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Hockey: Truppe des HTC SW Neuss macht einfach Spaß

Hallenhockey : Diese Truppe macht einfach Spaß

Nach dem in der Halle unter Dach und Fach gebrachten Klassenverbleib gönnt sich Hockey-Bundesligist HTC SW Neuss nur eine kurze Pause. Schon in der kommenden Woche beginnt die Vorbereitung auf Teil zwei der Zweitliga-Feldsaison.

Okay, die ganz große Feier ist es nicht geworden. Nach dem am Sonntag mit dem 7:6-Erfolg beim Düsseldorfer HC eingetüteten Klassenverbleib in der Hallen-Hockey-Bundesliga genehmigte sich das Personal des HTC SW Neuss auf der DHC-Terrasse vor der beeindruckenden Hochhaus-Skyline am Seestern noch das ein oder andere kühle Getränk, bevor es weiter ins Klubheim an heimischer Jahnstraße ging. „Früher hätten da einige von uns nackt auf dem Dach gestanden“, kramte Trainer Matthias Gräber schmunzelnd in alten Erinnerungen, doch für derlei Exzesse sei die junge Garde nicht mehr zu haben: „Das ist eine andere Welt.“

Dafür hatten es Krystian Sudol, Samir Khelil & Co. auf dem Hockey-Court mächtig krachen lassen, vor allem nach dem wichtigen Treffer von Kapitän Jan Mausberg zum 2:3-Anschluss im zweiten Viertel. „Da ging ein Ruck durch die Mannschaft“, bemerkte der Coach zufrieden. „Auch zur Halbzeit waren die Köpfe trotz des Rückstands nicht unten.“ Dass es Finn Langheinrich war, der nur Sekunden nach Wiederbeginn mit dem befreienden 3:3 die Weichen auf Sieg stellte, überraschte niemanden bei Schwarz-Weiß, gehörte der 18-Jährige in dieser Saison doch zu den Shooting Stars im deutschen Oberhaus. Mit 16 vom DSD Düsseldorf nach Neuss gewechselt, ist das Supertalent beim HTC im Sauseschritt zu einem Leistungsträger geworden. Gräber: „Gut war er schon, als er kam, aber er hat sich richtig krass entwickelt.“

 Der Neusser Tim Hagedorn zieht aus spitzem Winkel ab, doch Krefelds Schlussmann Krischan Schliemann ist auf der Hut.
Der Neusser Tim Hagedorn zieht aus spitzem Winkel ab, doch Krefelds Schlussmann Krischan Schliemann ist auf der Hut. Foto: A. Woitschützke
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Klar, dass seine herzerfrischenden Auftritte auch der Konkurrenz nicht verborgen geblieben sind. Sein Trainer bleibt indes gelassen: „Er weiß, was er an uns hat. Hier hat er viele Freiheiten, die er anderswo nicht hätte, kann sich in Ruhe entwickeln. Er kriegt schon ein paar Regeln an die Hand, ist aber immer auch ein bisschen ein Künstler.“ Zusätzlich arbeitet der HTC daran, ihm einen Verbleib in Neuss noch schmackhafter zu machen. „Mal gucken, wo der Weg hinführt“, sagt Gräber listig, „vielleicht spielen wir ja irgendwann auch auf dem Feld wieder in der 1. Liga ...“

Das ist zwar bestenfalls Zukunftsmusik, von seiner Truppe ist der Coach aber hundertprozentig überzeugt: „Das ist ein Haufen, der lieber fünf- als dreimal in der Woche trainiert. Die Jungs, auch Routiniers wie Ivo Otto oder Abbas Haider, haben einfach Bock und Lust, sich weiterzuentwickeln. Das macht auch mir als Trainer Spaß.“ Gut möglich, dass demnächst eine vierte Einheit das Trainingsprogramm erweitert – morgens ab 7 Uhr vor der Arbeit oder der Uni.

