den SC Kapellen mit 3:0.

Fußball : Mit heißem Herzen, aber kühlem Kopf

Die Holzheimer SG schlägt im Derby der Fußball-Landesliga den dezimierten SC Kapellen mit 3:0. Maurice Girke trifft zwei Mal.

Die Bilanz war verheerend für die Holzheimer SG: Seit dem Aufstieg in die Fußball-Landesliga 2018 gingen bis Sonntag alle Duelle mit dem großen Nachbarn SC Kapellen verloren: 0:4 und 1:4 im ersten gemeinsamen Jahr auf diesem Niveau, 1:2 im Hinspiel der laufenden Saison. Auch im Kreispokal-Viertelfinale der Spielzeit 2018/2019 hatte die HSG keine Chance und unterlag mit 2:5. Doch im fünften Anlauf schlug der Außenseiter in beeindruckender Manier zurück, kombinierte sich im Jupp-Breuer-Stadion noch zu einem überzeugenden 3:0-Erfolg (Halbzeit 0:0).

Nach einem emotionalen Einstieg in das Lokalderby – als moralische Unterstützung für den trotz eines Schicksalsschlags im Kapellener Kasten stehenden Ex-Holzheimers Nico Bayer hatten sich die Mannschaften für ein gemeinsames Foto auf dem Platz getroffen – herrschte trotz Sturmtief „Victoria“ erstmal Flaute. Die erste Hälfte zog fast ereignislos vorüber. Und doch war für HSG-Trainer Hamid Derakshan schon mit der Gelben Karte für Kapellens Marc Paul wegen Meckerns klar, „dass wir dieses Spiel nur mit Pech nicht gewinnen würden.“ Auch Stephan Wanneck handelte sich eine Verwarnung ein. Spätestens da wusste Derakhshan, dass es um das Nervenkostüm der Gastgeber nicht zum Besten bestellt war.

Dass Marc Paul dann in der 55. Minute tatsächlich mit der Ampelkarte das Feld räumen musste, lastete SCK-Trainer Jörg Ferber allerdings dem ansonsten wohltuend unaufgeregt agierenden Unparteiischen Jan Oberdörster an. „Das war war nie und nimmer ein Foul, er hat klar den Ball gespielt.“ Und er fügte angefressen hinzu: „Ich will dem Schiedsrichter nicht die Schuld an unserer Niederlage geben, aber diese Fehlentscheidung hat das Spiel entschieden.“ Eine Aussage, die Derakshan indes nicht unterschreiben mochte. Für ihn waren die nun folgenden Tore nur das Ergebnis einer klugen Vorbereitung: „Wir wussten immer genau, was Kapellen macht. Es spricht für die Mannschaft, dass sie die Vorgaben genau umgesetzt hat. Und dafür habe ich mich hinterher auch bei ihr bedankt.“

In Unterzahl hätten die Gastgeber, den Kopf aber noch aus der Schlinge ziehen können. Dennis Schreuers hielt nach einer Hereingabe von Yannik Ebert sofort drauf, fand aber in Torhüter Tobias Schriddels seinen Meister (64.). Bitter, denn kurz darauf schlug die HSG unerbittlich zu: In Höhe der Mittellinie verlor Lennart Ingmann, nach langer Spielpause gerade erst für den ebenfalls „Gelb-Rot“-gefährdeten Stephan Wanneck eingewechselt, das Leder. Eine unfreiwillige Einladung, auf die Maurice Girke nur gewartet hatte. Der einst auch für den SCK tätige Goalgetter behielt nach trockenem Springt im 1:1-Duell mit Bayer die Nerven und nagelte die Kugel ins Netz (68.). Kapellen wirkte angeknockt, ließ eine weitere Großchance des überraschend nur von der Bank gekommenen Shohei Yamashita zu (69.). Aufgeschoben war für die hochkonzentrierten Gäste freilich nicht aufgehoben: Wiederum nur drei Minuten später fand Tom Nilgen mit einem Freistoß über mehr als 50 Meter den im Kapellener Strafraum postierten Timo Arvanitidis. Der leitetete das Leder sofort weiter auf Girke, der in vollem Tempo die Chuzpe besaß, auch noch Bayer auszutanzen und gelassen zum 2:0 zu vollenden.

Damit war das Derby entschieden, doch die HSG hatte noch nicht genug. Der fleißige Damian Kaluza nutzte eine Konterattacke sogar noch zum 3:0 (79.) und machte damit den zweiten Sieg im zweiten Pflichtspiel unter dem in der Winterpause aus Hamburg nach Neuss gewechselten Coach perfekt. Der richtete sich nach dem Match schon mal auf eine fröhliche Karnevalssause ein – mit dem Versprechen: „Hier entwickelt sich was.“ Anders sieht das in Kapellen aus, wo Ferber in seiner Funktion als Sportlicher Leiter die Rückkehr von Friedhelm „Juppi“ Schmitz als sein Nachfolger auf dem Trainerstuhl nicht bestätigen wollte. „Er hilft uns, das stimmt. Aber er ist nur einer von vielen Kandidaten.“