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Hockey: Saisonauftakt für Neuss in der 2. Bundesliga

Feldhockey : Dzien dobry, HTC Schwarz-Weiß Neuss

Beim schwierigen Neuaufbau setzt der Hockey-Zweitligist neben zwei Pakistanern auch auf fünf polnische Akteure.

„Dzien dobry“ ist Polnisch und heißt „Guten Tag.“ Fremdsprachenkenntnisse können nie schaden, schon gleich gar nicht im Umfeld des HTC SW Neuss, der am Sonntag um 14 Uhr (GTHC-Anlage An den Holter Sportstätten) mit dem Derby beim Gladbacher HTC in die Hinrunde der 2. Feldhockey-Bundesliga Nord einsteigt. Denn auf die Abgänge der Leistungsträger Philipp Weide, Steven Dühr (beide HC Essen), Christoph Martial (Karriere beendet) und Torwart Jonas Radeke (Crefelder HTC) hat Schwarz-Weiß unter anderem mit der Verpflichtung von drei polnischen Nationalspielern reagiert.

Die Polen-Connection Zum Nachbarn im Osten hat der HTC seit Jahren guten Kontakt: Sebastian Sellner (jetzt BW Berlin) machte den Anfang, ihm folgte Marcin Pobuta. Philipp Weide, im reifen Hockey-Alter noch ins Nationalteam berufen, spielte zu Beginn des Jahres mit dem ebenfalls in Neuss tätigen Tomasz Górny bei den Welt-  und Europameisterschaften in der Halle für Polen. Über Pobuta, der dem HTC auch mit 43 Jahren als Torhüter erhalten bleibt, fanden nun drei weitere Polska-Importe vom Spitzenklub WKS Grunwald Poznan (Posen) den Weg an die Jahnstraße: Dawid Wrobel (22) ist in seinem Heimatland die Nummer drei im Tor. „Bei ihm kannst du zusehen, wie er besser wird“, sagt HTC-Trainer Matthias Gräber. Große Stück hält er auch auf Jacek Kurkowski (20) und Patryk Pawak (21). Aufgrund ihres Engagements für die polnische Eliteauswahl waren die beiden zwar nur beim 8:1 im Testspiel gegen den Regionalligisten Club Raffelberg  dabei. „Aber in dieser Woche hatten wir mit ihnen das beste Training seit Jahren“, schwärmt ihr Coach.

Nachwuchskonzept ade? Gräber gibt in der anstehenden Saison mit 38 Jahren sein Comeback als (Mittelfeld-)Spieler, Ex-Weltmeister Sebastian Draguhn ist auch mit 34 immer noch unverzichtbar, Tomasz Górny, der mit gebrochenem Schultereckgelenk freilich erst zur Hallensaison ins Team zurückkehrt, ist auch schon 32 – und trotzdem hat sich der Spielertrainer nicht von der Idee verabschiedet, das Team zu verjüngen. Ganz im Gegenteil sogar: Jan Mausberg (20), davon ist er hundertprozentig überzeugt, „wird das neue Gesicht des HTC. Er ist Neusser durch und durch – und wird immer besser. Den möchte ich nicht als Gegenspieler haben.“ Auch Niklas Garms, Paul Nacken (beide 22) und Cedric Heimbach (21), der allerdings erst nach dem Schützenfest wieder ins Training eingestiegen ist, seien für größere Rollen bereit. „Und die Jungs aus Polen sind nicht nur für drei Monate hier. Sie werden Deutsch lernen und sich einen Ausbildungsplatz suchen. Sie sollen für mehrere Jahre bleiben.“

Ein Rückkehrer und ein Neuer Sibtain Raza (30), der in der Hinrunde der vergangenen Saison stark aufgetrumpft hatte, ist zurück und damit neben dem fast schon zum lebenden Inventar zählenden Abbas Haider (29) zweiter Pakistaner in der Neusser Truppe. Matthis Schäfer (24), gekommen vom Regionalliga-Absteiger HC Essen, werde im Angriff ordentlich Spielzeit bekommen, kündigt Gräber an.

Die Vorbereitung Obwohl nie alle Mann an Bord gewesen seien, ist der Trainer mit der Form seiner Schützlinge sehr zufrieden. „Von zehn Testspielen haben wir nur eins verloren.“ Am vergangenen Wochenende nahm der HTC am Turnier des HC Ludwigsburg teil, gewann dabei sowohl gegen das Team der Gastgeber als auch gegen die Stuttgarter Kickers (beide 2. Liga Süd). Die 1:3-Niederlage gegen den Erstliga-Absteiger Münchner SC und das 3:3-Unentschieden gegen den Regionalligisten HTC Würzburg machte Gräber vor allem am fehlenden Personal fest. „Wir hatten nur einen Wechselspieler.“ Nicht zur Verfügung standen neben Kurkowski und Pawak auch Draguhn, Stümpel, Nacken, Merge und Raza.

Das Saisonziel Der Hamburger Polo Club hat seine Stars und sein Geld mit ins Oberhaus genommen, aus dem kein Verein in die Nordgruppe abgestiegen ist. Die Favoritenrolle geht damit automatisch an den Vizemeister aus Neuss. Gräber  winkt jedoch energisch ab: „Klar, bis zur Position 13, 14 sind wir deutlich besser besetzt als im letzten Jahr, aber in der Breite auch deutlich schwächer. Das Wort 1. Liga nehmen wir nicht in den Mund, davon sind wir weit weg.“ Vorne erwartet er Großflottbek, BW Köln und „vielleicht auch den Gladbacher HTC“.