Die Pause vor dem Restart auf dem Feld fällt darum recht kurz aus. Schon in der kommenden Woche ist die Mannschaft wieder zusammen, legt unter der Regie des Trainers und von Teammanager Carlos Navarette in zwei Laufgruppen die konditionellen Grundlagen für die am 23. April mit dem Match beim Bonner THV fortgesetzte Zweitliga-Saison. Schaden könne es zudem nicht, „wenn die Jungs, um ein bisschen Kraft zu machen, auch mal ‘ne Hantel in die Hand nähmen“, findet Gräber. Tatsächlich mit der Vorbereitung los geht es dann am 21. Februar. Bis dahin soll sich auch personell noch etwas tun. Sicher ist, dass aus dem eigenen Nachwuchs der ungemein ehrgeizige Freddy Lonnes (16) aufrückt. „Gräber: „Ein guter Junge – und heiß wie Frittenfett!“ Dazu könnte noch das ein oder andere Talent aus der Nachbarschaft kommen.

Als Tabellenvierter im Norden macht der HTC bislang zwar eine ausgesprochen gute Figur, doch für Gräber ist klar: „Nach oben geht für uns nix mehr, dazu ist der Crefelder HTC zu souverän.“ Gefahr droht indes von unten. Kein Wunder bei bis zu fünf Absteigern, mahnt der vorsichtige Coach, dessen Schützlinge eine weitaus bessere Ausgangsposition mit einer Serie von sechs sieglosen Spielen in Folge (vier Unentschieden, zwei Niederlagen) verpasst hatten. Aktuell trennen die Neusser fünf Punkte vom Marienburger SC auf dem ersten Abstiegsplatz. „Am Ende der Hinrunde ist uns ein wenig die Luft ausgegangen“, bestätigt Gräber.

Teammanager Stephan Busse im Gespräch:

Obwohl er mit seiner Familie schon lange in Düsseldorf wohnt, ist Stephan Busse großer Fan des Fußball-Erstligisten 1. FC Köln. Auch darum kennt der Teammanager des Hockey-Bundesligisten HTC SW Neuss eigentlich nur zwei Gemütszustände: Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Herr Busse, wie ist die Stimmung nach dem mit dem 7:6-Erfolg beim Erzrivalen Düsseldorfer HC eingebrachten Klassenverbleib in der Ersten Hallen-Bundesliga?

STEPHAN BUSSE Typisch Effzeh halt, total euphorisiert. Ich überlege schon, wie wir es in Zukunft anstellen könnten, mit Neuss mal wieder Platz zwei anzugreifen ...

Im Ernst jetzt?

BUSSE Da muss man schon realistisch sein. Wie viel da noch fehlt, kann ich ganz gut an einem Beispiel festmachen: Uhlenhorst Mülheim steht hinter Rot-Weiß Köln als Zweiter im Viertelfinale und kann sich den Luxus erlauben, Nationalspieler von der Bank zu bringen. Das sagt eigentlich alles!

Der Freude über den Klassenverbleib tut das aber wohl keinen Abbruch, oder?

BUSSE Natürlich nicht, zumal er meiner Meinung nach am Ende zwar glücklich, in Summe aber total verdient war. Im Vergleich zu Blau-Weiß Köln waren wir einfach die bessere Mannschaft. Ich freue mich besonders für die jungen Spieler wie Finn und Thore Langheinrich, Samir Khelil oder auch Tim Hagedorn. Von denen hatte vorher keiner Erste Bundesliga gespielt.

Apropos Finn Langheinrich. Obwohl gerade mal 18, hat er eine herausragende Hallensaison gespielt und damit seine positive Entwicklung auf dem Feld fortgesetzt.

BUSSE Stimmt. Aber wir müssen uns personell trotzdem weiterentwickeln. In Düsseldorf hat Finn 53 von 60 Minuten auf dem Platz gestanden – und auch wenn er das irgendwie geschafft hat, geht das auf Dauer natürlich nicht.

Wie also geht es weiter?

BUSSE Wir müssen jetzt gucken, dass wir die Feldsaison gut zu Ende bringen. Denn durch sind wir da noch nicht.