Jüchen : Höhn: Kampf der Braunkohle

Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen kam die frühere Umweltministerin ins Haus Katz.

Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen kam die frühere Umweltministerin ins Haus Katz.

Jüchen (S.M.) Zurzeit der bis 2005 in Nordrhein-Westfalen die Landesregierung stellenden rot-grünen Koalition war der Streit um den Tagebau Garzweiler II eines der beherrschenden Themen der Landespolitik: Für die damalige Umweltministerin Bärbel Höhn, die gestern Abend in Haus Katz auf Einladung des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen eine Podiumsdiskussion bestritt, ist die Gemeinde Jüchen angesichts dessen nun wirklich kein weißer Fleck in der politischen Landschaft.

"Europaweit war es die erste Auseinandersetzung, die wir um den Klimaschutz geführt haben", misst Bärbel Höhn der damaligen Kontroverse geradezu historische Bedeutung bei. Letztlich sei auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Konsequenz der seinerzeit geführten Auseinandersetzung gewesen. Für Thomas Dederichs, Chef der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und ebenfalls auf dem Podium, ist klar: "Wenn wir heute darüber entscheiden würden, würde es kein Garzweiler II mehr geben." — "Wir waren die einzigen, die die Braunkohle abgelehnt haben", betont Bärbel Höhn, die heute als stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion für regenerative Energien kämpft. Der damalige Konflikt dauert unter anderen Vorzeichen an: "Es ist eine Machtauseinandersetzung zwischen erneuerbaren Energien und den Kohlekraftwerken. Am Ende wird die Braunkohle verlieren, aber was bezahlt der Verbraucher in der Zwischenzeit?", kritisiert sie das "Monopol der Stromproduzenten." Keine Abhilfe schafft für sie die so genannte CCS-Technologie für kohlendioxidfreie Kraftwerke: Den Stromkonzernen gehe es jetzt darum, "Millarden Euro an Steuergeldern abzuholen", doch sei diese Technik letztlich für einen flächendeckenden Einsatz zu teuer: "Alle wissen, dass es diese Kraftwerke in Deutschland nicht mehr geben wird." Da neu zu errichtende kohlendioxidfreie Kraftwerke "zu teuer" und Kraftwerke ohne diese Technologie "Klimakiller" seien, "müssen wir in NRW dramatisch auf erneuerbare Energien setzen", wie die Bundestagsabgeordnete erklärt. Diese schafften auch deutlich mehr Arbeitsplätze: Gebe es allein in der Zukunftsbranche Windkraft 280000 Arbeitsplätze, seien es in der Steinkohle gerade noch 35000, so Bärbel Höhn.

Hans Christian Markert, der Jüchener Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen saß ebenso auf dem Podium, spricht sich mit Blick auf den Kreis für eine verstärkte Nutzung der Abwärme aus: Allein in der Kompostieranlage Glehn fielen drei Millionen Euro Stromkosten an, um Biomasse zu trocknen und zu Kompost umzuarbeiten.

(RP)
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