Hockey: SW Neuss spielt um Aufstieg in die Bundesliga

Hockey : HTC spielt im Fernduell um den Aufstieg

Am letzten Spieltag der Hockey-Bundesliga muss Neuss sein Heimspiel gewinnen und auf eine Niederlage des Spitzenreiters hoffen.

Nur ein winziges Pünktchen trennt den HTC SW Neuss vor dem Saisonfinale in der 2. Hockey-Bundesliga Nord von Spitzenreiter Hamburger Polo Club. Der Lohn für eine fast tadellose Rückrunde, die Sebastian Draguhn & Co. bislang ohne Niederlage absolviert haben und in der ansonsten nur zwei Unentschieden das Konto der Schwarz-Weißen belasten. Und doch: Angst vor der eigenen Courage bekommt an der Jahnstraße vor dem Duell am Sonntag (Anstoß 14 Uhr) mit dem ehemaligen Angstgegner Schwarz-Weiß Köln niemand. „Wir haben keinen Druck und können frei aufspielen“, sagt Trainer Matthias Gräber.

Die Lage Eigentlich spricht alles für den Hamburger Polo Club: Der Tabellenführer kann den Aufstieg nicht nur aus eigener Kraft perfekt machen, sondern verfügt auch über das bessere Torverhältnis (+16) und tritt am Sonntag beim bereits abgestiegenen Stadtrivalen Klipper THC an. Schon das Hinspiel war mit 5:0 an die Schützlinge von Trainer Matthias Witthaus gegangen. Ein Sieg des Schlusslichts, bei dem wohl keiner der drei ehemaligen Neusser, Gregor Steins, Lucas Teepe und Thomas Zilkens, zum Einsatz kommen dürfte, käme einer Sensation gleich.

Die Hoffnung stirbt zuletzt Natürlich weiß auch HTC-Trainer Matthias Gräber um die Kräfteverhältnisse im Hamburger Derby. „Aber je länger es da Unentschieden steht, desto rappeliger wird Polo werden. Wenn man bedenkt, welchen Aufwand - auch finanziell - die betrieben haben, um aufzusteigen, dann käme ein Scheitern schon einer Katastrophe gleich. Der Verein hat ja sogar schon Spieler für die 1. Liga verpflichtet und neue Sponsoren gewonnen. Diesen Druck musst du erst mal aushalten. Und die Hütte wird auf jeden Fall voll sein.“

Zusätzlicher Anreiz Um das Schlusslicht zu maximaler Gegenwehr zu animieren, haben die Neusser versprochen, 500 Liter Bier in die Hansestadt zu schicken, wenn das Ergebnis an der Elbe Schwarz-Weiß den Aufstieg bringt. Das kann klappen, wie die Rheinländer vor acht Jahren selber leidvoll erfahren haben. Im Saisonfinale der 2. Bundesliga 2009/2010 legte sich SW Köln nach einer vom Harvestehuder THC in Aussicht gestellten Bierspende derartig ins Zeug, dass es die als Spitzenreiter angereisten Neusser mit 2:1 schlug und damit dem Tabellenzweiten aus Hamburg den Weg zurück ins Oberhaus ebnete.

Machte ein Aufstieg überhaupt Sinn? Natürlich steckt der HTC mitten in einem personellen Umbruch, zudem verlassen wertvolle Stützen die Mannschaft. Aber Gräber hat trotzdem Argumente für eine Rückkehr in die deutsche Eliteklasse: „Zum einen hättest du dann auf jeden Fall die Gewähr für zwei weitere Jahre Bundesliga-Hockey in Neuss. Zum anderen wären wir wahrscheinlich gar nicht mal so chancenlos, denn die halbe Liga steht vor einem kompletten Generationswechsel: Der Crefelder HTC verliert neben seinen Olympiasiegern Oskar Deecke und Linus Butt wichtige Akteure, beim Düsseldorfer HC sind sieben Spieler weg, darunter Routiniers wie Clemens Oldhafer und Linus Müller. Der UHC Hamburg verliert Olympiasieger Moritz Fürste. Mithalten können sollten wir auch mit Nürnberg sowie dem Süd-Aufsteiger BW Berlin.“

Abschiedsvorstellung Auch in Neuss sagen am Sonntag drei Spieler ade, die an der Jahnstraße eigentlich zum lebenden Inventar gehören: Philipp Weide war für den HTC zwölf Jahre am Schläger, Steven Dühr sicher ein gutes Jahrzehnt und Abwehrchef Christoph Martial ist seit 1999 ununterbrochen dabei. Gräber: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Drei bald nicht mehr dabei sein sollen. Das ist schon ein komisches Gefühl und ein großer Cut, auch wenn alle wussten, dass das im Sommer passieren wird.“ Bereits ihre Koffer gepackt haben US-Boy Amrit Beaty und der Weißrusse Oleskii Bielozerov.

Zum Gegner Dem Abstieg glücklich entronnen, können die Kölner locker aufspielen. Zu was die Jungs von Trainer Christopher Jäkel an einem guten Tag imstande sind, zeigten sie am vorletzten Spieltag, als sie im Kölner Stadtderby Blau-Weiß mit 5:2 abfertigten. Allerdings müssen sie am Sonntag in Neuss auf Sebastian Lehrke verzichten. Der Stürmer war erst zur Rückrunde gekommen, danach aber maßgeblich an der Rettung beteiligt. Optimistisch stimmt Gräber auch, „dass uns die Statistik mit einer Quote von 76 Prozent als beste Ecken-Mannschaft ausweist.“

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