Holzheimer SG bringt den SC Kapellen im Lokalderby in arge Bedrängnis

Fußball : Holzheim bringt Kapellen in Bedrängnis

Vor offiziell dann doch nur 250 Zuschauern müht sich der SCK im einzigen Kreisduell der Landesliga zu einem 2:1-Sieg bei der HSG.

Was wäre möglich gewesen, wenn ...? Diese Frage stellte sich Guido van Schewick nach der 1:2-Niederlage (Halbzeit 0:2) der von ihm nach seiner Rückkehr aus Uedesheim im fünften Jahr trainierten Holzheimer SG im Lokalduell der Fußball-Landesliga gegen den turmhoch favorisierten SC Kapellen.

Wenn zum Beispiel der bei Freistößen, ja eigentlich bei allen Standardsituationen unwiderstehliche Tom Nilgen auf dem Platz gestanden hätte. Der „Meister des ruhenden Balles“ hätte mindestens eine der überraschend vielen Chancen zu einem Treffer genutzt, gab selbst Kapellens Sportlicher Leiter Jörg Ferber zu. Oder wenn der in diesem Sommer nach Kapellen gewechselte Goalgetter Yannick Joosten in diesem Match das Trikot der HSG getragen hätte. „Dann wären wir wohl mit einem Punkt ins Schützenfest gegangen“, durfte van Schewick unwidersprochen feststellen.

Im vierten Anlauf seit dem Aufstieg in die Landesliga waren die Hausherren vor der etwas enttäuschenden Kulisse von 250 Zuschauern so nah dran wie nie am ersten Erfolgserlebnis gegen den übermächtigen Nachbarn. Und das überraschte, schien der SCK doch nach der ersten Hälfte schon durch. Ohne wirklich zu überzeugen, stellten die Schützlinge von Trainer Oliver Seibert die Weichen mit zwei herausragenden Attacken auf Sieg: In der 24. Minute nahm Alexander Hauptmann einen gestochen scharfen Pass von Janik Röber in die Spitze auf und wurde von Holzheims in dieser Szene ungeschicktem, ansonsten aber gutem Keeper Tobias Schriddels umgerempelt. Den auch für van Schewick berechtigten Foulelfmeter verwandelte Robert Wilschrey sicher.

Das 2:0 von Alexander Hauptmann nur sechs Minuten später war das Ergebnis einer einstudierten Kombination mit Manu Ioannidis als letztem Passgeber. Als eine Dublette dieses Angriffs kurz darauf fast zum dritten Tor geführt hätte, schwante dem Holzheimer Anhang, der an dieser Stelle vor ziemlich genau einem Jahr eine 1:6-Niederlage des damaligen Neulings erlebt hatte, Böses. Doch anstatt sich den angeknockten Lokalrivalen in aller Ruhe zurechtzulegen, verlor der SCK nach dem Seitenwechsel seine Konzentration, kam sein Offensivspiel nahezu komplett zum Erliegen. „Wir hatten unsere Möglichkeiten, haben aber immer wieder die falsche Entscheidung getroffen“, monierte Seibert. Ferber sprach Klartext: „Unsere zweite Hälfte war schlecht, da brauchen wir gar nicht drumherum reden.“

Die in dieser Saison noch sieglosen Hausherren übernahmen die Kontrolle über das Derby – und das vor allem mit spielerischen Mitteln. Dumm nur: Wie schon in den drei vorangegangenen Partien verpassten sie es, daraus Kapital zu schlagen. Denn Gelegenheiten, die Wende herbeizuführen, gab es genug: Fabio Dittrich hätte in der 63. Minute unbedingt treffen müssen, fand aber alleine vor dem Tor in seinem ehemaligen Teamkollegen Nico Bayer seinen Meister. Wenig später vergab er noch mal aus günstiger Position (65.) und auch der fleißige, aber unglückliche Dennis Brune drosch die Kugel aus rund 20 Metern in den dunklen Abendhimmel (70.). Erst ein von Maurice Girke genutzter Foulelfmeter saß, doch danach blieb den verzweifelten Holzheimern nur noch die dreiminütige Nachspielzeit. In die packte die HSG den letzten vergeblichen Anlauf durch Kapitän Oliver Esser.

Trotzdem überwogen für seinen Coach die positiven Erkenntnisse: „Klar, unterm Strich steht wieder die Null, aber die Leistung stimmt mich zuversichtlich, dass wir hier schon bald wieder bessere Zeiten erleben werden. Wir müssen Geduld haben.“ Das gilt auch für Kapellen. „Auf uns wartet noch viel Arbeit“, kündigte Ferber an.

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