Lokalsport: Hoffnungsträger von der Bank

Lokalsport: Hoffnungsträger von der Bank

Vor zwei Jahren galt Denis Zakharov als kommender Mann im rechten Rückraum. Dann rissen bei dem russischen Linkshänder nacheinander Achillessehne und Kreuzband. Jetzt will er in Dormagen wieder den Anschluss finden.

Nein, vom Glück verfolgt war Denis Zakharov nun wirklich nicht in den vergangenen Jahren. Einst galt der Mann aus Sankt Petersburg als eines der größten europäischen Talente im rechten Rückraum, als Hoffnungsträger der russischen Handball-Nationalmannschaft auf der "Königsposition".

Dann blieb er bei Newa Sankt Petersburg statt wie erwünscht zu Serienmeister Medwedi Tschechow zu wechseln.

Nationaltrainer Wladimir Maximow, gleichzeitig Vereinstrainer bei Medwedi, schob den Linkshänder daraufhin aufs Abstellgleis - und Zakharov, damals 21 Jahre alt, heuerte im Februar 2006 beim VfL Gummersbach an.

Dort sollte er am Ende der Spielzeit 2006/07 die Nachfolge des zum HSV Hamburg wechselnden Superstars Kyung Shin Yoon antreten.

Doch ein Riss der Achillessehne zwang ihn zum Zuschauen. Kaum wieder genesen, zog er sich am 9. Februar 2007 gleich beim ersten (Wieder-) Einsatz einen Kreuzbandriss zu. Jetzt wagt Denis Zakharov einen Neubeginn - beim TSV Bayer Dormagen.

"Ich begrüße die Verpflichtung sehr", sagt Trainer Kai Wandschneider über den Zugang des 24-Jährigen, der die Lücke schließen soll, die Adrian Pfahl durch seinen Wechsel zum VfL Gummersbach hinterlässt. Zu jenem Klub, bei dem Zakharov zwei Jahre unter Vertrag stand, aber kaum spielte.

"Ein Ringtausch ist das nicht", stellt Wandschneider klar. Er hatte den Russen gleich auf seiner Liste, nachdem Pfahl gekündigt hatte. Trotzdem nahm der TSV noch weitere Kandidaten für den rechten Rückraum unter die Lupe, darunter nach NGZ-Informationen einen Franzosen und einen Litauer.

"Denis hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen", weiß Wandschneider über ein zweitägiges Probetraining zu berichten, das Zakharov am Höhenberg absolvierte. Auch aus der Mannschaft habe es "nur positive Rückmeldungen" gegeben.

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"Im Rahmen unserer Möglichkeiten ist Denis Zakharov eine sinnvolle und erfolgversprechende Verpflichtung", ist Wandschneider überzeugt.

Der 24-Jährige spricht außerdem "gut Deutsch, damit ist eine weitere wichtige Voraussetzung erfüllt", sagt der Trainer und erwartet "aufgrund der hohen Integrationsfähigkeit unserer Mannschaft" keine Probleme, den Ex-Gummersbacher einzugliedern, "auch wenn wir letztlich nur sieben Wochen Zeit dafür haben."

Beim ersten Training, das für den 14. Juli vorgesehen ist, wird der Neue mit von der Partie sein. Körperliche Defizite aufgrund der zurückliegenden Verletzungen befürchtet Wandschneider nicht, "was ihm natürlich fehlt, ist Spielpraxis."

Auch Manager Uli Derad ist überzeugt, mit Zakharov den richtigen Griff getan zu haben: "Für ihn sprechen seine starke körperliche Präsenz" - der Russe bringt bei zwei Meter Körperlänge 102 Kilogramm auf die Waage - "seine Stabilität und Wurfkraft."

Außerdem, so steht zu vermuten, dürfte Zakharov nach seiner langen verletzungsbedingten Auszeit zu finanziellen Abstrichen gegenüber seinem Gehalt aus Gummersbacher Zeiten bereit gewesen sein.

Der Vertrag ist auf eine Spielzeit begrenzt. Wandschneider sieht in all dem keinen Nachteil, im Gegenteil: "Denis ist mit 24 noch jung und entwicklungsfähig. Er wird beweisen wollen, dass er einst zu Recht als riesengroßes Talent gehandelt worden ist."

Zakharov ist nach Junioren-Nationalspieler Sebastian Faißt (HG Konstanz) der zweite Zugang des Bundesliga-Aufsteigers, dem stehen die Abgänge von Adrian Pfahl und Alexander Koke gegenüber, der in der vergangenen Woche einen Vertrag bei Regionalliga-Aufsteiger SVH Kassel unterschrieb, wo er in Michael Kopeinigg (Sportlicher Leiter) und Matthias Aschenbroich zwei frühere Dormagener Weggefährten wiedertrifft.

Offen ist - aus beruflichen Gründen - allein noch, ob Peter Sieberger seine Laufbahn fortsetzt, "ansonsten sind unsere Personalplanungen abgeschlossen", sagt Derad.

(NGZ)
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